Diskussion um neue Mobilfunkmasten
Gesamtkonzept als Lösung

Petra Finnern trug im Namen der betroffenen Bürger Kritik und Forderungen vor
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Fachausschuss schiebt neuen Funkmast-Standorten in Jesteburg vorerst den Riegel vor.

mum. Jesteburg.
Das Thema Mobilfunk bewegt die Jesteburger! Zumindest dürfte wohl noch kein Ausschuss so gut besucht gewesen sein, wie die Sitzung des Ausschusses für Straßen, Wege und Umwelt am Mittwochabend im Schützenhaus. An die 200 Bürger wollten hören, wie die Gemeinde sich beim Thema "neue Funkmasten" positioniert. Am Ende kam ein Kompromiss heraus. Mindestens in den kommenden zwölf Monaten wird es keinen neuen Sendemast in der Gemeinde geben. Ausschuss-Vorsitzender Hansjörg Siede (UWG Jes!), Birgit Heilmann (Grüne), Cornelia Ziegert und Hans-Jürgen Börner (beide SPD) sprachen sich dafür aus, dass die Gemeinde durch ein Fachbüro ein Telekommunikations-Konzept erstellen lässt. Darin soll unter anderem festgehalten werden, wo künftig Sendemasten aufgestellt werden sollen und wo nicht. Außerdem sollen in diesem Papier nicht nur das Thema Mobilfunk, sondern sämtliche Alternativen - etwa Glasfaser - berücksichtigt werden. Weiterhin setzt Jesteburg auf ein Dialogverfahren mit der Telekom. Gegen den Vorschlag stimmte Julia Neuhaus (CDU). Ihr dauert der nun vorgezeichnete Weg zu lang. "Wir müssen auch an die junge Generation und an Unternehmen denken, die auf schnelles Internet und eine gute Verbindung angewiesen sind."
Jesteburg geht mit dieser Entscheidung, wenn denn der Gemeinderat zustimmt, quasi drei Schritte zurück. Eigentlich wollte der Gemeinderat bereits Anfang April grünes Licht für einen 40-Meter-Turm im Bereich Reindorfer Osterberg geben. Doch dagegen protestierten die Anwohner (das WOCHENBLATT berichtete).
Wesentlichen Anteil am Kompromiss hatte Dr. Peter Nießen vom Fachinstitut für Elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt (EMVU) in Köln. Der Diplom-Physiker und anerkannte Sachverständige im Bereich elektromagnetischer Strahlung machte deutlich, dass Kommunen wie Jesteburg zwar bei der Standortwahl für Funkmasten mitreden dürfen - etwa über einen Flächennutzungsplan. "Eine generelle Absage geht nicht", so Nießen. Zudem müssten Alternativstandorte auch für den Betrieb geeignet sein. "Die Türme in Gebiete zu verdrängen, an denen sie sinnlos sind, ist keine Alternative."
Wie unterschiedlich die Positionen sein können, zeigte der Wortbeitrag eines Lüllauers. Er bat den Telekom-Vertreter Thomas Fannasch, einen Mast möglichst nah an seinem Wohnhaus aufzustellen. "Ich möchte nicht länger im Tal der Ahnungslosen wohnen", so der Anwohner, der eine bessere Internetversorgung etwaigen Gesundheitsrisiken vorzog. Auf der anderen Seite steht ein Vorschlag des ehemaligen WOCHENBLATT-Chefredakteurs Reinhard Schrader: "Warum befragt die Gemeinde nicht die betroffenen Bürger, ob sie so einen Mast vor ihrer Haustür haben wollen?" Tatsächlich würde so eine Befragung Sinn machen, denn Telekom-Vertreter Fannasch bestätigte auf Nachfrage, dass mit dem neuen Mast einzig eine Verbesserung des Mobilfunks am Osterberg bezweckt werden soll.

Auf ein Wort
Kompliment, Herr Siede
Hansjörg Siede, der Vorsitzende der Wählergemeinschaft UWG Jes!, hat mit der Sitzung des Ausschusses für Straßen, Wege und Umwelt seine Feuertaufe in puncto Moderation erfolgreich bestanden. Siede, der den Ausschuss, der sonst eher wenig Besucher anzieht, als Vorsitzender leitet, appellierte bereits zu Beginn des Abends, respektvoll miteinander umzugehen. Auch dank seiner ruhigen und sachlichen Gesprächsführung hielten sich daran nahezu alle Redner.
Positiv war auch, dass Siede gleich am Anfang alle Personen am Ratstisch persönlich mit ihren jeweiligen Funktionen vorstellte. Zudem erklärte er die "Spielregeln" während einer Ausschusssitzung. Natürlich findet nicht jede Ratssitzung vor den Augen so vieler interessierter Bürger statt. Doch Siedes Einstieg half, Verständnis für die Ratsarbeit zu schaffen. Denn - auch wenn es manche Bürger nicht wahrhaben wollen - die Regeln machen Sinn. Manche Sitzungen hätten sonst vermutlich erst weit nach Mitternacht ein Ende.
Doch vor allem für Siede selbst war der Abend ein Erfolg. Häufig unterstellen ihm Mitglieder anderer Fraktionen, seine Beiträge seien auf Effekthascherei ausgelegt. Am Mittwochabend war davon keine Spur. Im Stil eines Bürgermeisters vermittelte Siede zwischen Politik, Bürgern, Verwaltung und Fachleuten. Am Ende einer gut dreistündigen Funkturm-Diskussion gingen die Bürger gut informiert nach Hause.
Sascha Mummenhoff

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