Kunst- und Naturpfad
Erleuchtetes Jesteburg: Gemeinderat gibt grünes Licht für "Bürger-Akademie"

Jesteburg hat bislang eher schlechte Erfahrungen mit dem Kunstpfad gemacht - etwa den kläglichen Versuch von Straßenmalerei. Nun soll Thomas Kaestle die Bürger neu inspirieren
2Bilder
  • Jesteburg hat bislang eher schlechte Erfahrungen mit dem Kunstpfad gemacht - etwa den kläglichen Versuch von Straßenmalerei. Nun soll Thomas Kaestle die Bürger neu inspirieren
  • hochgeladen von Sascha Mummenhoff

Das könnte Sie auch interessieren:

Wirtschaft
Stades Seehafen: der Standort des geplanten Flüssiggasterminals

Bio-LNG für geplantes Terminal
Stade soll das deutsche Drehkreuz für grüne Kraftstoffe werden

jab. Stade. Stade könnte in Zukunft zum deutschen Drehkreuz für klimaneutrale Kraftstoffe werden - jedenfalls wenn es nach Politik und Wirtschaft geht. Seit Jahren setzt sich der Bundestagsabgeordenete Oliver Grundmann (CDU) dafür ein, dass der Elbe-Weser-Raum zum Game-Changer der deutschen Energiewende wird. Nun erhält dieses Vorhaben einen großen Schub nach vorne. Denn der größte Bioenergieproduzent Europas, die Verbio AG, hat Interesse gezeigt, sein beispielsweise in den USA erzeugtes Biogas...

Sport
Sandra Meyer-Lindloff mit der Silbermedaille

Sandra Meyer-Lindloff ist Vizemeisterin
Zweitschnellste Frau kommt aus Marxen

sv. Marxen. Mit einer Zeit von 5:24,98 Minuten holte Sandra Meyer-Lindloff aus Marxen kürzlich den zweiten Platz über 1.500 Meter in der W45 bei der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaft der Seniorinnen in Baunatal (Hessen). "Nun ist die leider sehr kurze Saison bereits beendet", so Meyer-Lindloff. "Ich werde jetzt mit dem Aufbau für 2022 beginnen. Meine Ziele sind erneut die Landesmeisterschaften und die Deutsche Meisterschaft - natürlich weiterhin mit meiner Mannschaft der...

Panorama
In der Straße Am Brack begannen Samstagmorgen um kurz nach sieben Uhr die lautstarken Arbeiten

Anwohner sind genervt von den unangekündigten Bauarbeiten
Glasfaserkabel: Verlegung rüttelt Buxtehude wach

sla. Buxtehude. Samstagmorgen um kurz nach sieben Uhr in Buxtehude: Lautstark rütteln die Mitarbeiter einer Gütersloher Baufirma mit einem Flachrüttler auf der Straße Am Brack die Pflastersteine auf, um hinterher einen Graben für die Verlegung von Glasfaserkabeln zu buddeln. Besonders schlechte Karten hatten jene Anwohner, die pünktlich die Bahn und gar einen Flieger erreichen mussten und aufgrund des tiefen Grabens vor ihrer Einfahrt nicht mit dem Auto wegfahren konnten. Bereits vergangene...

Panorama
2 Bilder

Corona-Zahlen im Landkreis Harburg vom 23. September
Trend hält an - Zahl der aktiven Fälle und Inzidenzwert leicht gesunken

(lm). Die Corona-Zahlen im Landkreis Harburg gehen weiter langsam zurück. Am heutigen Donnerstag, 23. September, meldet der Landkreis 288 aktive Corona-Fälle (-3 im Vergleich zum Vortag). Auch die Inzidenz ist erneut leicht gesunken - auf 52,34 (Vortag: 53,51). In den Krankenhäusern werden sieben Corona-Patienten behandelt, vier davon intensivmedizinisch. 537 Personen befinden sich in Quarantäne. Seit Ausbruch der Pandemie verzeichnete der Landkreis insgesamt 7.801 Corona-Fälle (+16). Davon...

Wirtschaft
Gastronom Frank Wiechern (re.) und Veranstaltungsmanager Matthias Graf vor dem Eingang des Restaurants "Leuchtturm"
3 Bilder

Management des Veranstaltungszentrums in der Kritik
Burg Seevetal: Top-Caterer hört auf

ts. Hittfeld. Die ursprüngliche Ambition der Gemeinde Seevetal, das für 6,9 Millionen Euro sanierte Veranstaltungszentrum Burg Seevetal zu einer kulinarischen Premium-Adresse im Landkreis Harburg zu entwickeln, hat einen schweren Dämpfer erlitten. Caterer Frank Wiechern wird seinen Vertrag mit der Gemeinde Seevetal, der am 31. Oktober endet, nicht verlängern. Sein Restaurant "Leuchtturm" gilt als eine der besten Gastro-Adressen im Hamburger Süden. Davon sollte die Burg Seevetal profitieren -...

mum. Jesteburg. Henning Buss (CDU) hatte es vor der Sitzung des Gemeinderats am Mittwochabend mit einem letzten Appell versucht, die Entscheidung für oder gegen die "Bürger-Akademie für Kunst in öffentlichen Räumen" zumindest zu verschieben: "Ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, zum jetzigen Zeitpunkt ein derartiges Projekt anzuschieben, für das viele - zumindest aktuell - kein Verständnis haben, und bitte alle zu überlegen, welche Auswirkung eine solche Entscheidung aktuell gesellschaftlich hat. Ich kann daher nur darum bitten, verschiebt das Projekt. Jetzt ist es ein absolut falsches Signal an die Gesellschaft beziehungsweise an die Bürger Jesteburgs." Buss konnte an der Sitzung urlaubsbedingt nicht teilnehmen. Der Termin wurde kurzfristig angesetzt, weil der Rat die letzte Sitzung im Mai um 23 Uhr unterbrechen musste. Doch sein Appell blieb ebenso ungehört wie die Kritik von CDU, UWG Jes! und FDP. SPD, Grüne und Karin Neudert (parteilos) setzten sich knapp mit 10:8 durch und gaben damit grünes Licht für das Konzept von Thomas Kaestle. Julia Neuhaus (CDU), deren Mutter Heidi Seekamp die für den Kunstpfad verantwortliche Kunstkommission leitet, enthielt sich.

