Neben der Freude über die Förderbescheide des DigitalPakts gibt es auch Kritik der Schulen
"Wir müssen Tempo machen!"

Dank iserv konnten die Schüler während des Lockdowns Zuhause unterrichtet werden
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(as/ce). Kultusminister Grant Hendrik Tonne (43, SPD) reist derzeit durch Niedersachsen und verteilt Förderbescheide. Auch der Landkreis Harburg hat in der vergangenen Woche rund 7,02 Millionen Euro erhalten, die für den Aufbau der digitalen Infrastruktur an den 29 weiterführenden Schulen verwendet werden sollen.

"Der Digitalpakt ist dringendst erforderlich - aber er kommt zu spät!

"Jetzt wird endlich das umgesetzt, was wir Schulen schon seit Jahren fordern", sagt Hans-Christian Höhne, Schulleiter des Gymnasiums Meckelfeld. Die wichtigste Voraussetzung für digitalen Unterricht seien eine schnelle Internetanbindung und eine vernünftige Infrastruktur an der Schule. "Der Digitalpakt ist dringendst erforderlich - aber er kommt zu spät! Bis die weiterführenden Schulen im Landkreis intern mit Glasfaser und W-LAN versorgt sind, dauert es doch noch mindestens zwei Jahre." Ein weiteres Problem: Das Netz muss überhaupt erst mal in einer entsprechenden Geschwindigkeit an der Schule ankommen. Denn bei Weitem nicht alle Schulen im Landkreis haben einen Glasfaseranschluss.

Und mit dem Bereitstellen der Infrastruktur sei es nicht getan, mahnt Höhne. "Die Digitalisierung muss auch nachhaltig verfolgt werden."

Fortbildungen für Lehrer

Dazu gehörten zum Beispiel auch flächendeckende Fortbildungen für die Lehrer. "Sonst haben wir eine supertechnische Ausstattung, die vielleicht genutzt wird, deren technische Möglichkeiten aber nicht ansatzweise ausgeschöpft werden." Weiterhin sei es wichtig, die Technik auf dem neuesten Stand zu halten.
Das Gymnasium Meckelfeld ist gut aufgestellt: Fast alle Räume sind mit Smartboards ausgestattet, deren Inhalt entsprechend auf die Schülertablets übertragen werden kann. Zudem möchte das Gymnasium Meckelfeld im nächsten Schuljahr eine zweite Tablet-Klasse starten. "Die Diskussion, ob ein Tablet im Unterricht sinnvoll ist, halte ich für obsolet", ist Höhne überzeugt. Das Gerät werde in vielen Bereichen, zum Beispiel auch im Sportunterricht, eingesetzt: Der Weitsprung wird gefilmt und anschließend in Slow-Motion gezeigt und besprochen. Das Schulbuch sei nach wie vor wichtig, aber es gebe zum Beispiel die Möglichkeit zusätzlicher Aufgaben mit dem Tablet. "Aber all diese Ausstattung nützt nichts ohne eine vernünftige Internetanbindung", sagt Höhne. Der Landkreis sei auf einem guten Weg "aber wir müssen Tempo machen." Er hoffe auf "die Chance in der Krise: Dass viele erkennen, dass die Digitalisierung mit aller Macht vorangetrieben werden muss."

Digitaler Unterricht

Für die Mehrzahl seiner Schüler sei der digitale Unterricht während des Corona-Lockdowns entspannt und gut gelaufen, so Höhne. Dazu habe vor allem der Schulserver iserv beigetragen, der sich als Intranet und Kommunikationsplattform, z.B. für Unterricht per Videokonferenz, bewährt habe. "iserv hat definitiv den Start in die Coronazeit erleichtert." Einen Wunsch hat der Schulleiter: "Es wäre schon schön, wenn wir mehr mobile Endgeräte für die Schüler hätten. Zwar wurden Fördermittel in Aussicht gestellt, noch ist aber nicht geklärt, wie die Bereitstellung funktionieren soll - als Leasing-Modell oder als Ausleihe, das lassen Land und Schulträger bislang noch offen."

"Wir arbeiten seit 2012, seit der Umwandlung der Haupt- und Realschule in die Oberschule, mit Activeboards. Alle Klassenräume sind damit und teilweise auch schon mit Activ-Panels ausgestattet", erklärt Gudrun Voigt, Leiterin der Oberschule Salzhausen. "Obwohl die Umstellung während der vollständigen Schulschließung aufgrund der Corona-Pandemie groß und vor allem abrupt war, ist sie uns zügig und ganz gut gelungen."
Während der Schulschließung sei nahezu komplett digital unterrichtet worden. "Das ist immer noch ein großer Teil der Arbeit", so Voigt. Schüler, die nur unzureichend digital ausgestattet waren, hätten die Arbeitsmaterialien auf anderem Wege erhalten und von den Klassenlehrern telefonisch Unterstützung bekommen.

DigitalPakt Schule

Vom Digitalpakt erhofft sich Gudrun Voigt den "zügigen Ausbau der Infrastruktur, so dass gleichzeitiges Arbeiten in allen Klassenräumen mit diesen Medien störungsfrei funktioniert". Von diesem Ziel sei zumindest die Oberschule aber "leider noch meilenweit entfernt".  Über den DigitalPakt Schule erhält das Land Niedersachsen 470 Millionen Euro vom Bund. Hinzu kommt eine Aufstockung durch das Land um rund 52 Millionen Euro. Damit stehen über 522 Millionen Euro für die Verbesserung der IT-Bildungsinfrastruktur an Niedersachsens Schulen bis 2024 zur Verfügung. Der Landkreis Harburg kann insgesamt über 9,7 Millionen Euro verfügen und hat bereits rund drei Viertel seiner Mittel gebunden.

Weiterhin haben Bundesregierung und Länder beschlossen, 500 Millionen Euro bereitzustellen, um Schüler ohne mobile Endgeräte zu unterstüzten. Die Mittel werden zusätzlich zum bereits laufenden DigitalPakt Schule 2019-2024 zur Verfügung gestellt. Niedersachsen erhält etwa 47 Millionen Euro für mobile Endgeräte.

Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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