Statistik und Gefühl
Statistische Realität und subjektives Empfinden können weit auseinanderliegen
- Eine Frau im Dunkeln fühlt sich unsicher angesichts der möglichen Gefahr eines Überfalls
- Foto: MSR
- hochgeladen von Sven Rathert
Die Kriminalität im Landkreis Harburg ist 2025 zurückgegangen: Insgesamt wurden 12.382 Straftaten registriert, ein Minus von 9,2 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt weiterhin bei über 60 Prozent.
Während einige Delikte wie Gewalt- und Betrugsstraftaten rückläufig sind, stiegen Wohnungseinbrüche auf 470 Fälle sowie Autodiebstähle an. Häusliche Gewalt bleibt mit 846 Fällen ein Schwerpunkt.
Sicherheit ist mehr als Statistik
Trotz der insgesamt positiven Entwicklung stellt sich die Frage, wie sicher sich die Menschen im Landkreis tatsächlich fühlen. Denn das subjektive Sicherheitsgefühl kann von der statistischen Realität abweichen.
Das Sicherheitsgefühl beschreibt, wie sicher sich Menschen in ihrem Alltag empfinden, etwa auf dem Heimweg in der Dunkelheit. Dieses Empfinden wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Persönliche Erfahrungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Wer selbst Opfer einer Straftat geworden ist, empfindet seine Umgebung oft als unsicherer, unabhängig von der tatsächlichen Kriminalitätslage.
Auch das soziale Umfeld hat Einfluss. Berichte von Bekannten oder Nachbarn können das Sicherheitsgefühl verstärken oder abschwächen. Bereits wenige Vorfälle im persönlichen Umfeld können dazu führen, dass Menschen eine höhere Kriminalitätsbelastung wahrnehmen, als sie statistisch besteht.
Hinzu kommen äußere Faktoren. Ein ungepflegtes Umfeld mit Müll, Graffiti oder Vandalismus kann den Eindruck von Unsicherheit verstärken. Auch die Beleuchtung im öffentlichen Raum spielt eine Rolle. Studien zeigen zwar, dass Kriminalität nicht zwangsläufig mit Dunkelheit zunimmt, dennoch fühlen sich viele Menschen bei schlechter Beleuchtung unsicherer.
Rolle der Polizei und Prävention
Auch die Wahrnehmung der Polizei beeinflusst das Sicherheitsgefühl. Sichtbare Präsenz, Erreichbarkeit und Erfahrungen im Kontakt mit den Einsatzkräften prägen das Vertrauen in die Sicherheitslage.
„Präsent sein und kommen, wenn wir gerufen werden“, beschreibt Polizeisprecher Thorsten Adam wichtige Ansätze, um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken. Darüber hinaus setzt die Polizei auf Präventionsarbeit. Dazu gehört unter anderem die Aufklärung über Einbruchschutz oder den sicheren Umgang mit Wertgegenständen im Alltag. Das kann nicht nur das Sicherheitsgefühl stärken, sondern Straftaten auch tatsächlich verhindern.
Gefühl mit Wirkung
Auch wenn das Sicherheitsgefühl nicht immer mit den statistischen Zahlen übereinstimmt, hat es konkrete Auswirkungen auf das Verhalten der Menschen. Es beeinflusst, ob Wege gemieden werden, wie sich Menschen im öffentlichen Raum bewegen oder welche Aktivitäten sie wahrnehmen. Auch Bildung und Wissen über Fallzahlen können das Sicherheitsgefühl stärken. Ein Beispiel dafür nennt Michael Kropp vom Weissen Ring: „In den Frauenhäusern sind häufig Frauen mit Migrationshintergrund. Das kann dazu führen, dass Menschen glauben, in anderen Kulturen sei das Thema häusliche Gewalt stärker vorhanden als bei in Deutschland geborenen Frauen. Die Realität sieht aber anders aus. Wenn deutschen Frauen zu Hause Gewalt widerfährt, haben sie oft ein soziales Umfeld, an das sie sich wenden können. Bei Migrantinnen sieht das häufig anders aus, sodass ihnen oft kein anderer sicherer Ort als das Frauenhaus bleibt. Wenn man das weiß, kann man mit einem anderen Blick darauf schauen.“
Im Landkreis Harburg zeigt sich insgesamt ein hohes Sicherheitsniveau. Die rückläufigen Zahlen belegen eine positive Entwicklung. Gleichzeitig bleibt das subjektive Sicherheitsgefühl ein wichtiger Faktor, der über die reine Statistik hinausgeht und weiterhin Aufmerksamkeit erfordert.
Redakteur:Sven Rathert aus Seevetal |
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