Zweifelhafter Ruhm
Die Kunststätte Bossard hat es ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler geschafft

Der Bund der Steuerzahler hatte bereits im Juni an die Mitglieder des Kreistags appelliert, 
die Erweiterung zumindest in der vorliegenden Form zu begraben Foto: bim
  • Der Bund der Steuerzahler hatte bereits im Juni an die Mitglieder des Kreistags appelliert,
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as. Jesteburg. Zu zweifelhaftem Ruhm hat es jetzt der Landkreis Harburg gebracht: In der neuesten Auflage des Schwarzbuchs des Bundes der Steuerzahler (BdSt) wird der geplante Ausbau der Kunststätte Bossard zur "Kunsthalle der Lüneburger Heide" kritisiert. Das Schwarzbuch 2020/2021 dokumentiert Milliarden Euro an Steuergeldern, die die Politik in sinnlose Projekte gesteckt hat - die Verschwendung öffentlicher Mittel bemängelt der BdSt auch im Landkreis Harburg.

Ein kulturelles Leuchtturmprojekt für die ganze Region sollte in Jesteburg entstehen, bis der Vorwurf des Nationalsozialismus gegen Johann Bossard die Pläne, den künstlerischen Nachlass des Malers und Bildhauers zu einer Kunsthalle zu erweitern, erstmal auf Eis legte (das WOCHENBLATT berichtete).

Der Kreis hält aber weiterhin an dem Projekt fest. Im Juni hat der Kreistag beschlossen, dass der geplante Ausbau, den der Landkreis Harburg mit insgesamt zwei Millionen Euro mitfinanzieren will, solange ruhen soll, bis Wissenschaftler die antisemitische Haltung Johann Bossards und seine Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus neu bewertet haben. Zuvor hatte der Bund der Steuerzahler an die Mitglieder des Kreistags appelliert, die Erweiterung zumindest in der vorliegenden Form zu begraben.

Teures Geschenk aus Berlin: 5,4 Millionen Euro möchte der Bund für die umstrittene Erweiterung der „Kunststätte Bossard“ in Jesteburg bereitstellen. Mindestens weitere zwei Millionen soll der Landkreis finanzieren. Zusätzlich würde der Landkreis bis 2024 jährlich weitere 400.000 Euro an die Kunststätte überweisen, denn auch mit Erweiterung käme der Bossard-Tempel nicht ohne Zuschüsse aus.

Sollte die Erweiterung Realität werden, fürchtet der Bund der Steuerzahler, dass sich die Kunststätte wegen ansteigender Defizite zu einem Fass ohne Boden entwickelt. Denn allein die Eintrittsgelder der Besucher werden den Betrieb der Kunststätte nicht finanzieren können.
"Die überregionale Strahlkraft der Kunststätte wird überschätzt, die Besucherprognosen sind überzogen", heißt es im Schwarzbuch. "Der Beschluss zur Förderung des Kunststätten-Erweiterung muss daher aufgehoben werden."

Anhand von zwölf Beispielen aus Niedersachsen sowie einem Fall aus Bremerhaven dokumentiert der Bund der Steuerzahler in seinem neuen Schwarzbuch die öffentliche Verschwendung zwischen Ems und Elbe. „Die Schwarzbuchfälle sind nur die Spitze des Eisbergs“, erklärt BdSt-Vorsitzender Bernhard Zentgraf und ergänzt: „Die Fehlleitung von Steuergeldern ist ein gravierendes Problem der öffentlichen Haushaltswirtschaft. Regierungen und Parlamente müssen sich gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten diesem Problem stellen“.

• Weitere Informationen zum Schwarzbuch unter www.schwarzbuch.de sowie unter https://steuerzahler.de.

Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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