Freizeitparadies mitten in der Elbe
Reif für die Insel: Neustart auf dem Campingplatz Lühesand
- Im Vordergrund das gerodete Gelände, das künftig den Campern zur Verfügung steht
- Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
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"Reif für die Insel" heißt ein Song des Liedermachers Peter Cornelius über einen vermeintlichen "Aussteiger". Wer sehnt sich nicht manchmal nach einer kleinen Flucht aus dem Alltag – und wenn es nur für ein Wochenende ist? Die passende Insel dafür liegt mitten in der Elbe: Ab dem heutigen Freitag, 29. Mai, können Besucher wieder die Elbinsel Lühesand betreten. Der neu gestaltete Campingplatz öffnet unter dem Label "Familieninsel Lühesand" seine Pforten. Das WOCHENBLATT hat die Elbinsel vorab besucht und mit dem neuen Betreiber gesprochen.
- Die Fähre hat abgelegt. Bis zum Anleger Lühesand dauert die Überfahrt nur ein paar Minuten
- Foto: jd
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Mit der Fähre in eine andere Welt
Mit der kleinen Inselfähre schippert man hinüber. Nur knapp 250 Meter sind es vom Alten Land quer über die Lühesander Süderelbe bis zur Insel. Schon beim Ablegen bleibt der Alltag ein Stück weit zurück. Die Elbe glitzert in der Frühlingssonne und Möwen kreischen über dem Wasser, während sich das Boot tuckernd Lühesand nähert. Dort angekommen, beginnt sofort das Inselfeeling. Man betritt irgendwie eine andere Welt.
- Angekommen auf Lühesand: Vom Anleger geht es den Steg hoch zur Insel
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Vom Anleger führt ein schmaler Pfad zur Inselmitte. Nach ein paar Schritten öffnet sich die Landschaft. Die fast parkartige Fläche mit ihren freien Sichtachsen vermittelt das Gefühl von Weite. Dabei misst die Insel an ihrer breitesten Stelle gerade mal 500 Meter. Immerhin erstreckt sich Lühesand über eine Länge von drei Kilometern. Doch ein Großteil ist Naturschutzgebiet und darf nicht betreten werden. Der frei zugängliche Bereich reicht aber völlig aus, um mitten in der Elbe ein echtes Inselgefühl aufkommen zu lassen.
Der Dämmerzustand ist beendet
In den vergangenen Jahren befand sich Lühesand in einer Art Dämmerzustand. Der dortige Campingplatz war in die Jahre gekommen, der Betrieb dümpelte vor sich hin. In Zeitungsberichten war oft vom "Dornröschenschlaf" die Rede. Der Begriff ist zwar langsam abgenutzt, passt aber irgendwie. Bisher haben meterhohe Hagebutten- und Brombeerhecken die Insel überwuchert. Nachdem das neue Pächterehepaar Nora und Philipp Köhnken das Gestrüpp weitgehend roden ließ, kam zwar kein Schloss zum Vorschein – aber schlagartig wurde den beiden bewusst, was für ein natürliches Kleinod sie hier entdeckt haben.
- Philipp Köhnken auf der neuen Terrasse des Lokals. Man hat freie Sicht bis zum Festland
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„Jetzt wird endlich mal deutlich, dass wir uns hier auf einer Insel befinden“, sagt Philipp Köhnken und schaut von der neu gezimmerten Terrasse des Insellokals hinüber zum Festland. Tatsächlich gibt es jetzt wieder freie Sicht über die Süderelbe hinweg bis zum Deich. Gleichzeitig können Spaziergänger und Radfahrer sehen, dass sich auf Lühesand etwas tut. Das Interesse ist groß: Viele bleiben am Deich stehen und blicken neugierig hinüber.
- Diesen Spruch sollte jeder Besucher der Insel beherzigen
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Ärger mit Dauercampern und Altlasten
Die neuen Betreiber sind keine Neulinge. Nora und Philipp Köhnken führen seit Jahren den Campingplatz Stove Strand in der Elbmarsch bei Winsen. Während seine Frau Nora dort den Betrieb organisiert, kümmert sich Philipp Köhnken derzeit fast ausschließlich um Lühesand. Über die schwierige Übernahme, verbunden mit einem Jahr Zwangspause, den Ärger mit einigen ehemaligen Dauercampern und deren Hinterlassenschaften auf der Insel möchte Philipp Köhnken nicht mehr viele Worte verlieren. „Unter das leidige Thema Altlasten muss jetzt ein Schlussstrich gezogen werden“, meint er. Obwohl es nicht seine Aufgabe gewesen sei, habe er sich jetzt um die Entsorgung gekümmert. Bauschutt, Altmetall und Müll wurden sortiert und in Big Packs zwischengelagert. Per Fähre wird alles ans Festland gebracht und dort entsorgt.
