"Der Melkerstieg soll unsere Heimat sein"

Familie Weiß will am Melkerstieg zusammen wohnen. Die Stadt hat mit den Reihenhäusern aber andere Pläne
  • Familie Weiß will am Melkerstieg zusammen wohnen. Die Stadt hat mit den Reihenhäusern aber andere Pläne
  • hochgeladen von Tom Kreib

tk. Buxtehude. Das Reihenhaus von Gerhard Weiß am Melkerstieg ist top in Schuss. So wie diese Wohnung wollen er und andere Mitglieder seiner Familie auch vier andere Reihenhäuser sanieren. "Auf eigene Kosten", sagt er. Daraus wird nichts werden, wenn die Stadt ihre Pläne umsetzt: Die derzeit vier leerstehenden Häuser sollen renoviert und für Asylbewerber bereit gestellt werden. Die Haushaltsmittel von rund 470.000 Euro hat der Rat dafür freigegeben. "Kampflos geben wir nicht auf", sagt Gerhard Weiß.

Die Familien Weiß und Ernst, die dort einziehen wollen, sind Sinti. Zwei der insgesamt sechs Häuser bewohnen sie seit Anfang der 80er Jahre. Die übrigen vier waren auch ihr Zuhause. "Dort sind wir aufgewachsen", sagt Roberto Ernst. Die Stadt hat diese Reihenhausanlage für Sinti gebaut. Vorher lebten sie am Alten Postweg.

Melanie Weiß berichtet, dass ihre Familie den Wunsch, die Häuser wieder zu beziehen, schon vor einem Jahr geäußert habe. Auch damals sei deutlich gemacht worden, dass die Sanierung durch die Mieter erfolgen solle. "Viele unserer Enkel haben Handwerksberufe wie Maurer, und Klempner erlernt", sagt Gerhard Weiß.

Dass er mit vielen Familienmitgliedern auf einem Fleck leben will, ist für Gerhard Weiß keine Frage. Außenstehenden mag das wie eine Form der Ghettobildung erscheinen - für die Sinti, betont Weiß, ist das aber ein entscheidender Teil ihrer kulturellen Identität. "Früher sind wir auch zusammen gereist und nicht alleine."

Dass die Planungen der Stadt in eine völlig andere Richtung gehen, hätten sie aus der Zeitung erfahren, so Melanie Weiß "Niemand hat uns gesagt, das ist beschlossene Sache." Anfang April hat es Gerhard Weiß auch offiziell aus einem Brief der Stadtverwaltung erfahren. Weil Buxtehude verpflichtet ist, Asylbewerber unterzubringen, sollen die stadteigenen Häuser dafür hergerichtet werden. Bis zu 24 Menschen sollten dort eine vorübergehende Bleibe bekommen.
Der Grundsatzbeschluss der Politik steht: die Häuser werden für Asylbewrrber hergerichtet. Alternativen haben sich als teurer oder aus Sicht von Verwaltung und Politik als wenig praktikabel herausgestellt.

Ob damit das letzte Wort gesprochen ist, bleibt derzeit noch offen. Gerhard Weiß hat den Niedersächsischen Verband Deutscher Sinti eingeschaltet. Und Melanie Weiß sammelt Unterschriften. Nicht gegen Asylbewerber, sondern für den Wiedereinzug ihrer Familie am Melkerstieg. Was sie dabei in der Nachbarschaft erlebt, ist das Gegenteil dessen, was Anfang der 80er Jahre geschah: damals gab es Einsprüche bei der Bezirksregierung von Anwohnern gegen das städtische Bauprojekt. "Heute sagen viele, wir wollen unsere Zigeuner wiederhaben", berichtet Melanie Weiß. Das politisch wenig korrekte Wort "Zigeuner" betrachtet sie dabei als Kompliment von Menschen, die ihre Nachbarn schätzen. "Das ist nett gemeint", sagt Melanie Weiß.

