„Wir sollten das Kunsthaus verkaufen!“: Philipp-Alexander Wagner möchte Samtgemeinde-Bürgermeister

„Jesteburg bedeutet für mich Zuhause, nette Nachbarn und schöne Natur.“
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Das muss man Philipp-Alexander Wagner lassen: Der Anwalt aus Jesteburg hat keine Angst davor, ein heißes Eisen anzupacken. „Ich finde, dass Vereine gefördert werden sollten, die von den Bürgern angenommen werden. Das Kunsthaus gehört nicht dazu und sollte daher verkauft werden!“ Wagner (FDP) will Jesteburgs neuer Samtgemeinde-Bürgermeister werden. Ob ihm diese Aussage helfen wird, die Jesteburger von sich zu überzeugen, wird sich am 25. Mai entscheiden. Dann tritt der 44-Jährige gegen Amtsinhaber Hans-Heinrich Höper an.
Im WOCHENBLATT-Interview spricht Wagner, der seit Anfang des Jahres FDP-Ortsvereinsvorsitzender ist, über seine Ziele, den jetzt beginnenden Wahlkampf und warum es besser ist, wenn der künftige Verwaltungschef in der Gemeinde wohnt, die er vertritt, und nicht am anderen Ende des Landkreises.

mum. Jesteburg. Am 25. Mai wählen die Bürger in der Samtgemeinde Jesteburg einen neuen Verwaltungschef. Bislang galt die Wahl von Amtsinhaber Hans-Heinrich Höper (parteilos, von der CDU unterstützt) als sicher, da es keinen Konkurrenten gab. Das ist jetzt anders: Die FDP schickt ihren Ortsvereins-Vorsitzenden Philipp-Alexander Wagner (44) ins Rennen. Im WOCHENBLATT-Interview mit Redakteur Sascha Mummenhoff spricht Wagner über seine Ziele.

WOCHENBLATT: Beschreiben Sie sich bitte in drei Sätzen!
Philipp-Alexander Wagner: „Heimatlich verwurzelt, daher freue ich mich, dass ich mit meiner Familie in den Landkreis zurückgekehrt bin, in dem ich aufgewachsen bin. Darüber hinaus bin ich ein Familienmensch, dem Werte wichtig sind. Schließlich bin ich liberal, weshalb ich auch seit etwa 25 Jahren in der FDP bin.“

WOCHENBLATT: Mit Verlaub - in Jesteburg sind sie politisch bislang nicht aufgefallen. Warum wollen sie jetzt Samtgemeinde-Bürgermeister werden?
Wagner: „Da ich als Bürger hier lebe, entdecke ich vor Ort täglich sehr viele gute Sachen, aber auch verbesserungsfähig Dinge. Wenn man darüber hinaus ein politisch denkender Mensch und Jurist ist, dann ist die Kandidatur als Bürgermeister ein logischer Schritt.“

WOCHENBLATT: Was hat Sie nach Jesteburg geführt?
Wagner: „Unsere Tochter Vivian soll in einer überschaubaren Struktur aufwachsen. Die Freizeitangebote, die Einkaufsmöglichkeiten und die Schönheit des Ortes haben uns überzeugt. Jesteburg lebt!“

WOCHENBLATT: Was bedeutet Jesteburg für Sie?
Wagner: „Zuhause, nette Nachbarn und schöne Natur.“

WOCHENBLATT: In welchen Vereinen sind Sie Mitglied?
Wagner: „In der IG Jesteburger Kindergärten und im Förderverein Kinder-Hospiz Sternenbrücke.“

WOCHENBLATT: Ihr Konkurrent Hans-Heinrich Höper wohnt in Heidenau. Glauben Sie, es ist ein Vorteil Jesteburger zu sein?
Wagner: „Es ist immer ein Vorteil in der Samtgemeinde zu wohnen! Für das Amt als Bürgermeister ist es nicht maßgeblich, aber es prägt schon das eigene Denken und die Wahrnehmung, wenn man von jeder Entscheidung direkt betroffen ist.“

