Coronavirus im Landkreis Harburg
Reisebüros aus der Region fordern Notfallfonds : "Die Regierung hat uns vergessen"

Stefanie Hellmann (3. v. li.) hat am Mittwoch in Hamburg mit anderen Reisebüro-Mitarbeitern für ihre Branche demonstriert
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Bis zu 100.000 Angestellte sind betroffen. 

mum. Hanstedt/Hamburg. "Rettet die Reisebüros - rettet bis zu 100.000 Arbeitsplätze - rettet die Touristik!" Unter diesem Motto stand eine Demonstration, die am Mittwoch vor dem Hamburger Rathaus stattfand. Leere Reisekoffer, Mund-Nase-Masken mit Weltkarten-Design und viele Plakate: Mitarbeiter von Reisebüros und Reiseveranstaltern haben auf die wirtschaftliche Lage der Branche infolge der Corona-Krise aufmerksam gemacht und einen staatlichen Rettungsschirm gefordert. Mittendrin Mit-Organisatorin Stefanie Hellmann, Inhaberin der "Reiselounge Hellmann" in Hanstedt. "Unsere Branche war die erste, die von der Krise betroffen war - und wir sind die Letzten, die dort wieder rauskommen werden", so Hellmann. "Wir Reisebüros sind mit etwa 11.000 Betrieben selbstständige Unternehmen, die nicht der verlängerte Arm der Reiseveranstalter sind. Wir arbeiten alle auf Provisionsbasis. Die Provision wird nur ausgezahlt, wenn die Reisen stattfinden." Aktuell bedeutet dies: keine Reisen, kein Verdienst.
"Seit gut zwei Monaten verdienen wir Reisebüros kein Geld mehr und müssen sogar erhaltene Provisionen wieder an die Reiseveranstalter zurückzahlen", erklärt Hellmann. Zudem müssen die Reisebüros aber die Abwicklung der stornierten Reisen für die Reiseveranstalter machen. "Da es dafür auch kein Honorar gibt, machen wir quasi einen doppelten Verlust."
Hellmann geht davon aus, dass ihre Branche bis Ende des Jahres keine Arbeitsgrundlage hat. "Wir können nichts verkaufen." Auch das Reiseverhalten werde sich durch die Angst, sich anzustecken, verändern. "Viele Kunden werden vorerst nicht mehr reisen."
Laut Hellmann können sich die Reisebüros Kredite nicht leisten. "Und wir werden diese auch kaum bekommen. Wie sollen wir das Geld wieder zurückzahlen, wenn wir doch erst wieder in einem oder zwei Jahren den Umsatz von vor der Corona-Krise haben werden?" Hellmann deutlich: "Uns wird komplett unsere Arbeitsgrundlage unter den Füßen weggerissen." Auch neue Ideen auf die Beine zu stellen sei nicht möglich, wenn weiterhin Reiseverbot und Angst vor dem Virus herrscht.
Aus diesem Grund fordern die Reisebüros eine weitere finanzielle Soforthilfe für sich und die vielen touristischen Unternehmen. Die Touristik bestehe nicht nur aus den großen Konzernen wie etwa der TUI, so Hellmann. Bislang seien Zehntausende klein- und mittelständische Unternehmen in der Reisebranche von der Politik fast unbeachtet geblieben. Dabei habe die Corona-Pandemie die Touristik in Deutschland und weltweit in einem Ausmaß getroffen, wie das bei keiner anderen Branche der Fall sei.
"Wir fordern eine finanzielle Soforthilfe für die Vielzahl der touristischen Unternehmen, wie auch für uns Reisebüros", so Hellmann. Beispielsweise könnte ein Notfallfonds bereitgestellt werden, der speziell für die Tourismuswirtschaft einschließlich der Reisebüros eingerichtet werde. Ihr Fazit lautet: "Unsere Branche kümmert sich um die tollsten Tage im Jahr und das mit super engagierten, fachlich top-ausgebildeten Reiseexperten. Das hart erarbeitete Geld unserer Kunden wird in diese besonderen Tage verwandelt. Wir sind immer Ansprechpartner für allen Fragen, Sorgen und Wünschen. Wir sind mehr als nur Vermittler. Unsere Kunden wissen das - nur die Bundesregierung weiß unser fachliches Wissen nicht zu schätzen."

Stefanie Hellmann (3. v. li.) hat am Mittwoch in Hamburg mit anderen Reisebüro-Mitarbeitern für ihre Branche demonstriert
Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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