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

Wirtschaft
Dehoga-Präsident Detlef Schröder

Dehoga-Umfrage zu Corona-Folgen
Gastronomie und Hotellerie mit riesigen Löchern in den Bilanzen

(bim/nw). Auch wenn Restaurants und Cafés unter Auflagen wieder Gäste bewirten und Hotels Touristen beherbergen dürfen, ist die Not in der Branche weiterhin groß. Nach wochenlanger Zwangspause klaffen riesige Löcher in den Bilanzen. Die Umsätze liegen weit unter den Vorjahreswerten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Niedersachsen vom 3. bis 10. August durchführte und an dem sich 747 Gastronomen und Hoteliers beteiligten. Verlängerung...

Politik
Neuer Job: Jannik Stuhr

Neider wittern Verschwörung im Winsener Rathaus
Job über das CDU-Parteibuch?

thl. Winsen. Jannik Stuhr ist der "Neue" im Winsener Rathaus. Ab 1. September ist er für die "weitere Digitalisierung städtischer Verwaltungsabläufe und Dienstleistungen" zuständig. Doch bevor Stuhr seinen Dienst antritt, wittern einige Personen bereits Verschwörungen. "Stuhr ist Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Stelle und der Jungen Union im Landkreis. Zudem war er Wahlkampfunterstützer für Bürgermeister André Wiese. Gab die Parteizugehörigkeit den entscheidenden Ausschlag?", heißt es in...

Wirtschaft
Der Industriehafen in Stade-Bützfleth soll erweitert werden
  3 Bilder

Das Tor zur Welt
Pläne für die Erweiterung des Stader Binnen- und Seeschiffhafens

jab. Stade. Der Binnen- und Seeschiffhafen in Stade ist der drittgrößte Umschlagplatz in Niedersachsen. Seit Jahren schon gibt es die Überlegungen, den Industriehafen in Stade-Bützfleth zu erweitern. Passiert ist bisher nichts. Doch nun liegt ein Perspektivpapier vor, das durch den Betreiber Niedersachsen Ports (N-Ports) in den vergangenen Jahren erstellt wurde und konkrete Planungen für eine Erweiterung beinhaltet. Auf der Sommertour des Landtagsabgeordneten Kai Seefried und der...

Politik
Uwe Harden

Corona-Maßnahmen im Landkreis Harburg
Uwe Harden fordert: "Mündige Bürger statt Sanktionsregime"

(bim). Drages Bürgermeister Uwe Harden, der auch stellvertretender Landrat des Landkreises Harburg ist, hat einen Leserbrief zur Schließung der Abstrichzentren der Kassenärztlichen Vereinigung in Winsen und Buchholz verfasst. Im Grunde ist es aber eine Einschätzung bisheriger Corona-Maßnahmen auf Landkreis- und Bundesebene, die wir hier in Auszügen veröffentlichen: "Ich finde, die Kreisverwaltung hat bislang in der Corona-Pandemie lobenswerte Arbeit geleistet. Zwar sind bis Mitte Mai 13...

Wirtschaft
Die Getreideernte lief in den vergangenen Tagen auf Hochtouren

Die Weizenfelder sind weitgehend abgeerntet
Erste Erntebilanz im Landkreis Stade: Enttäuschend bis überraschend

jd. Stade. Die Mähdrescher waren in den vergangenen Tagen im Dauereinsatz: Im Landkreis Stade ist die Ernte von Weizen und Gerste weitgehend abgeschlossen. Auf der Stader Geest liegt das Getreide bereits in den Silos, nur in Kehdingen sind noch die Erntefahrzeuge auf den Feldern. "Die Landwirte haben durchschnittliche Erträge eingefahren", zieht Stades Kreislandwirt Johann Knabbe ein erstes Resümee. Dabei gebe es selbst innerhalb des Landkreises starke Schwankungen, "von enttäuschend bis...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen