"Aurora" in Jork-Borstel wurde frisch saniert
Landkreis Stade will Altländer Windmühle an Gastronomen verpachten

Die Windmühle "Aurora" in Jork-Borstel kann wieder genutzt werden. Das historische Bauwerk wurde stabilisiert | Foto: jd
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Wer als Berufspendler in Hamburg arbeitet und von Stade aus die Strecke über die L140 und die K39 nimmt, fährt zweimal täglich an ihr vobei: die Mühle "Aurora" in Jork-Borstel.  Sobald die Borsteler Mühle am Straßenrand auftaucht, ist etwa die Hälfte der Strecke bis zur A7-Anschlussstelle Hamburg-Waltershof geschafft. In der Gegenrichtung gilt das Gleiche – die Hälfte des abendlichen Heimweges zurück nach Stade liegt hinter einem. Die markante Windmühle ist damit für viele Menschen aus der Region zu einer festen Wegmarke geworden.

Doch die „Aurora“ soll künftig wieder deutlich mehr sein als ein Orientierungspunkt. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten soll wieder Leben in die Galerieholländermühle einziehen. Der Landkreis Stade hat das historische Bauwerk zur Verpachtung ausgeschrieben. Bis zum Mitte Juni konnten sich interessierte Gastronomen bewerben. „Es sind einige Bewerbungen eingegangen“, sagt Landkreis-Sprecher Daniel Beneke. Nun würden die eingereichten Konzepte ausgewertet. Denkbar seien sowohl ein Restaurant als auch ein Café oder eine Kombination verschiedener gastronomischer Angebote.

Die Mühle steht direkt am alten Elbdeich | Foto: jd
  • Die Mühle steht direkt am alten Elbdeich
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Historisches Wahrzeichen mit bewegter Geschichte
Die Borsteler Mühle blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück. Bereits im 17. Jahrhundert stand an dieser Stelle eine Bockwindmühle. Die heutige Galerieholländermühle entstand 1856 und trägt den Namen „Aurora“ – benannt nach Aurora von Königsmarck, einer schillernden Adligen der Barockzeit. Mit ihrem rund 24 Meter hohen Baukörper, dem viergeschossigen Backsteinsockel und dem achteckigen hölzernen Oberbau zählt sie zu den markantesten Windmühlen im Alten Land.

Nach einem Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg wurde das Mahlen des Getreides auf Motorbetrieb umgestellt. 1961 endete der Mühlenbetrieb endgültig. Der Landkreis Stade erwarb die Anlage 1981 gemeinsam mit dem Müllerhaus und ließ sie in den folgenden Jahrzehnten mehrfach restaurieren. Unter anderem wurden die Flügel erneuert. Anschließend entwickelte sich die Mühle zu einem beliebten gastronomischen Ziel. Bis zum Auszug des letzten Pächters im Jahr 2023 wurde dort ein Restaurant betrieben.

Dem Landkreis Stade gehört eine Windmühle im Alten Land

Sorge um die Standfestigkeit
Bevor dort wieder Gäste bewirtet werden können, musste zunächst die Zukunft des denkmalgeschützten Bauwerks gesichert werden. Die Mühle neigte sich über Jahre hinweg zunehmend in Richtung des alten Elbdeiches. Bereits 2021 dokumentierten Fachleute erste Risse im Mauerwerk, die auf Setzungen des Untergrundes zurückzuführen waren.

Petra Schlichting, Leiterin des Amtes für Gebäudewirtschaft des Landkreises Stade, und Projektleiter Antonio Soares sind zufrieden mit den Maßnahmen zur Stabilisierung der Mühle | Foto: jd
  • Petra Schlichting, Leiterin des Amtes für Gebäudewirtschaft des Landkreises Stade, und Projektleiter Antonio Soares sind zufrieden mit den Maßnahmen zur Stabilisierung der Mühle
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„Wir haben mehrere Experten hinzugezogen und verschiedene Untersuchungen durchführen lassen“, berichtet Petra Schlichting, Leiterin des Amtes für Gebäudewirtschaft des Landkreises. Statiker, Vermessungsingenieure und Geologen beschäftigten sich intensiv mit der Ursache für die Neigung. Diese stellten fest: Das Problem liegt in der Gründung. Die Mühle steht auf einem weichen Marschboden nahe der Elbe. Ursprünglich ruhte sie auf rund drei Meter langen Eichenpfählen. Nach fast 170 Jahren reichte diese Gründung jedoch nicht mehr aus. 

