Bahnprojekt Hamburg-Hannover
Diskussion um Trassenneubau auf Bundesebene

Ob jemals ein ICE in der Nordheide hält, ist fraglich. Denn für zusätzliche Nahverkehrsangebote und neue Bahnhöfe entlang der Neubaustrecke müsste das Land Niedersachsen zahlen | Foto: bim
  • Ob jemals ein ICE in der Nordheide hält, ist fraglich. Denn für zusätzliche Nahverkehrsangebote und neue Bahnhöfe entlang der Neubaustrecke müsste das Land Niedersachsen zahlen
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Der Verkehrsausschuss des Bundestages hat sich am Mittwoch (7. Oktober 2026) für den Bau der  umstrittenen Neubaustrecke zwischen Hamburg und Hannover ausgesprochen und bestätigte damit das Ergebnis der Vorplanung der Bahn, die eine neue Strecke vorsieht. Allerdings werden auch wesentliche und schnellere Verbesserungen an der bestehenden Strecke gefordert. Der Bundestag soll am heutigen Donnerstag, 8. Oktober 2026, gegen 23.25 Uhr in namentlicher Abstimmung entscheiden.

Weitere Infos zur Debatte sind hier nachzulesen.

Bereits nach dem Votum des Verkehrsausschusses gingen diverse Bewertungen beim WOCHENBLATT ein:

Rainer Rempe, Landrat des Landkreises Harburg, der von der Zerschneidung von Landschaft und Lebensräumen durch die Neubautrasse massiv betroffen ist, sagt: "Die Entscheidung für die Neubaustrecke Hamburg–Hannover ist für uns eine große Enttäuschung. Wir haben uns gemeinsam mit dem Land, den Kommunen und vielen Menschen in der Region über Jahre mit guten Argumenten für den Ausbau der bestehenden Strecke und die Umsetzung von Alpha-E eingesetzt. Unsere Bewertung hat sich nicht geändert: Die geplante Neubaustrecke bringt den Menschen auf Jahrzehnte keine spürbare Entlastung, greift massiv in Natur und Landschaft ein und belastet zahlreiche Ortschaften.

Die Entscheidung für die Strecke ist jetzt aber getroffen. Deshalb muss es für uns jetzt darum gehen, im weiteren Verfahren das Bestmögliche für die Menschen und die gesamte Region zu erreichen. Wir werden uns mit aller Entschiedenheit dafür einsetzen, die Belastungen für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger so gering wie möglich zu halten und beim Schutz von Mensch, Natur und Landschaft die höchstmöglichen Standards einzufordern. Dazu gehört insbesondere ein wirksamer Lärmschutz. Auch die vorgesehene Trassenführung werden wir im weiteren Verfahren sehr kritisch begleiten.

Gleichzeitig darf die Entscheidung für eine Neubaustrecke keinesfalls dazu führen, dass dringend notwendige Verbesserungen auf der Bestandsstrecke unterbleiben. Als wachstumsstarker Wirtschaftsstandort brauchen wir eine leistungsfähige Schieneninfrastruktur – für unsere Pendlerinnen und Pendler ebenso wie für den Fern- und Güterverkehr. Die Menschen können nicht Jahrzehnte darauf warten, dass sich ihre Situation verbessert. Deshalb muss die Generalsanierung ab 2029 konsequent genutzt werden, um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, die Zuverlässigkeit zu erhöhen, die Strecken zu digitalisieren und den Lärmschutz entlang der Bestandsstrecken deutlich zu verbessern.

Mein Dank gilt den Abgeordneten aus unserer Region, die die berechtigten Interessen der Menschen vor Ort in Berlin mit großem Einsatz vertreten haben, und den Bürgerinitiativen für ihr Engagement. Auch wenn wir uns eine andere Entscheidung gewünscht hätten: Unser Einsatz für die Region endet mit diesem Beschluss nicht. Im Gegenteil: Wir werden uns auch fachanwaltlich beraten lassen, das Gespräch mit dem Land suchen und bei den weiteren Planungen und im Planfeststellungsverfahren mit Nachdruck dafür eintreten, dass die Interessen unseres Landkreises berücksichtigt werden."

"Schwarzer Tag für Pendler, Fern- und Güterverkehr"

Dr. Peter Dörsam, Sprecher des Projektbeirats Alpha-E, sagt: "Ein schwarzer Tag für alle Pendler, den Fernverkehr und den Güterverkehr in Norddeutschland! Der heutige Beschluss des Verkehrsausschusses versenkt Milliarden in die Planung einer Neubaustrecke die zur Lösung der aktuellen Probleme nichts beiträgt.
Die Überlastungen sind jetzt vorhanden und die kurz- und mittelfristigen Lösungen sind bekannt. Diese werden aber nicht umgesetzt. Stattdessen werden die Ressourcen in die Planung einer Neubaustrecke gesteckt, die erst in 25 bis 38 Jahren Verbesserungen bringen würde.
Die Generalsanierung der Strecke Hamburg – Hannover soll in der bisher geplanten Form 2029 umgesetzt werden. Einige kleinere kapazitätssteigernde Maßnahmen auf der Strecke sollen dann im Anschluss zwischen 2030 und 2034 umgesetzt werden. Das ist widersinnig.
Die Forderungen aus der Region wurden fast alle abgelehnt. Oft wird auf die Prüfung im gesetzlichen Rahmen verwiesen, die aber sowieso erfolgen muss. Der Bund wird keine Regionalbahnhöfe bauen und erst recht keine Regionalverkehre bezahlen.
Vollkommen absurd ist die Trassenführung der geplanten Neubaustrecke. Nicht einmal auf zehn Prozent der Strecke gibt es eine Trassenbündelung mit der Autobahn oder der Bundesstraße. Ganz überwiegend ist die Trasse Kilometer von der Autobahn oder Bundesstraße entfernt und führt zu neuer Zerschneidung von Landschaften. Bodenlos ist auch der Verweis auf angeblich über 200 Informations- und Dialogveranstaltungen mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern, den Kommunen sowie Verbänden. Die angeführten Veranstaltungen betrafen zumeist gar nicht die Neubaustrecke, sondern das Projekt Alpha-E. Für die Bürgerinnen und Bürger gab es zur Neubaustrecke lediglich vier Informationsveranstaltungen ohne eine Diskussion."

Zu der heutigen Empfehlung des Bundesverkehrsausschusses gibt es unterschiedliche Bewertungen

Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD)
bekräftigt die Haltung der Landesregierung:

„Niedersachsen bleibt bei seiner klaren Position: Die Menschen und Unternehmen brauchen möglichst schnell spürbare Verbesserungen auf der Schiene und nicht erst in 25 oder 30 Jahren. Beschluss hin oder Beschluss her, unser Ziel bleibt eine bessere Bahn für die Menschen im Land und zwar in einem realistischen Zeithorizont. Wir erwarten neben einer Langfristmaßnahme auch kurz- und mittelfristige Verbesserungen - letztere fehlen im Beschluss.

Der heutige Beschluss ist aus niedersächsischer Sicht daher unzureichend. Seine eigentliche Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger lautet: Auf Jahrzehnte wird über ein Großprojekt diskutiert und geplant, während konkrete und spürbare Verbesserungen vor Ort weiter auf sich warten lassen. Das können wir so nicht akzeptieren.

Niedersachsen hat immer wieder konstruktive Vorschläge vorgelegt. Unser Ansatz war und ist klar: Erst das Machbare machen, bevor man sich auf Mammutprojekte einlässt. Wer mehr Verkehr auf die Schiene bringen will, sollte zunächst die Maßnahmen umsetzen, die in überschaubarer Zeit zusätzliche Kapazitäten schaffen und die Zuverlässigkeit verbessern. Von diesen Vorschlägen findet sich im heutigen Beschluss allerdings viel zu wenig wieder.

Es gibt weiterhin keine verbindliche Zusage und keinen Plan für ein drittes Gleis zwischen Uelzen und Lüneburg. Gerade dort liegt jedoch einer der wichtigsten Engpässe im norddeutschen Schienennetz. Wer ernsthaft zusätzliche Kapazitäten schaffen will, muss solche konkreten Probleme lösen. Auch beim Lärmschutz bleibt der Beschluss deutlich hinter den Erwartungen der betroffenen Regionen und den Vereinbarungen zurück. Wer Akzeptanz vor Ort einfordert, muss den Menschen auch konkrete Verbesserungen für ihre Lebensqualität anbieten.

Besonders befremdlich ist, dass Bahn und Befürworter der Neubaustrecke immer wieder zusätzliche Nahverkehrsangebote und neue Bahnhöfe, einen Anschluss an die querende Amerika-Linie und weitere Dinge in Aussicht stellen, ohne über deren Finanzierung zu sprechen. Zusätzlicher Nahverkehr wird maßgeblich vom Land bezahlt, Bahnhöfe müssen vielerorts von den Kommunen finanziert werden. Vorteile anzupreisen und die Rechnung anschließend anderen zu schicken, ist ein fraglicher Umgang mit den betroffenen Regionen.