Im kommenden Sommer soll nun der Diplom-Kulturwissenschaftler Kaestle (Hannover) den Jesteburgern dabei helfen, ihre Sinne für Kunst im öffentlichen Raum zu schärfen. Nachdem das Projekt "Kunst- und Naturpfad" zuletzt nach vielen Fehlschlägen massiv in die Kritik geraten war und bei den Bürgern auf Ablehnung stieß, soll der Hannoveraner nun die Jesteburger erleuchten - er soll sie quasi auf den rechten Pfad zur Kunst führen.

Kaestle selbst bekommt dafür 5.000 Euro. Insgesamt rechnet der Kulturwissenschaftler mit Kosten von bis zu 115.000 Euro. Davon übernimmt die Gemeinde außer dem Kaestle-Honorar noch 10.000 Euro. Die weiteren Mittel will Kaestle etwa bei Stiftungen einwerben. Die Jesteburger erwarten Workshops und Ausflüge - unter anderem nach Hamburg, Bremen und Hannover. Zwölf Künstler und zwei Landschaftsarchitekten sollen Jesteburg erkunden.
Das Ergebnis beschreibt Kaestle in seinem Konzept: "Wesentlicher Aspekt bei der Beteiligung von Bürgern ist nicht das Schaffen demokratischer Entscheidungsstrukturen. Fachentscheidungen konzeptioneller, struktureller und ästhetischer Natur müssen Experten überlassen bleiben. Vielmehr geht es bei Beteiligungsprojekten um Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Dialog." Er selbst rechnet offensichtlich nicht mit einer großen Resonanz: "Als Teilnehmer an der Akademie wird nur ein kleiner Anteil der Bürger der Gemeinde Jesteburg gewonnen werden können. Sie funktionieren als Multiplikator."

Genau diesen Ansatz kritisierte Hansjörg Siede (UWG Jes!) während der Sitzung: "Ich gehe davon aus, dass wir optimistisch betrachtet, höchstens 400 Bürger mit den Vorträgen erreichen werden. Ist uns das wirklich so viel Geld wert?" Siede zweifelte zudem an, ob Kaestle als Kurator überhaupt noch in Frage kommt. "In einem Blog hat er sich in populistischer Art und Weise über Jesteburg geäußert und damit schon jetzt Fronten geschaffen." So sah es auch Philipp-Alexander Wagner (FDP). "Meine Erwartung war, dass er als Moderator auftritt und nicht als Kommentator." Auch Wagner machte deutlich, dass das ganze Projekt am Ende für Jesteburg "richtig teuer wird".
Dr. Reinhard Feldhaus (CDU) bat darum, die Abstimmung zu verschieben. "Ich möchte der Kunstkommission die Gelegenheit geben, eine Alternative zu Thomas Kaestle zu suchen." Das Ziel müsse sein, eine gute Lösung für die Umsetzung des Kunst- und Naturpfads zu finden. Auch er wies darauf hin, dass es eben nicht nur um 15.000 Euro, sondern um bis zu 115.000 Euro gehen würde.
Im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss hatten sich die Kritiker noch durchsetzen können, doch im Gemeinderat schlug das Pendel zu Gunsten der SPD und Grünen aus. Steffen Burmeister (SPD) sprach von einem "fabelhaften Konzept" und Karl-Heinz Glaeser (Grüne) lobte vor allem die angestrebte Beteiligung der Bürger. "Das ist eine intensive Bürgerbeteiligung, die vermutlich in Deutschland einmalig ist." Seine Frau Birgit Heilmann (Grüne) ergänzte, dass man Thomas Kaestle zumindest die Chance geben sollte, das Geld einzuwerben. "Ob am Ende dabei ein Kunstpfad herauskommt, wissen wir doch jetzt noch nicht."

Lesen Sie auch:
Deutliche Mehrheit lehnt Kunstpfad-Akademie in Jesteburg ab

Jesteburg hat bislang eher schlechte Erfahrungen mit dem Kunstpfad gemacht - etwa den kläglichen Versuch von Straßenmalerei. Nun soll Thomas Kaestle die Bürger neu inspirieren
Thomas Kaestle
Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Service

Wichtige Mail-Adressen des WOCHENBLATT

Hier finden Sie die wichtigen Email-Adressen und Web-Adressen unseres Verlages. Wichtig: Wenn Sie an die Redaktion schreiben oder Hinweise zur Zustellung haben, benötigen wir unbedingt Ihre Adresse / Anschrift! Bei Hinweisen oder Beschwerden zur Zustellung unserer Ausgaben klicken Sie bitte https://services.kreiszeitung-wochenblatt.de/zustellung.htmlFür Hinweise oder Leserbriefe an unsere Redaktion finden Sie den direkten Zugang unter...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen