Bendestorfs Filmgeschichte lebt weiter
Filmbuch Bendestorf 3 vorgestellt

Filmbuch Bendestorf 3 - Eine Deutsche Nachkriegs-Filmgeschichte | Foto: Walfried Malleskat
  • Filmbuch Bendestorf 3 - Eine Deutsche Nachkriegs-Filmgeschichte
  • Foto: Walfried Malleskat
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Ein gut gefüllter Kinosaal, Livemusik, historische Filmausschnitte und viele Geschichten aus mehr als sieben Jahrzehnten Filmgeschichte: Die Präsentation des neuen „Filmbuch Bendestorf 3 – Eine deutsche Nachkriegsgeschichte“ wurde am 25. September im Filmmuseum Bendestorf vor geladenen Gästen zu einem besonderen Abend.

Den musikalischen Auftakt übernahm der Hamburger Musiker Tornado Rosenberg, der bereits seit vielen Jahren mit seinen Konzerten in der Krypta des Hamburger Michels bekannt ist. Gemeinsam mit einem weiteren Gitarristen stimmte er das Publikum auf den Abend ein. Auch im weiteren Verlauf sorgte die Livemusik immer wieder für besondere Momente.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Freundeskreises Filmmuseum Bendestorf, Sven Simonsen, der betonte, dass Bendestorfer Filmgeschichte nicht nur aus Schauobjekten besteht, sondern dass auch Erinnerungen festgehalten und für kommende Generationen überliefert werden müssen, übernahm der Fernsehjournalist Hans-Joachim Börner die Moderation. Neben Herausgeber Walfried Malleskat sprach unter anderem Norbert Aping, der sich für seinen Beitrag intensiv mit den Prozessunterlagen rund um den seinerzeitigen Skandalfilm „Die Sünderin“ auseinandergesetzt hat. Volker Reissmann beleuchtet in einem Beitrag die Werbefilme, die in den Bendestorfer Filmstudios entstanden sind. Auch der Drehbuchautor Rainer Butt, der unter anderem für das „Großstadtrevier“ und weitere Film- und Fernsehproduktionen gearbeitet hat, war an diesem Abend zu Gast.

Aufgelockert wurde die Gesprächsrunde durch historische Filmausschnitte und Trailer. Zu sehen waren unter anderem Ausschnitte mit direktem Bezug zur Bendestorfer Filmgeschichte sowie ein besonders interessantes Interview mit der inzwischen verstorbenen Schauspielerin Friedel Rostock, einer engen Freundin des Bendestorfer Filmproduzenten Rolf Meyer. Auch ein Ausschnitt aus „Die Sünderin“ mit Hildegard Knef durfte an diesem Abend natürlich nicht fehlen.

300 Seiten Filmgeschichte

Das neue Filmbuch Bendestorf 3 umfasst rund 300 Seiten. Dabei handelt es sich nicht lediglich um eine Ergänzung der bisherigen Bände. Vielmehr sind die wesentlichen Inhalte der bisherigen Veröffentlichungen zur Bendestorfer Filmgeschichte erneut zusammengeführt und um rund 60 neue Seiten erweitert worden.
Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Forschung zur Filmgeschichte Bendestorfs ist längst nicht abgeschlossen. Immer wieder tauchen neue Dokumente, Filme, Fotografien und Zeitzeugenberichte auf, die das bisherige Bild ergänzen und teilweise auch neue Fragen aufwerfen.

Das Buch zeichnet die Entwicklung des Filmschaffens in Bendestorf von den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die jüngere Vergangenheit nach. Neben Spielfilmen geht es dabei auch um Fernsehproduktionen, Werbefilme und fotografische Arbeiten, die in Bendestorf entstanden sind. Damit dokumentiert der Band ein wichtiges Kapitel niedersächsischer und deutscher Nachkriegsgeschichte.
Besonders eindrucksvoll war auch der Hinweis auf einen bedeutenden Filmpreis, der einst nach Bendestorf ging: das „Goldene Filmband“ des Deutschen Filmpreises, damals häufig auch als Bundesfilmpreis bezeichnet. Die 1952 vom Bundesminister des Innern gestiftete Auszeichnung wurde 1953 an die Fink-Film von Horst P. R. Fink für den besten Sozialfilm „Weg in die Freiheit“ verliehen. Das Drehbuch stammte von Herbert Reinecker, Regie führte Alfred Weidenmann, der über viele Jahre hinweg mehrere Filme in Bendestorf realisierte – zuletzt 1978 den Theodor-Storm-Klassiker „Der Schimmelreiter“.

