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Keine Corona-Notbremse im Landkreis Stade

Polizei zeigt Präsenz im Harsefelder Klosterpark

Gerade im Sommer ein beliebter Aufenthaltsort: der Harsefelder Klosterpark  Foto: jd
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jd. Harsefeld. Grüne Idylle oder gefährlicher Ort? Der Harsefelder Klosterpark steht derzeit verstärkt im Fokus der Polizei. Nach WOCHENBLATT-Informationen gehen die Beamten dort seit Anfang Mai täglich auf Streife, vorwiegend in den Abendstunden. Harsefelds Bürgermeister Michael Ospalski (SPD) begrüßt die regelmäßige Polizeipräsenz: "Gerade ältere Harsefelder meiden zumindest nach Anbruch der Dämmerung den Klosterpark." Dort würden sich häufig Personen aufhalten, denen man im Dunkeln nicht gern begegne. Verwandelt sich der tagsüber so beschaulich wirkende Park etwa abends in einen Ort der Kriminalität?

Auf WOCHENBLATT-Nachfrage hat sich Polizeisprecher Rainer Bohmbach die Vorfälle der vergangenen vier Jahre angeschaut: "In diesem Zeitraum gab es im Klosterpark weder Gewaltdelikte noch Straftaten wie Raub oder Diebstahl." Es seien aber mehrere Anzeigen wegen nächtlicher Ruhestörung sowie Sachbeschädigung erstattet worden. Über den Umfang der aktuellen Kontrollen könne er aus polizeitaktischen Gründen jedoch keine Auskunft geben, so Bohmbach.

Tatsächlich ist der Klosterpark gerade in der warmen Jahreszeit ein beliebter Aufenthaltsort. Während tagsüber Hundebesitzer Gasse gehen und Senioren auf Parkbänken verweilen, um die Ruhe zu genießen, geht es an manchen Abenden etwas turbulenter zu. Gerade der Bereich um den großen Teich hat sich zu einem Treffpunkt verschiedener Gruppen entwickelt. So halten sich an den Treppen vor dem Museum vorwiegend Jugendliche auf, während auf den Bänken direkt am Teich offenbar eher Personen sitzen, die gemeinsam Alkohol konsumieren. Ein Stück weiter wiederum sind Flüchtlinge anzutreffen, die vorwiegend aus Afrika stammen.

Diese Situation ist für manche Harsefelder offenbar ein Ärgernis. Ospalski hat kürzlich den Brief eines besorgten Bürgers zum Thema Klosterpark erhalten. Darin wird die Gemeinde aufgefordert, dem "Herumlungern im Park dringend Einhalt" zu gebieten. Unternehme die Gemeinde nichts, entwickle sich der Park zu einer "No-Go-Area", so der Bürger.

Diese Einschätzung hält Rathauschef Rainer Schlichtmann für übertrieben. Er sei kürzlich in den Abendstunden durch den Park geradelt und habe das nicht als gefährlich empfunden. Dennoch begrüße er die Polizeistreifen: "Unser großes Problem ist die zunehmende Vermüllung der Parkgeländes. "Jeden Morgen sind unser Bauhof-Mitarbeiter unterwegs, um die Abfälle rund um die Sitzbänke und auf den Rasenflächen einzusammeln." Häufig würden auch Bierflaschen zerschlagen. Die Scherben müssten mühsam aufgelesen werden. Selbst am Wochenende sei nun Personal im Einsatz, um den Park sauber zu halten.

Ein weiterer Anlass zur Sorge ist laut Schlichtmann die nächtliche Lärmbelästigung: "Anwohner beschweren sich vor allem in den Sommermonaten über laute Musik." Das müsse ein Ende haben, so Schlichtmann: "Ich hoffe, dass die Polizeikontrollen hier Wirkung zeigen." Seitens der Gemeinde werde darüber nachgedacht, die Nutzungs-Ordnung für den Park zu verschärfen. Allerdings könne und wolle man niemandem verbieten, im Park zu rauchen oder dort Bier zu trinken. Dafür gebe es keine genauso wenig eine rechtliche Handhabe wie für Betretungsverbote für bestimmte Personenkreise. Der Klosterpark sei nun einmal ein frei zugänglicher Bereich.

Kontrolle wegen der Hautfarbe?

Eine der Personen, die kürzlich im Klosterpark kontrolliert wurden, ist Abdullah* aus dem Sudan. Der Asylbewerber, der einer regelmäßigen Arbeit nachgeht und dafür schon frühmorgens mit dem Rad von Issendorf zum Bahnhof in Horneburg fährt, ärgert sich über das Verhalten der Polizeibeamten: "Ich musste ohne Begründung meine Ausweispapiere vorzeigen und wurde gefragt, warum ich mich im Klosterpark aufhalte. Ich verstehe nicht, dass ich einen Grund dafür angeben muss, wenn ich bei schönem Wetter im Klosterpark sitze."

Nach Angaben des Sudanesen sei ein "hellhäutiges" Pärchen, das in der Nähe gesessen habe, nicht von den Beamten kontrolliert worden. Das mache ihn besonders wütend.
Sollte diese Aussagen zutreffen, klingt das fast nach "racial profiling", also der gezielten Kontrolle von Personen mit dunkler Hautfarbe, wie dies etwa der Hamburger Polizei an den Treffpunkten der Drogenszene vorgeworfen wurde. "Davon kann keine Rede sein", erklärt Polizeisprecher Rainer Bohmbach: "Die Polizei darf jederzeit und ohne besonderen Anlass die Identität von Personen überprüfen."

Dabei gelte die Hautfarbe auf keinen Fall als ein Kriterium für Kontrollen. Der Harsefelder Klosterpark sei auch keine "Gefahrenzone", wie das vor ein paar Jahren für einige Gebiete in Hamburg gegolten habe.

*Name der Redaktion bekannt 

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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