In dieser Debatte geht es um mehr als schnellere Fahrzeiten zwischen Hamburg und Hannover. Niedersachsen setzt sich bewusst für die Menschen zwischen den Metropolen ein. Für Pendlerinnen und Pendler auf dem Weg zur Arbeit, für Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zur Schule, für Auszubildende, Familien und Vereine. Gute Verkehrspolitik entscheidet sich nicht nur auf den Hochgeschwindigkeitsachsen, sondern im Alltag der Menschen vor Ort.

Deshalb brauchen wir mehr und bessere Schienen in der Fläche. Mehr Kapazität dort, wo sie heute fehlt. Mehr Zuverlässigkeit im Regionalverkehr. Mehr Lärmschutz für die Anwohnerinnen und Anwohner. Eine Neubaustrecke zwischen den Metropolen löst diese Herausforderungen eben nicht ausreichend. Unser Ansatz zielt darauf, dass die Menschen möglichst schnell von Verbesserungen profitieren und nicht erst in einer fernen Zukunft.

Sollte der Bundestag ebenfalls für die Neubaustrecke stimmen, wird das an unserer Haltung nichts ändern. Niedersachsen wird weiter dafür eintreten, dass die dringend notwendigen Verbesserungen im bestehenden Netz jetzt angegangen werden.

Wer ausschließlich die Verbindung zwischen Hamburg und Hannover betrachtet, vergisst die Menschen im Raum dazwischen. Wir haben Verantwortung für das ganze Land. Gute Verkehrspolitik misst sich nicht daran, wie schnell man künftig von einer Metropole zur nächsten kommt, sondern auch daran, ob die Menschen in der Fläche besser zur Arbeit, zur Ausbildung, zur Schule oder zum Sport gelangen. Dafür werden wir uns weiterhin mit Nachdruck einsetzen. Wir stehen nicht für ein 'Entweder-Oder', sondern für ein 'Sowohl-als-auch'."

Sebastian Lechner, Vorsitzender der
niedersächsischen CDU-Fraktion

"Alpha-E muss möglichst vollständig umgesetzt werden": 
„Der heutige Beschluss ist kein Beschluss zum Bau der Neubaustrecke. Sie wird lediglich weitergeplant, steht weiterhin unter Finanzierungsvorbehalt und ihr Nutzen-Kosten-Verhältnis wird innerhalb der nächsten fünf Jahre erneut überprüft.

Eine mögliche Neubaustrecke wird die heutigen Kapazitätsprobleme erst in Jahrzehnten lösen können. Umso wichtiger ist es, jetzt schnell spürbare Entlastungen auf der Bestandsstrecke zu schaffen. Dafür müssen die im Beschluss vorgesehenen Maßnahmen aus Alpha-E zügig umgesetzt werden, möglichst viele bereits im Rahmen der Korridorsanierung 2029.

Kritisch bleibt, dass der Bau des dritten Gleises bei Uelzen zwar weiterhin möglich ist, der Bund ihn derzeit aber nicht umsetzen will. Dafür werden wir weiter streiten. Alpha-E muss möglichst vollständig umgesetzt werden.“

Naturschutzbund Niedersachsen

"Bahnstrecke Hamburg–Hannover: Neubau bedroht wertvolle Naturräume"
Der NABU Niedersachsen kritisiert die geplante Neubaustrecke vor allem wegen der damit verbundenen Eingriffe in Natur und Landschaft scharf. Statt neue Flächen zu zerschneiden, müsse die bestehende Infrastruktur ertüchtigt werden.

Dr. Nick Büscher, 1. Stellvertretender Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen:
„Die Neubaustrecke würde wertvolle und teilweise bislang unzerschnittene Lebensräume dauerhaft verändern und zerschneiden. Dieser Eingriff ist aus Naturschutzsicht nicht hinnehmbar. Es sollten keine neuen Trassen durch die Landschaft gebaut, sondern konsequent geprüft und umgesetzt werden, was mit der bestehenden Strecke möglich ist. Das bringt tatsächlich Verbesserungen für die Reisenden und schont zugleich unsere Natur.“

Der NABU unterstützt demzufolge ausschließlich den im Beschluss vorgesehenen Ausbau und die Ertüchtigung der Bestandsstrecke. Diese Maßnahmen sollten aus Sicht des Verbandes umgesetzt werden, damit das Streckennetz möglichst schnell leistungsfähiger wird. Angesichts der hohen Kosten und der angespannten öffentlichen Haushalte erscheint es neben den ökologisch katastrophalen Folgen fraglich, ob das Vorhaben überhaupt finanziert und realisiert werden kann. Mit dem Beschluss einer Neubaustrecke würde man der notwendigen Mobilitätswende einen ‚Bärendienst‘ erweisen.

Auch beim Umgang mit der Öffentlichkeit sieht der NABU klaren Klärungs- und Handlungsbedarf. Im Dialogforum Schiene Nord war 2015 gemeinsam mit Ländern, Kommunen, Verbänden, Bürgerinitiativen und der Deutschen Bahn der Ausbau der Bestandsstrecke als sogenannte Alpha-E-Lösung vereinbart worden. Dieser Konsens wurde später nicht umgesetzt und wird nun de facto aufgekündigt. Aus Sicht des NABU muss Politik bei großen Infrastrukturprojekten wieder verlässlichere Beteiligungsprozesse gewährleisten, damit diese die notwendige gesellschaftliche Akzeptanz gewinnen. „Beteiligung darf kein Feigenblatt sein, dessen Ergebnis später einfach beiseitegeschoben wird“, kritisiert Büscher. „Nur durch den transparenten und ergebnisoffenen Dialog, lässt sich Vertrauen in solche Verfahren gewinnen.“

VCD, Landesverband Niedersachsen

Der VCD Niedersachsen bewertet die Entscheidung als klaren Erfolg für die Verkehrswende. Gleichzeitig nimmt der VCD das Land Niedersachsen nun weiter in die Pflicht, die Umsetzung des Projekts mit großem Nutzen für die Region aktiv zu unterstützen.

 „Mit der Neubaustrecke wird sich die Situation im Fernverkehr, aber auch im Seehafenhinterlandverkehr entscheidend und klimawirksam verbessern. Auch die Umsetzung des Deutschlandtaktes wird einen großen Schritt vorankommen. Besonders erfreulich sind die Optionen für den Landkreis Harburg, die dort bei den Gegnern der Strecke für eine Deeskalation sorgen können. Das betrifft den Trassenverlauf, aber auch den verbesserten Lärmschutz unter Einbeziehung der Autobahnen. Wichtig ist für das Projekt auch, dass alle weitergehenden Ergänzungswünsche unter dem Vorbehalt stehen, die Umsetzung nicht grundsätzlich zu gefährden: Das Nutzen-Kosten-Verhältnis darf nicht unter 1,0 fallen“, erklärt Landesvorsitzender Hans-Christian Friedrichs, der das Projekt seit 2015 begleitet.

Kay Rabe von Kühlewein, stellvertretender Landesvorsitzender des VCD Niedersachsen und Sprecher von "Fridays for Future" Stadthagen: „Nach über 30 Jahren hat damit der Leidensweg über die Ausgestaltung einer zukunftsfähigen Bahnverbindung zwischen Hamburg und Hannover ein Ende. Der beschlossene Antrag ist ein guter Kompromiss, der zum einen die Notwendigkeit eines Neubaus anerkennt und zugleich schon ab den 2030er Jahren für spürbare Verbesserungen auf der überlasteten Bestandsstrecke sorgen soll. Für die Umsetzung wünschen wir uns, dass alle Beteiligten nun an einen Tisch zurückkehren, um z. B. die Umsetzung der Regionalhalte in Soltau und Bergen gemeinsam anzugehen! Der VCD wird die nun folgende Entwurfs- und Genehmigungsplanung weiter konstruktiv begleiten.“

Dr. Cornell Babendererde, CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis Harburg

"Die Koalitionsfraktionen im Bundestag haben sich auf das weitere Vorgehen beim Bahnausbau zwischen Hamburg und Hannover geeinigt. Heute hat der Verkehrsausschuss zugestimmt. Morgen soll der Bundestag den Antrag beschließen.
Der heutige Beschluss ist kein Beschluss für eine Neubautrasse. Die Bahn darf weiterplanen. Bevor gebaut wird, kommt das Nutzen-Kosten-Verhältnis aber noch einmal auf den Prüfstand. Gleichzeitig haben wir einen weitgehenden Ausbau der Bestandsstrecke durchgesetzt. Die Finanzierung ist gesichert und es gibt klare Fristen.

