Gesundheit
Studie und Training in Maschen: Kickboxen gegen Parkinson

Kickboxtrainer Gunnar Strietzel (li.) übt mit Arne Wortmann den Frontkick auf die Pratz
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ts. Maschen. Kann man mit einem Kickbox-Training die Krankheit Parkinson bekämpfen? Dieser Frage gehen das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) und die Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung in Zusammenarbeit mit der Kampfsportschule Martial Arts Factory in Maschen nach. In einer Studie wollen die Partner herausfinden, ob ein angepasstes Kickbox-Programm die Gesundheit von Parkinsonerkrankten fördert.

Vor Kurzem war Auftakt in Maschen: Insgesamt zehn Parkinsonerkrankte, sechs Männer und vier Frauen im Alter von 45 bis 70 Jahren, lernen unter der Anleitung von Kickbox-Trainer Gunnar Strietzel und Kickboxerin Beate Schönwald Schlagtechniken. Die meisten von ihnen schlagen zum ersten Mal in ihrem Leben eine vordere Gerade, bearbeiten mit schnellen, wechselseitigen Schlägen einen Boxsack.

Die Idee dazu hatte Beate Schönwald. Im Beruf ist sie Parkinson-Nurse an der Parkinson Tagesklinik des UKE, eine examinierte Krankenschwester mit einer speziellen Weiterbildung für Parkinson-Patienten. "Wir wollen mit dem Training alle Fähigkeiten fördern und erhalten", sagt sie.

Eine Parkinsonerkrankung wirkt sich von Mensch zu Mensch unterschiedlich aus. Bewegungs- und Spracheinschränkungen können auftreten und Stimmungsveränderungen wie Ängste oder Depressionen.

Während des Studienzeitraums von etwa einem halben Jahr oder einem Dreivierteljahr wird untersucht, ob sich durch das spezielle Bewegungsangebot Kickboxen die Motorik, die Kognition (Wahrnehmung und Aufmerksamkeit) und die Emotion von Parkinson-#+erkrankten verbessern lässt. "Wir überprüfen das mit Hilfe eines entwickelten Fragebogens, bei dem die Trainingsteilnehmer 39 Fragen zu ihrer Lebensqualität und weiteren Faktoren wie Beweglichkeit und Stimmung beantworten", sagt Beate Schönwald.

Zum Trainingsauftakt in Maschen ist auch Christian Jung dabei. Der 59 Jahre alte Wissenschaftsjournalist ist Kuratoriumsvorstand der Hilde-Ulrichs-Stiftung. Er ist selbst von Parkinson betroffen. "Ich bin das Gesicht der Stiftung in der Öffentlichkeit, weil ich selbst Sport treibe", sagt er. Nordic Walking und Yoga seien bevorzugte Sportarten von ihm.

In Deutschland gebe es nur wenige Studien zu den Auswirkungen von Sporttraining auf Parkinsonerkrankte. Deshalb würden Krankenkassen in Deutschland in der Regel keine Trainingsangebote von Sportvereinen für Parkinsonerkrankte finanzieren. Das wolle die Hilde-Ulrichs-Stiftung ändern - auch mit Hilfe der Studie in Maschen. Die Ergebnisse der Studie sollen Krankenkassen, Fachärzten und Medien zugänglich gemacht werden. "Ich bin überzeugt, dass Sport viel bewirken kann", sagt Christian Jung.

"Hat Spaß gemacht", sagt Arne Wortmann (59) nach der ersten Trainingsstunde. Der kräftige Tritt des früheren Ruderers hat Trainer Gunnar Strietzel beeindruckt. "Ein Naturtalent", sagt der Kickboxer.

Dem Kickbox-Training für Parkinsonerkrankte können sich noch Männer und Frauen anschließen. E-Mail an b.schoenwald@uke.de.

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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