Vom Reetdachbrand bis zur Katzenrettung
Der Wunsch zu helfen: Die Freiwillige Feuerwehr in Jork leistet Großartiges

Gruppenbild an der Elbe mit einem Teil der Aktiven, der Jugendfeuerwehr und der Flotte
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  • Foto: FFW Jork
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Sie löschen brennende Reetdachhäuser, retten eingeklemmte Personen aus Unfallwagen, öffnen Türen für den Rettungsdienst, schleppen auf der Elbe Boote mit Motorschaden aus der Fahrrinne und holen auch einmal eine Katze aus dem Baum: Bei der Freiwilligen Feuerwehr Jork halten sich 315 ehrenamtliche Mitglieder bereit, ihren Mitmenschen in Notfällen jederzeit beizustehen und dafür zum Teil auch selbst ihr Leben zu riskieren.
Um in Krisensituationen auch unter immensem Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen, braucht es eine fundierte Ausbildung und psychische Stabilität. Um die umfassende Technik bedienen zu können, braucht es jede Menge Know-how und um mit einem Atemschutzgerät aus einem brennenden Haus bei null Sicht Menschen herauszuholen, braucht es eine enorme körperliche und auch geistige Fitness.
Das alles leisten die Mitglieder der beiden Stützwehren sowie fünf Ortswehren der Gemeinde Jork. Zu etwa 120 bis 180 Einsätzen werden sie jedes Jahr gerufen, lassen dann - auch an Heiligabend oder anderen privaten oder beruflichen Terminen - alles stehen und liegen, um anderen zu helfen.
"Örtliche Besonderheiten sind bei uns die vielen Reetdachhäuser, die - wenn sie einmal brennen - nur schwer in den Griff zu bekommen sind", sagt Gemeindebrandmeister Jens Lohmann. Und auch ein Feuer in einer Lagerhalle eines Obsthofes kann sich schnell zu einem Großbrand entwickeln. Zu Verkehrsunfällen werden die Feuerwehrkameraden ebenfalls häufiger gerufen. "Wegen der vielen Pendler und Touristen haben wir relativ viel Verkehr auf unseren Durchgangsstraßen", erklärt Jens Lohmann. Auf Elbe, Este und Lühe kommen noch Bootseinsätze dazu und auch die Gefängnisinsel Hahnöfersand, für die die Freiwillige Feuerwehr Jork zuständig ist, ist eine Besonderheit in der Region. "Es herrschen durch die vielen Sicherheitsmaßnahmen - allein schon durch die vergitterten Fenster - ganz andere Rahmenbedingungen für die Löscharbeiten", so Jens Lohmann. Neben dem Bedürfnis, ihren Mitmenschen zu helfen, ist die Kameradschaft untereinander eine große Motivation für dieses verantwortungsvolle Ehrenamt. "Die Bindung zur Feuerwehr ist schon enorm", weiß Jens Lohmann.

Rund 32.500 Stunden für das Ehrenamt
Die sieben Ortswehren der Freiwilligen Feuerwehr Jork waren im vergangenen Jahr (2019) 32.437 Stunden für ihr Ehrenamt tätig - für Einsätze, Dienste, Ausbildung und sonstige Stunden. Im Jahr zuvor waren es 31.632 Stunden.

Die Hilfeleistungen in 2019 auf einen Blick:
neun Verkehrsunfälle
eine Personensuche
19 AED-Einsätze
vier Tierrettungen
sechs Sturmschäden
19 Ölspuren oder Öl auf Wasser
elf Türöffnungen für Polizei oder Rettungsdienst
fünf Unterstützungen des Rettungsdiensts, Tragehilfen
zwei Wasserschäden in und an Gebäuden (im Vorjahr 55)
sieben Mal Gasaustritte und Sonstiges
58 Brandsicherheitswachen und Umzugsbegleitungen
20 Wasserrettungen

In der Region gut aufgestellt

Mit insgesamt 315 aktiven Feuerwehrkameraden ist die Freiwillige Feuerwehr Jork personell auf einem sehr guten Stand. "Die Mitgliederzahl bleibt seit zehn Jahren stabil", freut sich Gemeindebrandmeister Jens Lohmann. Das und dass sich der Frauenanteil von 13 Frauen im Jahr 2010 auf heute 27 Frauen mehr als verdoppelt hat, führt er auf die gute Nachwuchsförderung der Jugendfeuerwehren zurück.
Insgesamt gehören zur Freiwilligen Feuerwehr in Jork zwei Stützpunktfeuerwehren (Jork und Königreich) und fünf Ortsfeuerwehren (Borstel, Estebrügge, Hove, Ladekop und Moorende). "Der Unterschied zwischen Stützpunkt- und Ortsfeuerwehr liegt in erster Linie in der Ausstattung und der Anzahl der Fahrzeuge", sagt der Ortsbrandmeister. Durch die engmaschige Verteilung in der Region sind die Kameraden immer schnell am Einsatzort. In Jork, Königreich und Borstel haben sich zudem jeweils AED-Gruppen gebildet, die sich auf die Rettung von Menschenleben spezialisiert haben. "Diese besonders qualifizierten Gruppen sind keine Vorgabe der Feuerwehr, sondern bilden sich aufgrund des persönlichen Wunsches der einzelnen Kameraden, Leben zu retten", sagt Jens Lohmann. Zusätzlich zu den Aktiven in der Erwachsenenmannschaft gibt es die beiden Jugendfeuerwehren Este (Estebrügge, Hove, Königreich und Moorende) und Jork (Borstel, Jork und Ladekop) sowie die Altersabteilung.

465 Mitglieder
Insgesamt gehören zur Freiwilligen Feuerwehr Jork 315 aktive Mitglieder im Alter von 16 bis 67 Jahren, davon sind 26 weiblich. Zur Jugendfeuerwehr gehören 53 Mitglieder im Alter von zehn bis 16 Jahren, darunter elf Mädchen. 38 Kinder, darunter vier Mädchen, sind bei der Jugendfeuerwehr Jork, 15 Kinder, darunter sieben Mädchen, bei der Jugendfeuerwehr Este. Zur Altersabteilung zählen weitere 97 Ehrenmitglieder, die ihren aktiven Dienst bereits abgeleistet haben und jetzt den gesellschaftlichen Bereich der Feuerwehr bereichern. Somit hat die Freiwillige Feuerwehr Jork insgesamt auf 465 Mitglieder vom Kindes- bis zum Seniorenalter.

Eine tolle Jugendarbeit
"Wir habe eine tolle Jugendarbeit", lobt Gemeindebrandmeister Jens Lohmann die Jugendfeuerwehrwartin Jork, Kathrin Hubert, und den Jugendwart Este, Johannes Gahde. Gemeinsam mit ihren Stellvertretern und den Betreuern gestalten sie die Dienste und Ausbildung für die Jugendlichen. Zudem geht es einmal im Jahr auf Ferienfahrt. Eine Woche lang wird in Zelten übernachtet und es gibt dort immer jede Menge Spiel, Spaß und Abenteuer zu erleben. "Für die Kinder ist das eine tolle Sache und sie freuen sich immer, in der ersten Ferienwoche des Jahres loszufahren", so Jens Lohmann. "Leider geht es in diesem Jahr aufgrund der Pandemie nicht."

Autor:

Nicola Dultz aus Buxtehude

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