WOCHENBLATT: Ihr Parteifreund Reimer Siegel scheiterte gerade im Gemeinderat mit dem Antrag, das Kunsthaus zu verkaufen. Wie stehen Sie dazu?
Wagner: „Die Förderung der Vereine in der Samtgemeinde sollte sich mehr an der notwendigen Breitenwirkung orientieren. Die finanziellen Mittel sollten für die Vereine und Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden, die von den Bürgern auch angenommen werden. Das Kunsthaus gehört eben nicht dazu. Ich teile somit die Forderung der FDP, dass das Kunsthaus wieder verkauft werden sollte.“

WOCHENBLATT: Wenn wir bei dem Thema sind. Wie sehen sie die Planungen rund um das Clement-Areal?
Wagner: „Die Erhaltung des Ortskerns ist ein erstrebenswertes Ziel. Ein Investor wird jedoch nur dann einen hohen Kaufpreis zahlen, wenn das Gebäude eine große Fläche ausweist, die er vermarkten kann. Ich habe meine Zweifel, ob ein solches Objekt sich noch gut ins Dorfbild einfügen wird. Wir werden am Ende somit vor die Wahl gestellt sein: Schönes Areal und erheblicher Schaden für die Gemeinde oder zweckmäßiges Gebäude mit etwas geringerem Schaden. Mit planungsrechtlichen Vorgaben an zukünftige Bauherrn hätte man das gleiche Ziel verfolgten können; nur dass hier nicht das Geld der Bürger eingesetzt worden wäre.“

WOCHENBLATT: Was fällt Ihnen zum Thema Famila-Ansiedlung ein?
Wagner: „Planungsrisiken sind bei vielen Projekten in dieser Größe gegeben. Ich hoffe, dass das Projekt schnell umgesetzt werden kann.“

WOCHENBLATT: Was muss sich in Jesteburg ändern?
Wagner: „Ich würde es lieber als weiterentwickeln beschreiben: Die Samtgemeinde steht vor einem demografischen Wandel. Wir werden gute Lösungen für altersgerechtes Wohnen und einen verstärkten Zuzug von Familien finden müssen.“

WOCHENBLATT: Was bedeutet das konkret?
Wagner: „Wir müssen für junge Familien die Möglichkeiten der Kinderbetreuung verbessern. Hier stellt sich auch die Frage, ob der Betreuungsschlüssel in den Kitas ausreichend ist. Die Oberschule muss weiter gestärkt werden. Mein Wunsch wäre es, dass wir zukünftig alle Schulangebote in der Samtgemeinde vorhalten könnten. Wir werden nur dann eine intakte Dorfgemeinschaft bleiben, wenn wir den Bevölkerungsrückgang verhindern können.“

WOCHENBLATT: Wann beginnt der Wahlkampf? Und was haben Sie vor, um auf sich aufmerksam zu machen?
Wagner: „Der Wahlkampf läuft bereits. Ich werde versuchen, mich möglichst vielen Bürgern persönlich vorzustellen, so dass diese einen Eindruck von mir bekommen können. Darüber hinaus wird es Veranstaltungen geben, die ich noch bekanntgeben werde.“

WOCHENBLATT: Bitte ergänzen Sie den Satz: Wenn ich gewählt werde, dann ...
Wagner: „... hätte ich das schönste Amt neben dem Papst - frei nach Franz Müntefering.“

WOCHENBLATT: Und bitte ergänzen Sie auch diesen Satz: Wenn ich nicht gewählt werde, dann ...
Wagner: „... werde ich mich auf anderer Ebene für die Samtgemeinde und ihre Bürger einsetzen.“

WOCHENBLATT: Danke für das Gespräch

Wagner: Seit der Jugend ein Liberaler
Philipp-Alexander Wagner wurde am 16. August 1969 in Hamburg geboren. Er ist verheiratet und hat eine dreijährige Tochter. Wagner wuchs in Ramelsloh auf und besuchte die Realschule in Hittfeld, später machte er sein Abitur am Lessing-Gymnasium in Harburg.
Nach dem Wehrdienst folgte eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Im Anschluss studierte der Bürgermeister-Kandidat Rechtswissenschaften in Hamburg. Seit 2004 arbeitet Wagner als Anwalt (Grützmacher-Gravert-Viegener in Hamburg). Wagner ist vor knapp einem Jahr nach Jesteburg gezogen. Dort lebte bereits seine Mutter. In seiner Jugend war der 44-Jährige Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen im Landkreis Harburg. Seit Anfang des Jahres ist er Vorsitzender des Jesteburger FDP-Vorstands.

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Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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