Stiftung fördert Reetdachsanierung
Wohnen wie vor 200 Jahren: Familie aus Issendorf lebt ihren Traum im Denkmal
- Dr. Reinhold Kolck (li.) übergibt den Förderbescheid an Maria und Christoph Hubbe
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Die Zeitreise beginnt schon an der Gartenpforte. Ein mit Kopfsteinen gepflasterter Weg führt durch einen verwunschenen Garten zu einem historischen reetgedeckten Fachwerkhaus. In der großen Stube setzt sich die Reise fort: Schwere Deckenbalken, ein gemauerter Kamin und Sprossenfenster vermitteln das Gefühl, ein liebevoll eingerichtetes Museum zu betreten. Doch der Eindruck täuscht. Hier lebt seit rund dreieinhalb Jahren Familie Hubbe.
Maria und Christoph Hubbe verliebten sich 2022 auf Anhieb in das denkmalgeschützte Anwesen in Issendorf bei Harsefeld. Heute erfüllen sie sich dort ihren ganz persönlichen Traum. „Hier erzählt jeder Stein und jeder Balken eine Geschichte“, sagt Maria Hubbe. Ihr Mann ergänzt: „Wir sehen es als Glück, dieses Denkmal zu erhalten und darin zu leben.“
- Das Wohnhaus steht unter Denkmalschutz
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Als die Hubbes ihr neues Zuhause kauften, war das Baudenkmal bereits in einem guten Zustand. Familie Meyer, die den Hof mehr als 100 Jahre lang von Generation zu Generation besaß, hatte ihn in den 1980er-Jahren umfangreich saniert und unter anderem eine Wärmepumpe eingebaut.
„Wir waren sofort begeistert“, erinnert sich Maria Hubbe. Besonders das rund 3.000 Quadratmeter große Grundstück überzeugte das Ehepaar. Mit Teich mit Bachlauf, Gemüsegarten, Bienenstock und mehreren Sitzecken verwirklichte die Familie viele eigene Ideen. Auch ein mehr als 100 Jahre altes Nebengebäude wurde liebevoll saniert. Dort bieten die Hubbes heute unter anderem Töpfer- und Schmiedekurse an.
Ein Reetdach kostet heute rund 80.000 Euro
Wohnen in einem Baudenkmal bedeutet allerdings auch, mit zahlreichen Vorgaben zu leben. Weil die Gebäudehülle unter Denkmalschutz steht, dürfen Veränderungen nur in enger Abstimmung mit den Behörden erfolgen. Nun steht die Sanierung des historischen Reetdachs an – eine Investition von rund 80.000 Euro.
- Das Reetdach ist stark sanierungsbedürftig
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Unterstützung erhält die Familie von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Um Fördermittel hatte sich das Ehepaar beworben – mit Erfolg. Kürzlich überreichte Kurator Dr. Reinhold Kolck persönlich einen Förderbescheid über 32.500 Euro.
Bei seinem Besuch zeigte er sich beeindruckt vom liebevoll erhaltenen Hof. „Für die nächsten Generationen ist es wichtig, Dinge zu erhalten. Hier steht man mit einem Fuß in der Vergangenheit und mit dem anderen im Heute.“
Historische Bauten prägen die Region
Historische Hofanlagen, Reetdächer und Fachwerkhäuser prägen viele Orte in den Landkreisen Stade und Harburg. Damit dieses baukulturelle Erbe erhalten bleibt, unterstützt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Eigentümer regelmäßig bei aufwendigen Sanierungen. Seit 1990 förderte die Stiftung allein im Landkreis Stade 36 und im Landkreis Harburg neun Baudenkmale.
- Auch die Reetdachsanierung dieses denkmalgeschützten Hofs in Hammah wird von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert
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Derzeit profitieren neben dem Hof der Familie Hubbe auch historische Gebäude in Großenwörden, Hammah, Jork-Königreich und Estorf von Fördermitteln. Im Landkreis Harburg unterstützt die Stiftung zudem die Innensanierung des Wohn- und Atelierhauses der Kunststätte Bossard in Jesteburg.
Dass derzeit mehrere Reetdächer gefördert werden, ist kein Zufall. Nach Angaben der Stiftung zählen sie zu den prägenden Merkmalen der norddeutschen Kulturlandschaft. Während Reet früher als vergleichsweise günstiges Baumaterial galt und oft in Eigenleistung verarbeitet wurde, gehören Reetdächer heute zu den kostspieligsten Dachformen überhaupt.
Fördergelder stammen aus Spenden
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz finanziert ihre Förderungen ausschließlich aus privaten Spenden und Stiftungsmitteln. Unterstützt werden ausschließlich Gebäude, die als Baudenkmal in die Denkmalliste eingetragen sind. In Niedersachsen liegt der Förderanteil häufig bei bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten, maximal jedoch bei 100.000 Euro.
Ein besonderes Anliegen der Stiftung ist es außerdem, die geförderten Gebäude möglichst auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen – etwa beim bundesweiten Tag des offenen Denkmals. So soll das kulturelle Erbe nicht nur erhalten, sondern auch erlebbar bleiben.
Für Maria und Christoph Hubbe ist ihr Fachwerkhaus längst mehr als nur ein Zuhause. Mit jedem restaurierten Balken, jedem sanierten Gebäude und bald auch mit einem neuen Reetdach tragen sie dazu bei, dass ein Stück norddeutscher Baugeschichte auch für kommende Generationen lebendig bleibt.
Häufige Fragen zum Leben im Denkmal und zur Förderung historischer Gebäude
Wo steht das historische Fachwerkhaus der Familie Hubbe?
Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus befindet sich in Issendorf bei Harsefeld im Landkreis Stade.
Warum muss das Reetdach saniert werden?
Das historische Reetdach muss erneuert werden, um das denkmalgeschützte Gebäude dauerhaft zu erhalten. Die Kosten belaufen sich auf rund 70.000 Euro.
Wie hoch ist die Förderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz?
Die Familie Hubbe erhält für die Sanierung ihres Reetdachs einen Förderbescheid über 32.500 Euro.
Welche Gebäude fördert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz?
Gefördert werden denkmalgeschützte Gebäude, die in die Denkmalliste eingetragen sind. Voraussetzung ist eine fachgerechte Sanierung.
Welche Denkmäler werden derzeit im Landkreis Stade gefördert?
Neben dem Hof der Familie Hubbe erhalten derzeit auch historische Gebäude in Großenwörden, Hammah, Jork-Königreich und Estorf Fördermittel.
Warum sind Reetdächer heute so teuer?
Reetdächer erfordern spezielles Handwerk und hochwertige Naturmaterialien. Deshalb gehören sie heute zu den kostenintensivsten Dachformen.
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