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Totalunternehmer oder Einzelvergabe
Fachveranstaltung an der HS 21 zeigt Alternativen für kommunale Bauprojekte

Matthias Riel, Bürgermeister von Jork, berichtet von seinen Erfahrung mit der Vergabe des Schulneubaus an einen Totalunternehmer
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  • Matthias Riel, Bürgermeister von Jork, berichtet von seinen Erfahrung mit der Vergabe des Schulneubaus an einen Totalunternehmer
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Kommunale Bauprojekte: Experten zeigen bei Veranstaltung an der hochschule 21 in Buxtehude Vorteile von Totalunternehmern 

Bei größeren kommunalen Bauprojekten kann die Vergabe an einen Totalunternehmer eine sinnvolle Alternative sein. Welche Chancen dieses Modell bietet, zeigte kürzlich eine Fachveranstaltung an der hochschule 21 in Buxtehude. Dort informierten Experten aus Praxis, Recht und Planung über Erfahrungen und Herangehensweisen bei komplexen Bauvorhaben.

Der Hintergrund: Die Hansestadt Buxtehude steht vor großen Aufgaben im Schulbau. Im Rahmen des Masterplans Grundschule wird aktuell geprüft, ob bestehende Schulen saniert oder neu gebaut werden sollen – die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie wurden kürzlich im Ausschuss vorgestellt (das WOCHENBLATT berichtete).

CDU-Ratsherr, Bauingenieur und Hochschuldozent Thomas Ringhoff sieht in der aktuellen Diskussion vor allem den Bedarf, verschiedene Wege offen und fundiert zu betrachten. Ihm erscheinen die bisherigen Planungen in Teilen noch zu wenig konkret, etwa bei den Kostenansätzen sowie bei Fragen zur Finanzierung und Umsetzung. Mit der von ihm initiierten Veranstaltung wollte Ringhoff daher vor allem neue Impulse geben und alternative Vorgehensweisen beim kommunalen Bauen aufzeigen.

Große Resonanz auf Infoveranstaltung an der hochschule 21

Unter dem Titel „Öffentliche Bauaufträge – Vergabe an Totalunternehmer“ informierten die Experten über Möglichkeiten, kommunale Bauprojekte effizient umzusetzen. Die Veranstaltung war sehr gut besucht, der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Unter den Gästen waren unter anderem Erster Stadtrat Ralf Dessel, zahlreiche Ratsmitglieder aus allen Fraktionen sowie Vertreter des Stadtelternrats. Die Moderation übernahm Sandra Horstmann aus Hamburg.

Praxisbeispiel Jork: Neubau erfolgreich mit Totalunternehmer umgesetzt

Ein praktisches Beispiel lieferte Matthias Riel, Bürgermeister der Gemeinde Jork. Dort entsteht aktuell eine neue vierzügige Grundschule – das größte Bauprojekt in der Geschichte der Gemeinde.

Bereits 2018 begann die Planung. In einer frühen Phase wurde gemeinsam mit Studierenden der hochschule 21 der Raumbedarf ermittelt und ein pädagogisch ausgerichtetes Raumkonzept entwickelt. Erst danach wurde ein Grundstück gesucht.

Die Gemeinde entschied sich für die Vergabe an einen Totalunternehmer, der sämtliche Leistungen von der Planung bis zur Umsetzung übernimmt. Ziel war es, Baukosten zu reduzieren und die Bauzeit zu verkürzen. Die Gemeinde machte bewusst nur wenige Vorgaben, um den Fachplanern größtmöglichen Spielraum zu geben.

Das Ergebnis: Der erste Spatenstich ist erfolgt, die Fertigstellung ist für Sommer 2027 geplant. Insgesamt sind 29,3 Millionen Euro eingeplant. „Das hätten wir aus dem Rathaus nicht so leisten können“, sagte Riel. Er hob insbesondere die Kostentransparenz und die Einbindung aller Beteiligten hervor. Auf die Nachfrage von Marc Höper, Vorsitzender des Stadtelternrates, bestätige Riel, dass auch das Thema Inklusion bei der Planung von Anfang an mit gedacht und berücksichtigt wurde.

Beispiel Bremervörde: Neubau statt dauerhafter Sanierung

Auch Andreas von Fintel, Projektleiter für den Neubau der Berufsbildenden Schulen in Bremervörde, stellte ein Großprojekt vor. Dort fiel nach jahrzehntelangen Sanierungen die Entscheidung für einen kompletten Neubau.

