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Neuzugang für das Freilichtmuseum am Kiekeberg
Das Flüchtlingssiedlungshaus aus Tostedt komplettiert das Gebäudenensemble "Königsberger Straße"

Freuen sich, dass das Flüchtlingssiedlungshaus ins Freilichtmuseum am Kiekeberg kommt (v. li.): Die Besitzerfamilie Sabine Stelzer, Philip Rüthemann und Manfred Stelzer sowie vom Museum Stefan Zimmermann, Theda Pahl, Alexander Eggert und Zofia Durda Foto: as
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  • Freuen sich, dass das Flüchtlingssiedlungshaus ins Freilichtmuseum am Kiekeberg kommt (v. li.): Die Besitzerfamilie Sabine Stelzer, Philip Rüthemann und Manfred Stelzer sowie vom Museum Stefan Zimmermann, Theda Pahl, Alexander Eggert und Zofia Durda Foto: as
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as. Tostedt/Ehestorf. Mit einem der letzten Schiffe sind sie 1943 aus Königsberg geflohen und haben in Tostedt eine neue Heimat gefunden: Bruno und Herta Matz. Jetzt wird das von ihnen 1953 erbaute Haus am Lerchenweg Teil des Großprojekts "Königsberger Straße" im Freilichtmuseum am Kiekeberg.

Das Schicksal von Bruno und Herta Matz steht für die Geschichte vieler Flüchtlinge aus der Nachkriegszeit. Bruno Matz war von Beruf Kraftfahrer, seine Frau Herta hat als gelernte Hauswirtschafterin auf einem ostpreußischen Gut gearbeitet. Gemeinsam gelang ihnen die Flucht.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die Wohnungsnot, insbesondere für Flüchtlinge und Vertriebene, sehr groß. Sie lebten in prekären Verhältnissen in einfachsten Notunterkünften, z.B. Ställen oder Nissenhütten. Erst nach der Währungsreform 1948 und der Förderung des Baus von Eigenheimen verbesserte sich ihre Situation.

In vielen Orten entstanden, entfernt vom Dorfkern, typische Siedlungsgebiete mit uniformen Einzel- oder Doppelhäusern. Auch Familie Matz errichtete so in Tostedt ein Haus. Der Baugrund war günstig, so dass viele Flüchtlinge hier die Chance auf ein Eigenheim suchten - im Nachhinein erwies sich der Boden als feucht.

Die Grundstücke sollten die Möglichkeit zur Selbstversorgung bieten und waren daher meist großzügig geschnitten. Auch Familie Matz legte auf den 2.400 Quadratmetern einen Nutzgarten an und hielt zudem im ebenfalls 1953 errichteten Stall Schweine. "Wir mussten als Kinder tüchtig mithelfen und haben im Sommer Johannisbeeren und Erdbeeren gepflückt", erinnert sich Sabine Stelzer, die Tochter des Bauherren. Im Gegensatz zu den meisten in der Siedlung gebauten Häusern entschloss sich Bruno Matz, selbstständig zu bauen, um nicht an die Auflagen der Fördergesellschaften gebunden zu sein. Ein großes Wagnis für die Familie, wussten sie doch nicht, ob der Neustart in Tostedt gelingen würde.

Sabine Stelzer ist die Tochter von Bruno und Herta Matz und ist in dem Haus aufgewachsen. Gemeinsam mit ihrem Mann Manfred, ebenfalls in der Flüchtlingssiedlung groß geworden, hat sie bis 1980 im Flüchtlingssiedlungshaus gelebt, dann hat Familie Stelzer das Grundstück geteilt und dort ein eigenes Haus gebaut. Bauherrin Herta Matz wohnte noch bis 2012 im Flüchtlingssiedlungshaus, anschließend zog Tanja Rüthemann, die Tochter von Sabine und Manfred Stelzer, mit ihrem Mann Philip in das von ihren Großeltern erbaute Haus ein und bewohnte das Gebäude bis 2019.

"Mit dem Flüchtlingssiedlungshaus findet ein historischer Schatz den Weg zum Kiekeberg", freut sich Museumsdirektor Stefan Zimmermann über den Neuzugang für die Königsberger Straße. Das Gebäude sei architektonisch vielleicht nicht so speziell wie die Tankstelle oder das Fertighaus, dennoch handele es sich um "eine Ikone seiner Zeit", die repräsentativ für die Flüchtlingssiedlungen im Nachkriegsdeutschland steht.

Familie Stelzer hatte bereits 2016 im WOCHENBLATT gelesen, dass für die "Königsberger Straße" noch ein Flüchtlingssiedlungshaus gesucht wird, und kurzerhand Kontakt zum Museum aufgenommen. "Uns war schon nach dem ersten Treffen klar: Dieses Haus wird das Herzstück der Königsberger Straße", sagt Alexander Eggert, Leiter der Abteilung Volkskunde. Was das Gebäude zu einer "Perle" macht: Es gibt wenig Umbauten, zudem sind noch einige Gegenstände aus den 1950er und 1960er Jahren erhalten. Die Bewohnerfamilie hat die Geschichte des Gebäudes dokumentiert und unterstützt die Wissenschaftler mit privaten Dokumenten und Zeitzeugeninterviews.

"Das Gefühl, dass bald Besucher durch unser Haus laufen sollen, ist schon merkwürdig. Andererseits freue ich mich, dass mein Elternhaus so erhalten bleibt - wir hätten es sonst abreißen müssen", sagt Sabine Stelzer. Das Wohnhaus wird zum Jahreswechsel 2020/2021 ins Freilichtmuseum transloziert, also in einem Stück transportiert. Kein einfaches Unterfangen: Mit Holzleisten und Stahlträgern muss das Haus dafür gesichert werden. Der Transport erfolgt in Zeitlupe: Vier Tage wird es dauern, bis das Gebäude im Museum in Ehestorf angekommen ist.

Dank der vielen Fotos und überlassenen Gegenstände soll das Flüchtlingssiedlungshaus an der "Königsberger Straße" genauso eingerichtet werden, wie Familie Stelzer 1962 gelebt hat. Dazu wird im entsprechend angelegten Nutz- und Ziergarten der Viehstall mit Sommerküche wieder aufgebaut und das Abort-Häuschen nach Originalplänen rekonstruiert. Im Frühjahr 2023 soll es voraussichtlich eröffnet werden.

• Das Freilichtmuseum ist zwar geschlossen, aber der Museumsladen hat geöffnet: von Montag bis Samstag, 7. bis 12. Dezember. Von 10 bis 17 Uhr finden Besucher Weihnachtsgeschenke für ihre Lieben. Der Eingang erfolgt über eine Pforte am Radweg in Höhe des Agrariums.

Großprojekt "Königsberger Straße"

Mit dem Großprojekt "Königsberger Straße" errichtet das Freilichtmuseum am Kiekeberg eine Baugrupppe mit Gebäuden, die typisch für das Leben in der Nachkriegszeit sind. Das Gesamtprojekt ist auf 6,14 Millionen Euro angelegt. Museumsdirektor Stefan Zimmermann erläutert: "Wir stellen dar, wie Einheimische, aber auch Neubürger die Aufbauzeit erlebten." Flüchtlingssiedlungshaus und Stall komplettieren das Gebäudeensemble "Königsberger Straße". Am Kiekeberg stehen bereits eine Tankstelle, eine Ladenzeile, ein Siedlungsdoppelhaus und ein Quelle-Fertighaus.

Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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