Wohnen wie aus dem Katalog

Was für ein Idyll: Wie man sich modernes Wohnen in den 1960er Jahren vorstellte, zeigt dieses
Fertighaus aus dem Quelle-Katalog
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  • Was für ein Idyll: Wie man sich modernes Wohnen in den 1960er Jahren vorstellte, zeigt dieses
    Fertighaus aus dem Quelle-Katalog
  • Foto: FLMK / Quelle-Fertighaus-Fibel
  • hochgeladen von Anke Settekorn

Zuwachs für die Königsberger Straße im Freilichtmuseum am Kiekeberg: Das Quelle-Fertighaus von 1966 ist eine "Ikone des Bauens"

(as). Ein paar Möbel stehen noch, doch der Großteil der Einrichtungsgegenstände ist bereits verpackt und abtransportiert. "Dass wir dieses Gebäude samt Inventar erhalten haben, ist ein großes Glück", freut sich Stefan Zimmermann, Direktor des Freilichtmuseums am Kiekeberg. Gemeinsam mit Geschäftsführerin Carina Meyer, Landrat Rainer Rempe, dem Stiftungsratsvorsitzenden Klaus Kienert und dem Fördervereinsvorsitzenden Heiner Schönecke stellte Zimmermann den neuesten Zugang für das Ensemble der "Königsberger Straße" vor: ein Fertighaus aus dem Quelle-Katalog von 1966.
Bei dem 110 Quadratmeter großen Gebäude handelt es sich um eins von bundesweit 34 Musterhäusern, das das Versandhandelsunternehmen Quelle-Fertighaus GmbH in Deutschland errichtete. "Dieses Fertighaus ist auch historisch betrachtet ein Musterhaus: Es zeigt die historische Entwicklung in den sechziger Jahren im Landkreis Harburg", sagt Zimmermann. Mitte der 1960er Jahre gab es ein unglaubliches Bevölkerungswachstum, schnelles und günstiges Bauen war gefragt. Mit den Fertighäusern aus dem Katalog reagierten Versandhäuser wie Quelle, Karstadt oder Neckermann auf diese Nachfrage. Das Fertighaus steht nicht nur für eine neue Art der Fertigung und des Hausverkaufs, sondern auch für eine andere Lebensgestaltung: Die Wände sind zugunsten der Wohnfläche nicht gemauert, Wohn- und Wirtschafts- bzw. Schlafbereich sind klar getrennt, die Räume befinden sich auf einer Ebene und große Fenster lassen viel Licht herein. "Die riesigen Fensterfronten zum Garten hin waren damals eine Sensation", so Zimmermann.
100.000 D-Mark hat das Inhaberehepaar 1968 für das Versprechen eines modernen Wohnens gezahlt. Ein schneller Einzugstermin, aber auch die verkehrsgünstige Lage in der Nähe des Bahnhofs gaben für den Hausherrn, einen der vielen Hamburg-Pendler aus dem Landkreis, den Ausschlag. Das Paar lebte mit drei Kindern im Fertighaus. Die Inhaber haben nur wenige behutsame Eingriffe in das ursprüngliche Haus vorgenommen, die Gartengestaltung und die Hauseinrichtung von 1979 sind weitgehend erhalten. Im Freilichtmuseum wird das Haus das Leben der Eigentümerfamilie in den 1970er Jahren zeigen.
Mit dem Großprojekt "Königsberger Straße" errichtet das Freilichtmuseum in den kommenden Jahren eine Baugruppe, die typisch für das Leben in der Nachkriegszeit ist. Nachdem im Sommer 2018 der erste Spatenstich erfolgte, wurde im Oktober bereits eine Tankstelle aus Stade ins Museum geholt (Das WOCHENBLATT berichtete). Weiterhin sind eine Ladenzeile mit sechs Geschäften, ein Siedlungsdoppelhaus und ein Flüchtlingssiedlungshaus sowie ein Aussiedlerhof geplant. Das Fertighaus als neuer Bautyp bildet den zeitlichen Abschluss, im Juni soll das 40 Tonnen schwere Gebäude transloziert, also in einem Stück ins Museum transportiert und im Sommer 2021 eröffnet werden.

So viele Besucher wie noch nie

244.992 Besucher verzeichnete das Freilichtmuseum im Kiekeberg für 2018 und knackte damit die bisherige Bestmarke (242.450 Besucher in 2016). "Dieses Ergebnis freut uns außerordentlich", sagt Geschäftsführerin Carina Meyer. Denn im vergangenen Jahr war mit dem Ehestorfer Heuweg einer der wichtigsten Anfahrtswege zum Museum für drei Monate gesperrt. Auch der Förderverein wächst stetig. Wurde im August noch das 13.000 Mitglied begrüßt, waren es Ende 2018 schon 13.230 Mitglieder. 

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