Musik mit Zukunft
Orgeltalk in St. Petri Buxtehude

Orgeltalk mit (v. li.) Annegret Schönbeck, Sybille Groß, Benjamin Dippel, Daniel Kaiser, Ulfert Smidt und Christoph Schönbeck | Foto: Christa Haar-Rathjen
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Wie begeistert man junge Menschen für Orgelmusik? Und wer bezahlt künftig den Erhalt der wertvollen historischen Instrumente? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines besonderen Orgeltalks in der farbig illuminierten St.-Petri-Kirche in Buxtehude. Mit dabei: NDR-Moderator Daniel Kaiser und namhafte Experten der Orgelmusik.

Buxtehude. Kekse in Orgelform, Früchte und Getränke im Altarraum, dazu stimmungsvolles Licht und Musik: Kreiskantorin Sybille Groß hatte am 1. Oktober zu einem ungewöhnlichen Gesprächsabend in die St.-Petri-Kirche eingeladen. Unter dem Motto „Zu groß für leise Meinungen“ diskutierten Fachleute über die Zukunft der Orgelmusik und den Erhalt historischer Orgeln. Durch den Abend führte Daniel Kaiser, bekannt vom NDR und dem Podcast „eat.READ.sleep“. Für musikalische Akzente sorgten Groß an der Chororgel und Kaiser an der Querflöte.

Orgelentdeckertage begeistern mehr als 400 Kinder

Der Orgeltalk war Teil der niedersachsenweiten Orgelentdeckertage, die bereits zum elften Mal stattfinden. Allein in Buxtehude, Harsefeld und Horneburg erleben in diesem Herbst mehr als 400 Schülerinnen und Schüler das Instrument bei interaktiven Schulorgelkonzerten. Orgelbau-Workshops und weitere Mitmachangebote ergänzen das Programm.

Wie wichtig solche Begegnungen sind, verdeutlichte Annegret Schönbeck, künstlerische Leiterin der Orgelakademie Stade. Bei Schulorgelkonzerten lässt sie Kinder zur Musik in die Kirche einziehen. „Das berührt sie emotional. Einige sagen: Ich habe mich ganz wichtig gefühlt.“

Auch Sybille Groß erlebt, wie schnell die Begeisterung wächst. Manche Kinder interessieren sich für die Technik, andere für den Klang. Entscheidend sei, den Kontakt anschließend zu halten. Dafür biete das Jugendorgelforum eine Gemeinschaft mit Gleichgesinnten.

Landeskirchenmusikdirektor Benjamin Dippel verwies auf die Erfolge der Nachwuchsarbeit: Mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche hätten in elf Jahren an den Orgelentdeckertagen teilgenommen. Er selbst entdeckte das Instrument durch einen Kirchenbesuch mit seiner Schulklasse und begann mit neun Jahren Orgelunterricht.

Von klassischer Orgelmusik bis zu Filmmusik

Dass Orgelmusik keineswegs altmodisch sein muss, machte Ulfert Smidt deutlich. Der frühere Organist der Marktkirche Hannover und heutige Hochschuldozent verwies auf die britische Organistin Anna Lapwood. Sie begeistert mit moderner Filmmusik auf der Orgel und erreicht über soziale Medien ein großes Publikum.

Die traditionelle Trennung zwischen ernster Musik und Unterhaltung hält Smidt für überholt. „Qualität ist wichtig. Es kommt darauf an, dass die Musikrichtung authentisch rüberkommt.“

Auch Christoph Schönbeck vom Verein NOMINE setzt auf neue Wege. Mit Orgelreisen, hochwertigen Musikaufnahmen und YouTube-Videos will er die norddeutsche Orgelkultur bekannter machen. „Unser Ansatz ist, die Orgelkultur sexy zu machen.“ Bemerkenswert: Rund die Hälfte der Teilnehmer an den Orgelreisen komme aus dem Ausland.

Wer rettet die historischen Orgeln?

Neben der Nachwuchsförderung ging es beim Orgeltalk um eine weitere Herausforderung: den Erhalt der historischen Orgeln in der Region Elbe-Weser. Viele der Instrumente sind jahrhundertealt und benötigen aufwendige Pflege und Restaurierungen.

„Es gibt Orgelpfeifen, die hat seit 500 Jahren niemand verändert. Das ist der Klang der Geschichte“, betonte Christoph Schönbeck.

Die norddeutsche Orgelkultur gehört seit 2017 zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe. Doch wie lässt sich dieses musikalische Erbe langfristig bewahren?

