Kunst- und Naturpfad
Erleuchtetes Jesteburg: Gemeinderat gibt grünes Licht für "Bürger-Akademie"

Jesteburg hat bislang eher schlechte Erfahrungen mit dem Kunstpfad gemacht - etwa den kläglichen Versuch von Straßenmalerei. Nun soll Thomas Kaestle die Bürger neu inspirieren
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mum. Jesteburg. Henning Buss (CDU) hatte es vor der Sitzung des Gemeinderats am Mittwochabend mit einem letzten Appell versucht, die Entscheidung für oder gegen die "Bürger-Akademie für Kunst in öffentlichen Räumen" zumindest zu verschieben: "Ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, zum jetzigen Zeitpunkt ein derartiges Projekt anzuschieben, für das viele - zumindest aktuell - kein Verständnis haben, und bitte alle zu überlegen, welche Auswirkung eine solche Entscheidung aktuell gesellschaftlich hat. Ich kann daher nur darum bitten, verschiebt das Projekt. Jetzt ist es ein absolut falsches Signal an die Gesellschaft beziehungsweise an die Bürger Jesteburgs." Buss konnte an der Sitzung urlaubsbedingt nicht teilnehmen. Der Termin wurde kurzfristig angesetzt, weil der Rat die letzte Sitzung im Mai um 23 Uhr unterbrechen musste. Doch sein Appell blieb ebenso ungehört wie die Kritik von CDU, UWG Jes! und FDP. SPD, Grüne und Karin Neudert (parteilos) setzten sich knapp mit 10:8 durch und gaben damit grünes Licht für das Konzept von Thomas Kaestle. Julia Neuhaus (CDU), deren Mutter Heidi Seekamp die für den Kunstpfad verantwortliche Kunstkommission leitet, enthielt sich.

Im kommenden Sommer soll nun der Diplom-Kulturwissenschaftler Kaestle (Hannover) den Jesteburgern dabei helfen, ihre Sinne für Kunst im öffentlichen Raum zu schärfen. Nachdem das Projekt "Kunst- und Naturpfad" zuletzt nach vielen Fehlschlägen massiv in die Kritik geraten war und bei den Bürgern auf Ablehnung stieß, soll der Hannoveraner nun die Jesteburger erleuchten - er soll sie quasi auf den rechten Pfad zur Kunst führen.

Kaestle selbst bekommt dafür 5.000 Euro. Insgesamt rechnet der Kulturwissenschaftler mit Kosten von bis zu 115.000 Euro. Davon übernimmt die Gemeinde außer dem Kaestle-Honorar noch 10.000 Euro. Die weiteren Mittel will Kaestle etwa bei Stiftungen einwerben. Die Jesteburger erwarten Workshops und Ausflüge - unter anderem nach Hamburg, Bremen und Hannover. Zwölf Künstler und zwei Landschaftsarchitekten sollen Jesteburg erkunden.
Das Ergebnis beschreibt Kaestle in seinem Konzept: "Wesentlicher Aspekt bei der Beteiligung von Bürgern ist nicht das Schaffen demokratischer Entscheidungsstrukturen. Fachentscheidungen konzeptioneller, struktureller und ästhetischer Natur müssen Experten überlassen bleiben. Vielmehr geht es bei Beteiligungsprojekten um Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Dialog." Er selbst rechnet offensichtlich nicht mit einer großen Resonanz: "Als Teilnehmer an der Akademie wird nur ein kleiner Anteil der Bürger der Gemeinde Jesteburg gewonnen werden können. Sie funktionieren als Multiplikator."

Genau diesen Ansatz kritisierte Hansjörg Siede (UWG Jes!) während der Sitzung: "Ich gehe davon aus, dass wir optimistisch betrachtet, höchstens 400 Bürger mit den Vorträgen erreichen werden. Ist uns das wirklich so viel Geld wert?" Siede zweifelte zudem an, ob Kaestle als Kurator überhaupt noch in Frage kommt. "In einem Blog hat er sich in populistischer Art und Weise über Jesteburg geäußert und damit schon jetzt Fronten geschaffen." So sah es auch Philipp-Alexander Wagner (FDP). "Meine Erwartung war, dass er als Moderator auftritt und nicht als Kommentator." Auch Wagner machte deutlich, dass das ganze Projekt am Ende für Jesteburg "richtig teuer wird".
Dr. Reinhard Feldhaus (CDU) bat darum, die Abstimmung zu verschieben. "Ich möchte der Kunstkommission die Gelegenheit geben, eine Alternative zu Thomas Kaestle zu suchen." Das Ziel müsse sein, eine gute Lösung für die Umsetzung des Kunst- und Naturpfads zu finden. Auch er wies darauf hin, dass es eben nicht nur um 15.000 Euro, sondern um bis zu 115.000 Euro gehen würde.
Im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss hatten sich die Kritiker noch durchsetzen können, doch im Gemeinderat schlug das Pendel zu Gunsten der SPD und Grünen aus. Steffen Burmeister (SPD) sprach von einem "fabelhaften Konzept" und Karl-Heinz Glaeser (Grüne) lobte vor allem die angestrebte Beteiligung der Bürger. "Das ist eine intensive Bürgerbeteiligung, die vermutlich in Deutschland einmalig ist." Seine Frau Birgit Heilmann (Grüne) ergänzte, dass man Thomas Kaestle zumindest die Chance geben sollte, das Geld einzuwerben. "Ob am Ende dabei ein Kunstpfad herauskommt, wissen wir doch jetzt noch nicht."

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Thomas Kaestle
Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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