„Diese Schicksale gehen unter die Haut!"

Haben ein großes Vertrauensverhältnis zueinander: 
die jugendlichen Flüchtlinge in Jesteburg und ihre Betreuer
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    die jugendlichen Flüchtlinge in Jesteburg und ihre Betreuer
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Der „Forellenhof“ betreut in Jesteburg minderjährige Flüchtlinge in kleinen Wohngemeinschaften.

mum. Jesteburg. „Der Lebensweg dieser jungen Menschen lässt einen nicht kalt“, sagt Kay Bergen. Der pädagogische Leiter der Jugendhilfe-Einrichtung „Forellenhof“ in Jesteburg hat schon viele Jungen und Mädchen mit traumatischen Schicksalen kennengelernt. Doch die neun Jugendlichen - sie stammen aus Afghanistan und Pakistan - sind nochmal wieder ein anderer Fall. Seit Mitte Dezember hat der „Forellenhof“ die Betreuung der 16- bis 18-jährigen Flüchtlinge übernommen. Sie sind allein - ohne Eltern oder andere Familienmitglieder - nach Deutschland gekommen. Nun wohnen sie jeweils zu dritt in Zwei-Zimmer-Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus mitten in Jesteburg.
„Ursprünglich waren die Wohnungen an Monteure vermietet“, sagt Bergen. Eigentümer Ulrich Deus, dem auch der „Forellenhof“ gehört, habe sich entschieden, die Wohnungen minderjährigen Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Drei Jugendliche sind jeweils für eine Wohnung zuständig. Abwechselnd ist jeweils einer für das Einkaufen, Kochen oder Putzen verantwortlich. „Selbstverständlich gibt es Ansprechpartner“, so Bergen. Für jede Gruppe ist eine sozialpädagogische Fachkraft verantwortlich. Im Erdgeschoss wurde ein Büro eingerichtet. Jeden Tag ist dort jemand von 10 bis 20 Uhr, der ein Ohr für die Sorgen der Flüchtlinge hat. Auch Anwohner können sich an die „Forellenhof“-Mitarbeiter wenden, wenn es Probleme gibt. „Das war aber noch nicht der Fall“, so Bergen. Zwar musste zweimal ein Krankenwagen gerufen werden, aber da ging es darum, dass einer der Jungs dringend ärztlich versorgt werden musste. Obwohl es Teenager sind, würden sich die Jungs gewissenhaft an die Ruhezeiten halten. Spätestens um 22 Uhr seien alle zu Hause.
„Die Jugendlichen haben auf ihrer Flucht nach Deutschland Schlimmes durchgemacht“, sagt Bergen. Geflüchtet vor erlebter Folter und Misshandlung wurden sie in Kofferräumen geschmuggelt und überquerten in kleinen Booten das Mittelmeer“, erzählt Bergen. Das hat Konsequenzen: Alle benötigen eine intensive Betreuung und zum Teil auch therapeutische Unterstützung. Vor allem jedoch Aufmerksamkeit. Auf der anderen Seite brächten die Flüchtlinge eine sehr große Dankbarkeit den Betreuern gegenüber zum Ausdruck. „Sie sind wiss- und lernbegierig. Möchten schnell sich in Deutschland integrieren“, so Bergen. Dabei sind die Mitarbeiter des „Forellenhofs“ ein wichtiger Baustein. Ebenso wie die ehrenamtlichen Unterstützer. Der Tagesablauf der Jugendlichen ist klar strukturiert. Morgens geht es zu den Berufsbildenden Schulen nach Buchholz. Dort werden spezielle Kurse angeboten - zum Beispiel Deutsch und Mathe. „Zwei der Jungen haben noch nie eine Schule besucht“, sagt Bergen. Für sie sei es besonders schwierig. Am Nachmittag geht der Unterricht in Jesteburg weiter. Dann steht wieder Deutsch und themenorientierte Gruppenarbeit auf dem Plan. In der Freizeit treiben die Jugendlichen viel Sport. Fast alle spielen in Buchholz oder Jesteburg Fußball. Einer fährt sogar einmal in der Woche zum Cricket-Training nach Hamburg.
„Unsere wichtigste Aufgabe ist es, die jungen Flüchtlinge in ihrem neuen Leben zu begleiten“, so Bergen. Sobald die Jugendlichen in Deutschland registriert sind, müssen sie mindestens ein Jahr zur Schule gehen. Parallel wird geklärt, ob sie in Deutschland bleiben dürfen. Zudem wird die Vormundschaft geregelt. Der „Forellenhof“ würde gern weitere jugendliche Flüchtlinge in solchen Kleingruppen betreuen. „Dazu sind wir auf der Suche nach geeigneten Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen“, sagt der „Forellenhof“-Leiter. Von größeren Einrichtungen hält Bergen nichts. „Für den Übergang mag das in Ordnung sein, aber auf gar keinen Fall als langfristige Lösung.“
• Mehr Informationen gibt es im Internet unterwww.kinderheim-forellenhof.de.

Haben ein großes Vertrauensverhältnis zueinander: 
die jugendlichen Flüchtlinge in Jesteburg und ihre Betreuer
in ihrem neuen Wohnzimmer in Jesteburg. Die beide Jugendlichen sind aus Afghanistan nach Deutschland geflohen
Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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