Grund waren erhebliche bauliche Mängel, hohe Betriebskosten, u.a. Probleme beim Brandschutz sowie veränderte Anforderungen an moderne Schulräume. Eine Sanierung hätte nur einen geringen Kostenvorteil gebracht, sodass letztlich ein Neubau auf dem bestehenden Grundstück beschlossen wurde.

Auch hier wurde das Projekt an einen Totalunternehmer vergeben. Entscheidende Gründe waren Kostensicherheit, klare Verantwortlichkeiten und ein strukturierter Ablauf. Das Projektvolumen liegt bei rund 90 Millionen Euro.

Kostensicherheit und Planung: Vorteile des Totalunternehmer-Modells

In einem weiteren Vortrag erläuterten Thomas Ringhoff und Carsten Harth (hochschule 21) die Unterschiede bei der Kostenermittlung zwischen klassischen Verfahren und dem Totalunternehmer-Modell.

Ringhoff machte deutlich, dass belastbare Kosten in der klassischen Planung oft erst sehr spät feststehen. Ein zentraler Satz: „Unschärfe geht nicht weg, sie geht in die Preise.“

Das bedeutet: Unklare Planungen führen im Nachhinein häufig zu höheren Kosten. Beim Totalunternehmer hingegen erfolgt die Planung detaillierter und zum Teil bis in Leistungsphase 3 bis 5, was mehr Kostensicherheit ermöglicht.

Harth ergänzte, dass bereits in frühen Projektphasen auch die späteren Nutzungskosten berücksichtigt werden sollten.

Vergaberecht: Vorteile bei Neubauten, Einschränkungen bei Sanierungen

Rechtsanwalt Hauke Schüler von der Kanzlei Kapellmann in Hamburg erläuterte die vergaberechtlichen Rahmenbedingungen und die Möglichkeiten der Beauftragung von Totalunternehmern. Er betonte, dass dieses Modell besonders bei komplexen Bauprojekten Vorteile bietet – etwa durch klare Strukturen, gebündelte Verantwortung und effiziente Abläufe.

Gleichzeitig machte Schüler deutlich, dass Sanierungen deutlich schwieriger zu kalkulieren sind. Sie bringen zwangsläufig Unsicherheiten mit sich, die sich auf die Kosten auswirken. Damit griff er die zuvor von Ringhoff formulierte Aussage auf, dass Unschärfen letztlich in die Preise eingehen.

Aus diesem Grund gab Schüler auf die konkrete Nachfrage von  Marcel Haberkorn, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Buxtehude,  zu bedenken, dass die umfassende Sanierung mehrerer Schulen die schlechtere Alternative im Vergleich zum Neubau sein kann.

208 Millionen Euro für Buxtehuder Grundschulen
Was ist ein Totalunternehmer im Bauwesen?
Ein Totalunternehmer übernimmt die Planung und Umsetzung eines Bauprojekts vollständig aus einer Hand.
Warum wurde das Modell in Jork eingesetzt?
Ziel war es, Baukosten zu senken und die Bauzeit zu verkürzen. Zudem sollte die Planung effizienter gestaltet werden.
Welche Vorteile bietet das Totalunternehmer-Modell?
Es bietet unter anderem Kostensicherheit, klare Verantwortlichkeiten und strukturierte Abläufe bei komplexen Projekten.
Warum sind Sanierungen schwieriger zu kalkulieren?
Sanierungen bringen viele Unsicherheiten mit sich, die sich auf die Kosten auswirken können.
Was ist das Ziel der Veranstaltung an der hochschule 21 gewesen?
Ziel war es, alternative Vorgehensweisen beim kommunalen Bauen aufzuzeigen und neue Impulse für aktuelle Projekte zu geben.
Matthias Riel, Bürgermeister von Jork, berichtet von seinen Erfahrung mit der Vergabe des Schulneubaus an einen Totalunternehmer
Andreas von Fintel, Projektleiter beim Schulneubau Bremervörde, hat positive Erfahrung mit der Vergabe an einen Totalunternehmer gemacht
Hochschuldozent  und CDU-Ratsherr Thomas Ringhoff ist Inititator der Veranstaltung
Carsten Harth hielt zusammen mit Thomas Ringhoff einen Vortrag über Kostenermittlung
Rechtsanwalt Hauke Schüler informiert über die rechtlichen Aspekte einer Vergabe an einen Totalunternehmer
Hochschulpräsident Prof. Dr. Ingo Hadrych spricht das Schlusswort
Redakteur:

Nicola Dultz aus Buxtehude

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