Besonderes Schutzprogramm in Buxtehude
StoP und Sofia gegen häusliche Gewalt

Lea Wolf (li.) und Andrea Jülisch | Foto: Hansestadt Buxtehude
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"Warum bist du denn nicht sofort gegangen", "das würde ich ja nicht mit mir machen lassen", "es gehören immer zwei dazu"- das sind nur einige der klischeehaltigen Reaktionen, die von häuslicher Gewalt betroffene Frauen befürchten und auch tatsächlich zu hören bekommen. "Das ist leicht gesagt, aber unglaublich schwer umzusetzen",  weiß Andrea Jülisch von Sofia (Sicherer Ort für Frauen) in Buxtehude. "Solche Vorstellungen erhöhen nur die Scham der betroffenen Frauen und verhindern, dass sie sich outen."

Um das Phänomen "häusliche Gewalt gegenüber Frauen" in den Griff zu bekommen und die - oft auch psychologischen - Strukturen von Gewaltspiralen aufzubrechen, hat die Hansestadt Buxtehude mit „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“, „SOFIA – Sicherer Ort für Frauen“  ein spezielles Präventionskonzept entwickelt. Während Andrea Jülisch von Sofia zwei Schutzwohnungen bereit hält und betroffene Frauen lösungsorientiert berät, kümmert sich Lea Wolf von StoP unter anderem um Strukturen, wie das Thema angegangen werden kann, vermittelt Betroffenen an die richtigen Ansprechpartner und  ruft - oft in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Gleichstellungsbeauftragten - Aktionen ins Leben, um auf das Thema häusliche Gewalt aufmerksam zu machen. Dazu gehört auch die "Orange Days", eine 16-tägigie UN-Kampagne gegen Gewalt an Frauen, sowie die bundesweite Kampagne "Ist Louisa hier?". Mit dieser Frage können Frauen das Personal in der Gastronomie diskret darüber informieren, dass sie sich in einer Notlage befinden und Hilfe wünschen, ohne sich erklären zu müssen. Das geschulte Personal hat einen genauen Plan, wie der Frau schnell und ohne großes Aufsehen geholfen werden kann. In Buxtehude gibt es mehrere Gastronomie-Betriebe, die  ihr Personal von Lea Wolf schulen lassen haben.

Die Anzahl der Beratungen und die Tatsache, dass die beiden Schutzwohnungen nahezu immer belegt sind, zeigen, dass das Thema auch in Buxtehude große Bedeutung hat.  "Häusliche Gewalt ist keine Privatangelegenheit", erklären Jülisch und Wolf. Dennoch sei ein Schutzkonzept, wie es in Buxtehude dank Politik und Verwaltung angeboten wird, nicht selbstverständlich. 

Häusliche Gewalt findet in allen sozialen Schichten statt und reicht von Kontrolle und Demütigung über Schlagen und Tritte bis hin zur kompletten finanziellen Abhängigkeit der Frau. In leichteren Fällen erkennen betroffene Frauen oft selbst nicht, dass es sich bereits um häusliche Gewalt handelt, verteidigen ihren Partner, den sie oft auch lieben, und suchen die Schuld bei sich. In schwereren Fällen befinden sich die Opfer in einer ohnmächtigen Lage, aus der sie ohne Hilfe gar nicht mehr herausfinden. "Wer kann denn schon gehen, wenn er bzw. sie kein eigenes Konto und keinen Cent in der Tasche hat?", fragt Andrea Jülisch. "Darüber hinaus gehören oft noch Kinder zur Familie, die nicht aus ihrem Umfeld gerissen werden sollen. Und auch die Angst, dass ihr nicht geglaubt wird, zwingt viele Frauen dazu, in der Situation auszuharren." 

Daher sei es wichtig, dass auch Nachbarn, Bekannte, Freunde, Familienmitglieder und Kollegen aufmerksam sind und reagieren, wenn sie häusliche Gewalt vermuten. "Sie können z. B. behutsam nachfragen und der Betroffenen Hilfe anbieten, aber auch - wenn es z.B. es in der Nachbarwohnung laut und gewalttätig zuzugehen scheint - die Polizei rufen", sagt Lea Wolf. "Das zeigt dem Täter zumindest, dass sein Verhalten nicht unbemerkt bleibt und auch nicht toleriert wird."

Betroffene Frauen können sich unter Tel. 04161 501-5015 und per Mail an sofia@stadt.buxtehude.de  von Andrea Jülisch beraten lassen.

Redakteur:

Nicola Dultz aus Buxtehude

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