- Altlasten von den ehemaligen Dauercampern: Altmetall liegt bereits für den Abtransport
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"Jetzt richten wir den Blick nach vorne", sagt Philipp Köhnken, als er den Reporter über die Insel führt. Und dieser Blick reicht weit - besonders an der Uferkante entlang des Hauptfahrwassers. Diese Inselseite war schon immer bei den Dauercampern heiß begehrt - besonders die Plätze auf einer leichten Anhöhe. Von diesem natürlichen "Balkon" aus genießt man sozusagen einen unverbaubaren Blick auf die dicken Pötte, die in nächster Nähe vorbeiziehen.
Alle Online-Artikel des WOCHENBLATT zum Thema LühesandFreie Platzwahl statt Parzellen
Abgesehen von diesen Saisonplätzen soll es keine festen Parzellen geben. "Bei uns können sich die Camper ihren Lieblingsplatz einfach selbst aussuchen", sagt Köhnken. Denn für dieses ungebundene, zwanglose Inselfeeling soll Lühesand künftig stehen: Man kann dort unkompliziert, entspannt und naturnah aus dem Alltagstrott aussteigen - für ein paar Stunden, für ein Wochenende oder auch für länger. Wer sich nach Ruhe sehnt, baut sein Zelt direkt am Wasser neben alten Weiden auf. Und wer dichter am Geschehen sein möchte, rückt einfach näher an das Lokal als sozialem Mittelpunkt der Insel heran. An mehreren Stellen liegen große Holzstapel. Camper können sich dort bedienen, um sich Feuerholz zurechtzumachen. Feuerschalen können ausgeliehen werden, dazu Beil und Säge. Lockere Lagerfeuerromantik statt strenger Campingplatz-Ordnung.
- Die Fähre steuert auf den Anleger Lühesand zu
- Foto: jd
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Terrasse als Treffpunkt
Zentraler Treffpunkt wird das Insellokal sein. Morgens will Köhnken ein Frühstücksbuffet anbieten, mittags sollen kleine Gerichte serviert werden, abends können die Gäste einen Limoncello Spritz auf der Terrasse genießen. "Das ist kein klassisches Restaurant“, sagt Köhnken. „Eher eine Art Bistro oder Osteria mit mediterraner Atmosphäre.“ Direkt vor der Terrasse entsteht ein großer Familienbereich - mit Beachvolleyballfeld, Spielgeräten, Hüpfburgen, vielleicht sogar ein Matschbereich für Kinder. Während die Kleinen im Sand buddeln, sitzen die Eltern oben beim Cappuccino mit Blick auf die Lühesander Süderelbe.
- Den Mittelpunkt der "Familieninsel Lühesand" bildet das Lokal. Die umliegende Sandfläche soll als Spielplatz und Freizeitbereich dienen
- Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
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Mit dem Neustart wird auch die Infrastruktur modernisiert. WLAN ist bereits eingerichtet, Saisoncamper erhalten Stromanschlüsse, dazu kommen hochwertige Sanitärcontainer. Für diejenigen, die ihre Auszeit auf der Insel ein wenig komfortabler verbringen möchten, sollen Tiny Houses aufgestellt werden – mobile Unterkünfte, die im Winter bei Sturmflutgefahr einfach aufs Festland gebracht werden können.
- Der Campingplatz auf Lühesand wurde von Gestrüpp befreit
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Strenger Winter verzögerte Eröffnung
Ursprünglich sollte die erste Saison der neuen Lühesand-Ära bereits zu Ostern starten. Doch der lange Winter durchkreuzte diese Pläne. Fünf Wochen lang ging nichts mehr. Es kam niemand mehr auf die Insel, sodass die Sanierungsarbeiten pausieren mussten. „Wir sind noch gefahren, solange es ging“, berichtet Köhnken. „Aber irgendwann kamen wir mit dem Boot nicht mehr durch die Eisschollen.“
Jetzt aber pendelt die Fähre wieder regelmäßig zwischen Festland und Insel. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Wer auf Lühesand campen will, kann auch spontan kommen.Einfach rechtzeitig am Anleger stehen und übersetzen. Auch Tagesgäste sind ausdrücklich willkommen. Eben alle, die "reif für die Insel" sind.
Homepage: www.camping-stover-strand.de/de/89/elbinsel-luehesand/
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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