Spezialisten stabilisieren das Fundament
Schließlich entschied sich der Landkreis für eine aufwendige Tiefgründung. Mit der Firma Jakon aus Wegberg (Nordrhein-Westfalen) wurde ein Unternehmen beauftragt, das unter anderem auf die Stabilisierung historischer Kirchtürme spezialisiert ist. Insgesamt wurden 21 Presspfähle unterhalb des bestehenden Fundaments in das Erdreich gedrückt. Die betonummantelten Stahlrohre bestehen aus einzelnen Segmenten, die hydraulisch in den Boden gepresst wurden. Dieses Verfahren vermeidet Erschütterungen, die das denkmalgeschützte Bauwerk zusätzlich hätten beschädigen können. Die Pfähle reichen je nach Untergrund zehn bis 13 Meter in die Tiefe und verleihen der Mühle nun dauerhaft Stabilität.

Sogar das alte Gemälde von der Mühle im Gastraum hing schief. Petra Schlichting rückte das Bild schnell wieder gerade | Foto: jd
  • Sogar das alte Gemälde von der Mühle im Gastraum hing schief. Petra Schlichting rückte das Bild schnell wieder gerade
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Auf eine Begradigung der Mühle wurde bewusst verzichtet. „Wir hätten die Mühle nicht einfach wieder aufrichten können“, erläutert Projektleiter Antonio Soares. Das Risiko für die historische Bausubstanz sowie die Kosten wären zu hoch gewesen. Die „Aurora“ bleibt deshalb weiterhin leicht schief – allerdings nun dauerhaft standsicher. Allein diese Sicherungsmaßnahmen kosteten den Landkreis rund 530.000 Euro.

Innen modernisiert, Charakter erhalten
Parallel zur Fundament-Sanierung wurde auch das Gebäude für eine erneute gastronomische Nutzung vorbereitet. Rund 150.000 Euro investierte der Landkreis in die Sanierung des Innenbereichs. Es wurden Sanitärräume erneuert, Elektro-, Gas- und Wasserleitungen modernisiert und weitere technische Arbeiten durchgeführt.

Die urigen Fenster sorgen für Gemütlichkeit | Foto: jd
  • Die urigen Fenster sorgen für Gemütlichkeit
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Den besonderen Charme der Gasträume ließ man dabei bewusst unangetastet. Rustikale Eichenbalken, Holzdielen und das historische Ambiente prägen weiterhin den Innenraum. Vollständig leergeräumt ist die Küche. Sie kann der künftige Pächter  ebenso wie die Einrichtung der Gasträume ganz nach den eigenen Vorstellungen gestalten.

Die Windmühle "Aurora" in Jork-Borstel kann wieder genutzt werden. Das historische Bauwerk wurde stabilisiert | Foto: jd
Petra Schlichting, Leiterin des Amtes für Gebäudewirtschaft des Landkreises Stade, und Projektleiter Antonio Soares sind zufrieden mit den Maßnahmen zur Stabilisierung der Mühle | Foto: jd
Sogar das alte Gemälde von der Mühle im Gastraum hing schief. Petra Schlichting rückte das Bild schnell wieder gerade | Foto: jd
Die Mühle steht direkt am alten Elbdeich | Foto: jd
Im oberen Geschoss befindet sich noch das alte Mahlwerk | Foto: jd
Die urigen Fenster sorgen für Gemütlichkeit | Foto: jd
Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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