Gymnasium Meckelfeld
Holocaust-Überlebende gibt Geschichtsstunde, die unter die Haut geht

Die Zeitzeugen Karin Comar und Dr. Peter Schuntermann (Mitte) mit den Schülern der Klasse 10 B  im Foyer des Gymnasiums Meckelfeld
  • Die Zeitzeugen Karin Comar und Dr. Peter Schuntermann (Mitte) mit den Schülern der Klasse 10 B im Foyer des Gymnasiums Meckelfeld
  • Foto: Olaf Lakämper
  • hochgeladen von Thomas Sulzyc

ts. Meckelfeld. 40 Familienangehörige hat Karin Comar, geboren 1936, in den 1940er-Jahren in Konzentrations- und Arbeitslagern verloren. Die Holocaust-Überlebende und der Zeitzeuge Dr. Peter Schuntermann, geboren 1934, dessen Vater im Nationalsozialismus Karriere gemacht hat, haben den Schülern der Klassenstufe 10 am Gymnasium Meckelfeld eine Geschichtsstunde gegeben, die unter die Haut ging.
Karin Comar berichtete den Schülerinnen und Schülern von der Reichspogromnacht. Sie habe die Ausschreitungen gegen Synagogen und jüdische Geschäfte und Bürger zwar nicht bewusst miterlebt, doch könne sie berichten, was ihr Vater erzählt hat.
Ein einflussreicher deutscher Freund der Familie habe ihren Vater glücklicherweise vor den Ausschreitungen gegen Juden im November 1938 gewarnt, so dass er die Nacht auf dem Motorrad verbracht habe, immer in Bewegung und daher für die Nazis nicht zu ergreifen. Dies habe ihn vor einer Deportation in ein KZ bewahrt.
Durch heimliche Unterstützung dieses Freundes sei der Familie noch 1941 die Emigration in die USA gelungen – auf den letzten Drücker, denn kurze Zeit später begannen die Deportationen nach Osten, wovon dennoch ein großer Teil der Verwandtschaft betroffen gewesen sei.
In einer bewegenden Ansprache berichtete die Zeitzeugin den Schülern von 40 Familienangehörigen, die in Konzentrations- und Vernichtungslagern umgebracht wurden. Vielen Verwandten sei aber noch die Emigration gelungen, so dass die Familie heute auf allen Kontinenten verteilt ist.
Bemerkenswert ist, dass Karin Comar sich stets ihrer deutschen Wurzeln bewusst ist und dies auch heute noch den Mitgliedern und Nachfahren ihrer Familie weitergibt. Mehrere Familientreffen in Hamburg zeugen von der Spurensuche nach den eigenen Wurzeln.
Peter Schuntermann, ein Psychiater aus Boston (USA) berichtete den Schülern aus seiner Kindheit in Hamburg. Aufgewachsen im Stadtteil Harvestehude, erlebte er in den Kriegsjahren, die seine Kindheit prägten, viele Bombenangriffe mit. Das Haus, in dem er mit seiner Familie seit 1938 eine recht großzügige und luxuriöse Wohnung bewohnte, blieb jedoch von den Bombeneinschlägen verschont.
Auf Nachfrage der Schüler, ob man sich an das regelmäßige Bombardement gewöhnen könnte, stellte Peter Schuntermann klar, dass das unmöglich sei. Man habe versucht, die Fassade zu wahren, doch im Inneren sei die Angst ein stetiger Begleiter gewesen.
Da der Gast aus Boston einen Stadtteil bewohnte, in dem es eine große jüdische Gemeinde gab, fragten Schüler ihn auch, ob er etwas von der Deportation der Juden mitbekommen habe. Über das Verschwinden der jüdischen Bevölkerung habe, so Schuntermann, jeder Bürger Bescheid gewusst. Man durfte und wollte nicht darüber reden, sagte Schuntermann
Sein Vater, ein Medizinalrat und SA-Mann, der seine Karriere im Jahr 1933 dem NS-Staat zu verdanken hatte, gehörte zu den Nutznießern des Systems, so Schuntermann.
Zwar habe das sein Vater nie zugegeben, doch die große möblierte Wohnung, die 1938 bezogen wurde und großartige Spielsachen, die der Vater mit nach Hause gebracht habe, ließen den Schluss zu, dass die Familie sich unrechtmäßig am Eigentum deportierter Juden bereichert habe. Dies sei Schuntermann aber erst nach dem Tode seines Vaters in den 1960er-Jahren bewusst geworden.

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