Die wertvolle Trophäe stand lange Zeit im Filmstudio Bendestorf, ist jedoch leider irgendwann verloren gegangen. Umso größer wäre die Freude im Filmmuseum, wenn sich ihre Spur wieder aufnehmen ließe und das „Goldene Filmband“ eines Tages nach Bendestorf zurückkehren könnte. Während des Abends wurde deshalb auch ein entsprechender Aufruf gestartet: Wer weiß, wo sich die Trophäe befindet oder hat Hinweise auf ihren Verbleib? Für das Filmmuseum wäre ihre Rückkehr etwas ganz Besonderes – sie steht daher ganz oben auf der Wunschliste der Bendestorfer Filmgeschichte.

Besuch aus Göttingen

Besonders gefreut haben sich die Bendestorfer Gastgeber über den Besuch von Sven Schreivogel und Alexander Siebrecht aus Göttingen. Beide beschäftigen sich intensiv mit der dortigen Filmgeschichte und haben erst vor kurzer Zeit ein eigenes Buch über das Filmschaffen in der zweiten niedersächsischen Filmstadt Göttingen veröffentlicht.

Die beiden hatten einige Exemplare ihres Buches mitgebracht. So konnten interessierte Besucher an diesem Abend gleich zwei Publikationen kennenlernen, die sich mit wichtigen Kapiteln der niedersächsischen und deutschen Filmgeschichte beschäftigen.

Zwischen den Gästen aus Göttingen und den Bendestorfer Filmfreunden entwickelten sich schnell intensive Gespräche. Bereits während des Abends entstand die Idee, künftig enger zusammenzuarbeiten und sich bei der Erforschung und Vermittlung der jeweiligen Filmgeschichte gegenseitig zu unterstützen.
Denn während Bendestorf mit seinem Filmmuseum bereits über einen festen Ort verfügt, an dem die Geschichte des Filmschaffens sichtbar und erlebbar gemacht wird, fehlt ein vergleichbarer zentraler Erinnerungsort in Göttingen bislang. Dort gibt es mit dem Filmbüro Göttingen zwar eine engagierte Institution, doch der Wunsch nach einem eigenen Ort für die Göttinger Filmgeschichte ist groß.

Die Forschung geht weiter

Auch für das Filmmuseum Bendestorf ist die Arbeit mit dem neuen Buch keineswegs abgeschlossen. Im Gegenteil: Die Präsentation machte deutlich, dass die Geschichte des Filmschaffens in Bendestorf noch längst nicht vollständig erzählt ist.

Viele Produktionen konnten in den vergangenen Jahren bereits im Filmmuseum gezeigt werden. Besonders häufig stand dabei „Die Sünderin“ mit Hildegard Knef auf dem Programm. Und noch immer erreichen das Filmmuseum Anfragen von Besucherinnen und Besuchern, die sich eine erneute Vorführung wünschen.
Auch künftig sollen deshalb bislang nicht gezeigte Bendestorfer Filmproduktionen wiederentdeckt und – soweit möglich – in das Filmprogramm des Museums aufgenommen werden. Gleichzeitig soll die historische Forschung weitergehen.

Nach dem offiziellen Teil des Abends war deshalb noch lange nicht Schluss. Nach der Musik von Tornado Rosenberg und seinen musikalischen Begleitern blieben die Gäste noch lange im Filmmuseum, blätterten in den neuen Büchern und kamen miteinander ins Gespräch.

Die Buchpräsentation zeigte damit eindrucksvoll, dass Bendestorfs Filmgeschichte nicht nur in Archiven und Büchern weiterlebt. Sie ist auch heute noch Anlass für Begegnungen, neue Forschungen und gemeinsame Projekte – und für einen unterhaltsamen Abend, an den sich die Besucher noch lange erinnern werden. Das Buch kann im Filmmuseum Bendestorf (sonntags 14 bis 17 Uhr) zum Preis von 35€ erworben werden. Darüber hinaus ist eine Bestellung über die Homepage des Museums www.film-bendestorf.de möglich.

Leserreporter:

Filmmuseum Bendestorf aus Jesteburg

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