Tatverdächtiger Fatih G. hat sich erhängt
Mutmaßlicher Stader Sechsfachmörder begeht Suizid
- In dieser Stader Mutter-Kind-Wohneinrichtung (vorderes Gebäude) hat Fatih G. mutmaßlich sechs Menschen erschossen. Jetzt hat sich der Tatverdächtige selbst getötet
- Foto: jd
- hochgeladen von Jörg Dammann
Der mutmaßliche Täter, der die tödlichen Schüsse in einer Stader Mutter-Kind-Einrichtung abgegeben haben soll, ist tot. Fatih G. hat nach bisherigen Informationen während seiner Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Bremervörde Suizid durch Erhängen begangen. Der Inhaftierte wurde in der JVA in seiner Einzelhaft-Zelle im Rahmen der morgendlichen Lebend- und Vollzähligkeitskontrolle am Dienstagmorgen um 6.05 Uhr leblos aufgefunden. Zu diesem Zeitpunkt wies er bereits keine Körpertemperatur mehr auf. Der Notarzt stellt dann um 6.29 Uhr G.s Tod durch Strangulation fest.
Die zuständige Staatsanwaltschaft Stade hatte auf eine WOCHENBLATT-Anfrage von Dienstagmittag mit der Bitte um Bestätigung bzw. Dementi zunächst nicht reagiert. Inzwischen wurde eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der es heißt: "Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse handelt es sich um einen Suizid. Hinweise auf ein Fremdverschulden liegen aktuell nicht vor." Gegen den 45-Jährigen war am Tag nach der Tat Haftbefehl wegen des Verdachts des sechsfachen Mordes erlassen worden. Er wird beschuldigt, sechs Menschen erschossen zu haben.
Sechs Menschen erschossen
Die Tat vom 29. Juni hatte weit über Stade hinaus Entsetzen ausgelöst. Nach den bisherigen Ermittlungen soll G. während eines Hilfeplangesprächs in der Einrichtung an der Dankersstraße plötzlich eine mitgebrachte Pistole vom Typ Beretta gezogen und geschossen haben. Drei Mitarbeitende der Jugendhilfeeinrichtung und drei Beschäftigte des Jugendamtes der Region Hannover kamen ums Leben. Fünf Opfer starben am Tatort, ein weiteres später im Krankenhaus. Die Waffe und die Munition soll der Beschuldigte wenige Tage zuvor in Berlin für 4.000 Euro erworben haben.
Mutter und Kind lebten in Stader Einrichtung
Hintergrund des Treffens war ein Streit um die erst drei Monate alte Tochter des Mannes. Das Baby war nach einer schweren Hirnverletzung in der Medizinischen Hochschule Hannover behandelt worden. Ärzte hatten ein Schütteltrauma diagnostiziert. Nach der Entlassung nahm das Jugendamt das Kind in Obhut. Später wurden Mutter und Tochter auf Anordnung des Familiengerichts gemeinsam in der betreuten Einrichtung in Stade untergebracht. Bei dem Termin sollte über den weiteren Verlauf der Maßnahme beraten werden.
Fatih G. besaß keine Aufenthaltserlaubnis
Inzwischen wurde bekannt, dass der türkische Staatsangehörige keine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland besaß. Laut einem Bericht des Hamburger Abendblattes war Fatih G. von September bis November 2022 im Ausländerzentralregister mit Wohnsitz in Braunschweig geführt worden. Ein Aufenthaltstitel sei ihm nicht erteilt worden. Zudem soll nach Angaben türkischer Behörden ein nationaler Haftbefehl in der Türkei gegen ihn bestanden haben; eine internationale Ausschreibung zur Fahndung lag aber nicht vor.
Die Ermittlungen richteten sich auch gegen die 34-jährige Kindsmutter und eine 65-jährige Frau, die den Fluchtwagen gesteuert haben soll. Gegen beide bestand nach Angaben der Staatsanwaltschaft jedoch kein dringender Tatverdacht. Der Tod des Hauptbeschuldigten beendet das Strafverfahren gegen ihn, nicht aber die weitere Aufarbeitung der Tat.
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Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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