Johanna Wiebe (17) wünscht sich mehr Frauen im Boxsport
Buxtehude: Keine Gegnerinnen in Sicht

Johanna Wiebe (re.) mit Milena Mensching, zwei der wenigen Mädchen beim Boxen. Wettkämpfe könnten sie gegeneinander nicht bestreiten - Milena ist erst #+seit einem knappen halben Jahr dabei
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ab. Buxtehude. Sich manchmal eine blutige Nase zu holen, gehöre dazu, sagt Johanna Wiebe (17) - wenn sie nur Gegnerinnen hätte! Vor einem Wettkampf trainiert die Buxtehuderin in der Boxsparte des Buxtehuder Sportvereins (BSV) bis zu sechs Mal in der Woche, investiert viel Zeit, nimmt lange Anfahrten in Kauf - um dann vor Ort zu hören, dass die Gegnerin abgesprungen ist. Nicht nur einmal hat Johanna Wiebe dieses Szenario miterlebt. "Es ist jedes Mal enttäuschend und ärgerlich", sagt sie. Fünf Wettkämpfe und einen Wertungskampf hat sie in vier Jahren absolviert. Das Problem: Die junge Frau ist eine der wenigen Boxerinnen ihrer Klasse.

Schon lange habe sie boxen wollen, erzählt die 17-jährige Sportlerin. "Zu Hause gab es aber seitens meiner Mutter großen Widerstand und viele Diskussionen, bis ein Freund von ihr, der selbst viel Sport treibt, riet: ,Lass sie doch'." Da habe ihre Mutter zugestimmt.

Dass der Boxsport einfach nicht aus seiner Schmuddelecke rauskommt, ist für Johanna unverständlich und ärgerlich. Seit vier Jahren sei sie nun dabei und habe aus dem Freundes- und Verwandtenkreis häufiger gehört: "Du boxt? Das ist doch nichts für Frauen!" Diese alten Klischees, der Boxsport sei nur etwas für Männer mit Tätowierungen und anrüchigem Lebenslauf, seien schwer abbaubar.

"Als ich damals angefangen habe, war ich beim Training das einzige Mädchen unter vielen Jungs und Männern", erinnert sich Johanna. Immer wieder habe sie versucht, Freundinnen dafür zu begeistern. "Die sind dann ein paar Mal zum Training mitgekommen und meinten anschließend, es sei ihnen zu anstrengend." Dabei sei dieser Ganzkörpersport klasse, um in Form zu kommen und fit zu bleiben. "So habe ich immer mit den Jungs trainiert."

Auch Trainer Frank Pahl bestätigt das Fehlen von Frauen in diesem Sport. "Es gibt zwar eine ganz junge Trainingsgruppe, aber ab einem bestimmten Alter bleiben die Mädchen weg." Und gerade bei den Wertungskämpfen sei es wichtig, dass gleichwertige Boxerinnen aufeinandertreffen - vor allem in Niveau und Gewicht. "Ich kenne viele Mädchen, die gerne boxen würden, es aber von zu Hause aus nicht dürfen", sagt Pahl bedauernd. Darunter auch junge Frauen mit Migrationshintergrund und großem Interesse, die der Trainer gerne im Boxport sehen würde.

Aktuell hat die BSV-Boxsparte fünf Mädchen bzw. Frauen im Training. Eine von ihnen ist Milena Mensching (16), die seit Dezember 2018 trainiert. "Ich bin durch eine Freundin zum Boxen gekommen", sagt sie. Bei ein bis zwei Einheiten in der Woche liege ihr derzeitiges Trainingspensum. "Vielleicht gehe ich eines Tages auf Wettkämpfe."

Auch Eva Schulz (32) trainiert mit. Sie ist kampferprobt, kommt vom Kickboxen. Dort habe sie immer sehr viele Blessuren davongetragen, darum der Wechsel. Wettkampfambitionen habe sie aber nicht, sagt sie: "Dafür bin ich zu alt."

Johanna Wiebe hingegen will bald wieder richtig ins Training einsteigen. Sie mag den Sport, "weil er mich herausfordert, ich viel Disziplin mitbringen muss und meine Grenzen testen kann. Außerdem ist Boxen ein ehrlicher Sport: Ganz egal, wer du bist - im Ring zählt nur deine Leistung."

• Mehr über den Boxsport beim BSV unter www.bsv-buxtehude.de/sportarten/kampfsport/boxen.

Johanna Wiebe (re.) mit Milena Mensching, zwei der wenigen Mädchen beim Boxen. Wettkämpfe könnten sie gegeneinander nicht bestreiten - Milena ist erst #+seit einem knappen halben Jahr dabei
Johanna Wiebe nach einem sogenannten Einstellungskampf, der im Gegensatz zu den Wertungskämpfen nicht zählt

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