Hittfeld: Schüler-Podiumsdiskussion abgesagt
Streit um AfD-Kandidaten
- hochgeladen von Thomas Lipinski
Die von Schülern der IGS Seevetal für Donnerstag, 11. Juni, geplante Podiumsdiskussion mit Seevetaler Bürgermeisterkandidaten findet nicht statt. Dies teilte die Kursleitung des veranstaltenden Politik-Leistungskurses den Kandidaten am Dienstag mit.
Der Absage vorausgegangen war ein Schreiben mehrerer Initiativen und Bündnisse an die Schulleitung, den Schulelternrat, den Schülerrat sowie an den Politik-Leistungskurs, der die Veranstaltung organisiert hatte. Darin wurde gefordert, den AfD-Bürgermeisterkandidaten von der Veranstaltung auszuschließen, da dieser und seine Partei sich nicht für die Demokratie einsetzen. Seine Anwesenheit nehme den Schülern einen "sicheren Raum", hatte es wohl geheißen.
Die mehr oder weniger öffentliche Diskussion um die Veranstaltung hatte bei den Schülern dazu geführt, dass sie sich großem Druck ausgesetzt sahen und deshalb selbst lieber absagen wollten. Das müsse man respektieren, sagte Schulleiterin Alexandra Neukirch dem Winsener Anzeiger.
Der umstrittene AfD-Kandidat Robert Offermann schiebt dagegen "linken Initiativen" die Schuld für die Absage zu: Die großen Verlierer dieser Entscheidung seien die Schüler. Ihnen werde die Möglichkeit genommen, die Bürgermeisterkandidaten persönlich kennenzulernen, Fragen zu stellen und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Demokratie lebe vom offenen Austausch unterschiedlicher Positionen. Wer mit politischen Gegner nicht diskutieren, sondern sie ausschließen wolle, zeige ein fragwürdiges Demokratieverständnis.
Offermann selbst ist nicht dafür bekannt, sich für Vielfalt und Demokratie einzusetzen. Seine eher antidemokratischen Ansichten verbreitet er offen auf seinem Instagram-Kanal. Auch dies war wohl ein wesentlicher Grund für die Schüler gewesen, die Veranstaltung abzusagen. Man wolle keine Kandidaten einladen, die sich von vornherein massiv gegen Vielfalt wendeten.
Kommentar
Die Absage der Veranstaltung war leider eine Steilvorlage für die AfD - mal wieder. Und sie hat der demokratischen Bildung Jugendlicher einen Bärendienst erwiesen. Dahinter steht vermutlich die Angst vor dem Nicht-Funktionieren demokratischer Willensbildung, Angst davor, dass man vielleicht doch nicht in der Lage wäre, sich selbst ein Bild zu machen, dass Jugendliche Rattenfängern auf den Leim gehen. Und die Tatsache, dass es einfach ungerecht ist, wenn der Kandidat einer Partei, die selbst für Unfreiheit und Ausgrenzung steht, für sich selbst Freiheit und Integration fordert.
Soweit kann ich das nachvollziehen. Doch was ist jetzt gewonnen? Die Absage der Veranstaltung suggeriert allen: Eine selbstbewusste, offene Demokratie funktioniert offenbar doch nicht, mit "gefährlichen" Menschen spricht man besser nicht, anstatt ihnen Kontra zu geben.
Und die AfD kann sich - demokratische Prinzipien einfordernd, die sie selbst ablehnt - auf ihrem Weg zu mehr Unfreiheit wieder einmal als unterdrücktes Opfer der von ihnen oft zitierten "politischen Eliten" darstellen. Schade.
Warum wurde die Podiumsdiskussion der IGS Seevetal mit den Bürgermeisterkandidaten abgesagt?
Die für Donnerstag, 11. Juni, geplante Podiumsdiskussion wurde abgesagt, nachdem mehrere Initiativen und Bündnisse gefordert hatten, den AfD-Bürgermeisterkandidaten Robert Offermann von der Veranstaltung auszuschließen. Die öffentliche Debatte setzte die organisierenden Schüler nach Angaben der Schule unter Druck, woraufhin sie die Veranstaltung selbst absagen wollten.
Wer hatte den Ausschluss des AfD-Kandidaten Robert Offermann gefordert?
Mehrere Initiativen und Bündnisse wandten sich mit einem Schreiben an die Schulleitung, den Schulelternrat, den Schülerrat und den veranstaltenden Politik-Leistungskurs der IGS Seevetal. Darin forderten sie, Robert Offermann von der Diskussion auszuschließen.
Wie begründeten die Schüler der IGS Seevetal die Absage der Veranstaltung?
Die Diskussion um die Teilnahme des AfD-Kandidaten führte laut Schule dazu, dass sich die Schüler starkem Druck ausgesetzt fühlten. Zudem wollten sie nach Darstellung des Artikels keine Kandidaten einladen, die sich aus ihrer Sicht gegen Vielfalt positionieren.
Wie reagierte AfD-Kandidat Robert Offermann auf die Absage der Podiumsdiskussion?
Robert Offermann machte „linke Initiativen“ für die Absage verantwortlich. Er erklärte, die Schüler seien die Verlierer der Entscheidung, da ihnen die Möglichkeit genommen werde, die Kandidaten persönlich kennenzulernen, Fragen zu stellen und sich ein eigenes Urteil zu bilden.
Welche Rolle spielte Schulleiterin Alexandra Neukirch bei der Entscheidung?
Schulleiterin Alexandra Neukirch erklärte gegenüber dem Winsener Anzeiger, dass die Schüler die Veranstaltung selbst absagen wollten, nachdem sie sich durch die öffentliche Debatte unter Druck gesetzt fühlten. Dies müsse man respektieren.
Welche Kritik wird im Kommentar zur Absage der Bürgermeister-Diskussion geäußert?
Der Kommentar bewertet die Absage als Nachteil für die politische Bildung von Jugendlichen. Kritisiert wird, dass dadurch der Eindruck entstehen könne, kontroverse Positionen würden nicht mehr offen diskutiert. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass die AfD die Absage nutzen könne, um sich als Opfer politischer Ausgrenzung darzustellen.
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