Ein Besuch am Junkernfeldsee
Ausflug mit dem „Eisvogelpapst“ Erich Becken
- Erich Becken am Junkernfeldsee
- Foto: C. Weede
- hochgeladen von Sven Rathert
Seevetal ist die Heimat mehrere Eisvogelpaare. Zu verdanken ist dies dem unermüdlichen Einsatz von Erich Becken, auch liebevoll „Eisvogelpapst“ genannt. Der heute 90-Jährige kümmert sich seit Jahrzehnten um die besonderen Vögel und hat ihnen in Seevetal zahlreiche Bruthöhlen gebaut. Wenn er Menschen an seinem großen Wissensschatz teilhaben lässt, ist das ein besonderer Moment. Die Gemeinde Seevetal beschreibt ihren Tag mit Becken:
Samstagmorgen am Junkernfeldsee: Ein kleiner sandiger Pfad führt zu einem Beobachtungspunkt. Dort ducken sich Erich Becken und seine Eisvogel-Interessierten unter ein paar Bäume und stehen direkt hinter einer Schutzwand. „Die Eisvögel würden sofort verschwinden, wenn sie nur einen kleinen Finger von uns sehen“, erklärt der Eisvogelexperte.
Brutröhren aus Blech und Lehm
Erich Becken hat sich mit Anne Strauch, der Pressesprecherin der Gemeinde Seevetal, und drei weiteren Vogelfreunden verabredet. Er möchte ihnen zeigen, wo die Eisvögel gerade ihre Jungen füttern. Zunächst jedoch sind keine Vögel zu sehen. „Das kann jetzt auch ein, anderthalb Stunden dauern“, meint Becken.
- Der Eisvogel lauert häufig auf Ästen und wartet auf einen günstigen Moment, um ins Wasser zu stürzen
- Foto: Thomas Rejzek
- hochgeladen von Sven Rathert
Der 90-Jährige kennt die Lebensweise des streng geschützten Eisvogels im Landkreis Harburg wie kaum ein anderer. Er hat sogar eigens Nistwände für die Vögel gebaut. Diese bestehen aus einer Blechwand mit kreisrunden Einfluglöchern, die zu Brutröhren in einem künstlich aufgeschütteten Steilufer aus Sand-Lehm-Gemisch führen. In Seevetal finden sich Nistwände der „Marke Becken“ am Maschener See, Steller See, Junkernfeldsee, Kiessee bei Karoxbostel und am Mühlenteich an der Karoxbosteler Wassermühle.
An diesem Samstagmorgen dauert es tatsächlich keine zehn Minuten, bis das Eisvogelpaar am Junkernfeldsee auftaucht. Zuerst erscheint das Männchen, das an einer weiteren Brutröhre baut und dem Weibchen den Ort zeigt, bevor schließlich die Jungvögel mit kleinen Fischen gefüttert werden. Häufig nutzen Eisvögel mehrere Höhlen während einer Brutsaison. „Zweitbruten sind bei Eisvögeln die Regel, Drittbruten häufig. Ich habe sogar schon beobachtet, dass Eisvögel ein viertes Mal brüten“, erklärt Becken.
Laut NABU sind die Bestände des Eisvogels in Deutschland derzeit noch stabil, die Entwicklung werde jedoch als kritisch bewertet. Umso wichtiger ist es, dass die Vögel geeignete Brutplätze finden, die über Jahre hinweg genutzt werden können.
Verstecken für den Naturschutz
Wer Eisvögel selbst beobachten möchte, kann dies vom Beobachtungsunterstand am Steller See in der „Seevengeti“ aus tun. „Wer Eisvögel sehen will, muss sich unbedingt hinter einer Schutzwand verstecken, da sich die Vögel schnell gestört fühlen“, mahnt Becken, der sich unermüdlich dafür einsetzt, dass die Bedingungen für die Eisvögel auch künftig erhalten bleiben.
Wie alle Eisvögel füttert auch das Paar am Junkernfeldsee seine Jungen etwa 26 Tage lang. Die ersten Jungvögel in diesem Jahr werden bald flügge. Thomas Rejzek, der an diesem Morgen extra aus Schleswig-Holstein angereist ist, zeigt sich begeistert: „Ich liebe Eisvögel, aber so lange und nah habe ich sie noch nie gesehen. Das übertrifft alle meine Hoffnungen für heute Morgen.“
Zwei Stunden haben die Besucher hinter der Schutzwand gestanden, fotografiert und viele wichtige Fakten über Eisvögel von Erich Becken erfahren. Zum Abschied schütteln sie ihm strahlend die Hand. „Eisvogel-Erich“ aber bleibt noch ein wenig und beobachtet das fütternde Paar weiter in aller Ruhe.
Redakteur:Sven Rathert aus Seevetal |
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