Die Experten waren sich einig: Kirchengemeinden werden künftig verstärkt auf öffentliche und private Fördermittel angewiesen sein. Auch EU-Gelder, politische Unterstützung und ehrenamtliches Engagement spielen dabei eine wichtige Rolle.

NDR-Moderator Daniel Kaiser plädierte zudem dafür, Kirchenkonzerte sinnlicher zu gestalten. Lichtinstallationen und andere visuelle Effekte könnten helfen, Musik noch unmittelbarer erlebbar zu machen.

Hoffnung für die Zukunft der Orgelmusik

Die Diskussion hinterließ auch beim Publikum Eindruck. Nina Gerke aus Stade, die sich auf eine Orgelprüfung vorbereitet, freute sich über neue Perspektiven. Besonders die politische Verantwortung für den Erhalt der Instrumente sei ihr zuvor nicht bewusst gewesen. Dass klassische Musik und Pop gleichermaßen ihren Platz in der Kirche haben, fand sie ermutigend.

Helga Peters und Heiner Penner aus Buxtehude nahmen vor allem eine Erkenntnis mit: „Dass es Hoffnung gibt, dass das Orgelspiel Zukunft hat.“

Annegret Schönbeck formulierte zum Abschluss eine Vision für das Jahr 2040: Sie sehe dann Menschen auf den Orgelbänken sitzen, die einst bei den Orgelentdeckertagen und im Jugendorgelforum ihre Begeisterung entdeckt hätten. Menschen, die ihre musikalischen Erfahrungen und die Freude an der Gemeinschaft an die nächste Generation weitergeben.

Worum ging es beim Orgeltalk in der St.-Petri-Kirche in Buxtehude?

Beim Orgeltalk „Zu groß für leise Meinungen“ diskutierten Fachleute über die Zukunft der Orgelmusik, die Nachwuchsförderung und den Erhalt historischer Orgeln. Moderiert wurde der Abend von NDR-Moderator Daniel Kaiser. Veranstaltungsort war die St.-Petri-Kirche in Buxtehude.

Wie sollen junge Menschen für die Orgel begeistert werden?

Die Experten setzen auf interaktive Schulorgelkonzerte, Mitmachangebote und das Jugendorgelforum. Allein bei den diesjährigen Orgelentdeckertagen in Buxtehude, Harsefeld und Horneburg erleben mehr als 400 Schülerinnen und Schüler die Orgel aus nächster Nähe.

Wie viele Kinder und Jugendliche haben bereits an den Orgelentdeckertagen teilgenommen?

Nach Angaben von Landeskirchenmusikdirektor Benjamin Dippel haben in den vergangenen elf Jahren mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche an den niedersachsenweiten Orgelentdeckertagen teilgenommen.

Kann Orgelmusik auch moderne Musik spielen?

Ja. Hochschuldozent Ulfert Smidt verwies auf die britische Organistin Anna Lapwood, die unter anderem Filmmusik auf der Orgel spielt und damit über soziale Medien ein großes Publikum erreicht. Entscheidend sei weniger die Stilrichtung als eine authentische Interpretation.

Warum ist der Erhalt historischer Orgeln eine Herausforderung?

Viele historische Orgeln sind mehrere Jahrhunderte alt und benötigen aufwendige Pflege sowie Restaurierungen. Nach Einschätzung der Experten werden Kirchengemeinden dafür künftig verstärkt auf öffentliche und private Fördermittel, politische Unterstützung und ehrenamtliches Engagement angewiesen sein.

Warum gehört die norddeutsche Orgelkultur zum UNESCO-Kulturerbe?

Die norddeutsche Orgelkultur wurde 2017 als immaterielles UNESCO-Kulturerbe anerkannt. Sie steht für eine jahrhundertealte Tradition des Orgelbaus und der Orgelmusik, deren historische Instrumente und einzigartiger Klang bis heute erhalten werden sollen.

Orgeltalk mit (v. li.) Annegret Schönbeck, Sybille Groß, Benjamin Dippel, Daniel Kaiser, Ulfert Smidt und Christoph Schönbeck | Foto: Christa Haar-Rathjen
 Sybille Große (v. li.), Benjamin Dippel, Ulfert Smidt, Christoph Schönbeck, Annegret Schönbeck und Daniel Kaiser beim Orgeltalk | Foto: Christa Haar-Rathjen
Sybille Groß an der Chororgel und Daniel Kaiser an der Querflöte | Foto: Christa Haar-Rathjen
Redakteur:

Nicola Dultz aus Buxtehude

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