Halbzeit beim Bellmann-Jahr
Neue Heimat für einen Heimatdichter in Buxtehude
- Helga Peters und Bernd Utermöhlen in der „Bellmann-Stuuv“
- Foto: pau
- hochgeladen von Pauline Bellmann
Wer in die neuen Räume der Bellmann-Bibliothek in der Hauptstraße 15 in Altkloster eintritt, entdeckt einen Ort, der viel zu erzählen hat. Ein alter Holzstuhl, eine Schreibmaschine, Bücher bis unter die Decke. Sie schreiben die Geschichte eines Mannes, der die plattdeutsche Sprache in der Region maßgeblich geprägt hat: Johann Diedrich Bellmann.
„Willkommen in der neuen Bellmann-Stuuv“, begrüßen Helga Peters und Bernd Utermöhlen vom Heimat- und Geschichtsverein Buxtehude. Die beiden haben – gemeinsam mit ihrem Team – dem literarischen Nachlass des Heimatdichters nach dem überraschenden Auszug aus den Räumen am Stavenort ein neues Zuhause gefunden. Zwischen Manuskripten, Fotografien und persönlichen Erinnerungsstücken wird noch eingeräumt und sortiert. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für die nächsten Höhepunkte des Bellmann-Jahres.
Denn zwanzig Jahre nach seinem Tod erlebt Bellmann in der Region eine Art Renaissance. Seit gut einem halben Jahr erinnern Lesungen, Konzerte, Theaterabende und Führungen an den Schriftsteller, Theologen und Sprachbewahrer – einen Großteil organisiert das Team der Bellmann-Bibliothek. Und die Resonanz ist groß: Das Interesse reicht weit über den Landkreis hinaus, berichten Peters und Utermöhlen: „Wir hatten sogar Besuch aus Süddeutschland und auch in Bremen lagen unsere Flyer aus“.
Bellmann wurde in Ruschwedel geboren und wuchs in Nindorf auf. Plattdeutsch war seine erste Sprache, Hochdeutsch lernte er erst mit Beginn der Schulzeit: „Von vondag an ward Hoochdüütsch snackt“, erinnerte er sich später in einem Essay an die Worte seines Lehrers. Nach dem Abitur studierte er Theologie in Tübingen und hielt bald danach seine erste Predigt in der Kirche zu Apensen. Im Laufe seines Lebens wurde er Pastor, Lehrer, Dozent, Förderer von „Plattdüütsch in de Kark“ und einer der bedeutendsten niederdeutschen Autoren der Region.
Dabei schrieb Bellmann nie über bloße Heimatromantik: „Bellmanns Texte haben immer eine besondere Tiefe, eine weitere Stufe, die man entdecken muss“, sagt Peters. „Seine Sprache ist Ausdruck einer inneren Auseinandersetzung mit Problemen der Gegenwart“, heißt es in der Urkunde zum Klaus-Groth-Preis für niederdeutsche Literatur. Für den NDR-Journalisten Christoph Ahlers steht fest: „Johann Diedrich Bellmann hat niederdeutsche Weltliteratur geschrieben.“
Am Mittwoch, 24. Juni, öffnet die neue Bellmann-Bibliothek ihre neuen Räume offiziell für Besucher. Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins sind ab 11 Uhr eingeladen, Nachbarn und Interessierte ab 17 Uhr. Ein weiterer Höhepunkt folgt wenige Tage später: Am Sonntag, 28. Juni, um 10 Uhr wird in der Kirche zu Apensen ein plattdeutscher Gottesdienst gefeiert – an genau dem Ort, an dem Bellmann einst seine erste Predigt hielt.
Zwanzig Jahre nach seinem Tod lebt sein Werk weiter. In Büchern, Liedern und Geschichten. Und in einer kleinen Bibliothek in Altkloster.
Redakteur:Pauline Bellmann aus Buxtehude |
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