Die Neubaustrecke steht weiter unter Finanzierungsvorbehalt. Ihre Wirtschaftlichkeit muss während der Planung laufend geprüft werden. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis wird spätestens bei Einleitung des Planfeststellungsverfahrens oder nach Abschluss der Ausbaumaßnahmen im Bestand neu bewertet, in
jedem Fall aber innerhalb von fünf Jahren. Weiterplanen heißt nicht bauen. Erst wenn die Maßnahmen
im Bestand umgesetzt sind, zeigt sich, ob eine Neubaustrecke überhaupt noch nötig ist. Nach wie vor habe ich die starke Vermutung, dass die Neubauplanungen wie seinerzeit die Planungen zur Y-Trasse den Weg in die Tonne finden werden.

Deshalb ist es gut, dass wir jetzt endlich einen verbindlichen Fahrplan für den Ausbau im Bestand haben. Damit haben wir für die Pendler in unserer Region einen Silberstreif am Horizont: Bahnfahren bei uns in Nordostniedersachsen wird in absehbarer Zeit wieder pünktlicher und zuverlässiger. Sollte es wider Erwarten doch zu einem Neubau kommen, wenn alle weiteren Prüfungen ergeben, dass sie wirklich unerlässlich sein sollte, wurden Vorsorgemaßnahmen getroffen.
In Seevetal muss die Trasse überprüft und angepasst werden, damit Lärm und Erschütterungen so gering wie möglich bleiben. Bauwerke müssten kleiner ausfallen und die Autobahn GmbH muss den Lärmschutz mit der Bahn abstimmen. Neue Regionalverkehrshalte in Garlstorf und Seevetal-Ramelsloh würden dann außerdem ermöglicht.
Bestandsstrecke: Alpha-E-Maßnahmen kommen
Eine Neubaustrecke würde die heutigen Kapazitätsprobleme erst in Jahrzehnten lösen. Die Pendler aus Winsen, Stelle oder Seevetal brauchen aber jetzt Entlastung. Deshalb enthält der Antrag ein umfangreiches Paket für den Bestand, viele davon direkt im Landkreis Harburg:
• schnellere Weichen in Stelle und eine Spurplananpassung in Winsen
• zusätzliche Weichen und Überholgleise in Radbruch, Winsen und Ashausen
• neue Weichen am Rangierbahnhof Maschen
• Kreuzungs- und Überwerfungsbauwerke in Meckelfeld und Wilhelmsburg
• über acht Kilometer neuer Lärmschutz
• moderne Zugsicherung mit ETCS Level 2 für einen erheblich effizienteren Zugverkehr

Hinzu kommen zentrale Bausteine des Alpha-E entlang der gesamten Achse: der zweigleisige Ausbau Rotenburg-Verden, der Ausbau und die Elektrifizierung der Amerikalinie, die Ertüchtigung zwischen Celle und Hannover, der Ausbau Uelzen Stendal und eine zweigleisige Westseite im Bahnhof Lüneburg.
Das Maßnahmenpaket umfasst rund 250 Millionen Euro, der Bund verpflichtet sich zur Finanzierung.
Spätestens 2034 müssen die Maßnahmen umgesetzt sein. Mit unverbindlichen Absichtserklärungen ist jetzt Schluss. Die Bahn hat einen festen Zeitplan. Möglichst viele Maßnahmen müssen schon im Zuge der Generalsanierung 2029 kommen.
Wir werden für Drittes Gleis bei Uelzen weiter streiten.
Ein Punkt bleibt offen. Das dritte Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen ist weiterhin möglich, der Bund will es derzeit aber nicht bauen. Das ist für mich nicht akzeptabel. Dafür werden wir weiter streiten. Alpha-E muss möglichst vollständig umgesetzt werden."

Harte Verhandlungen haben sich gelohnt
Als die Bahn im Juni 2025 ihre Neubaupläne vorstellte, schien der Ausbau im Bestand und damit der vor zehn Jahren mit der Region erarbeitete Alpha-E-Kompromiss vom Tisch gefegt. Im Bundestag und im Verkehrsministerium zeichnete sich eine klare Mehrheit für den Neubau ab.
Dr. Cornell Babendererde, CDU-Landesvorsitzender Sebastian Lechner, Ministerpräsident Olaf Lies sowie die  betroffenen niedersächsischen Bundestagsabgeordneten aus der Region hätten n über einem Jahr Verhandlungen dagegengehalten.
„Harte Arbeit zahlt sich aus: Wir haben einen Weg gefunden, der schnell spürbare Verbesserungen für die Bahnpendler unserer Region und mehr Lärmschutz bringt. Ich werde genau darauf achten, dass die Bahn ihre Zusagen einhält und dass die Neubautrasse nicht wider besseren Wissens gegen das Land
Niedersachsen durchgedrückt wird", so Babendererde.

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Redakteur:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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