Flüchtling soll Mitbewohner ermordet haben
Anklage wegen Grausamkeit

Der wegen Mordes Angeklagte Abdullah A. (re.) wird von Rechtsanwalt Rainer Kattau verteidigt
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jab. Stade. Vor dem Landgericht Stade hat am Freitag der Prozess gegen einen sudanesischen Flüchtling aus Fredenbeck begonnen. Dem Angeklagten Abdullah A. (24) wird vorgeworfen, seinen damals ebenfalls in der Unterkunft in einem ehemaligen Hotel untergebrachten Mitbewohner brutal getötet zu haben. Die Anklage: Mord.

Als "gefühllos und unbarmherzig" bezeichnete die Staatsanwältin die Tat. A., der während der Verlesung der Anklage in Handschellen blieb, saß teilnahmslos im Gerichtssaal.

Der Flüchtling soll am 15. Juni unter Einfluss von Cannabis in der Gemeinschaftsküche einen Mitbewohner hinterrücks mit einem Küchenmesser angegriffen und an Rücken und Brust schwer verletzt haben. Durch die Schreie alarmiert, kamen weitere Bewohner der Unterkunft dem Opfer zu Hilfe. Opfer und Täter konnten getrennt und der Verletzte aus dem Raum gebracht werden. Nachdem sich der Angreifer kurz in seine Unterkunft zurückgezogen hatte, kam er zurück. Er bedrohte die übrigen Flüchtlinge, die daraufhin das Haus verließen. A. stach anschließend wieder auf sein Opfer ein. "Der Täter fügte dem Opfer extreme psychische und physische Qualen zu", so die Anwältin. Er habe zudem versucht, ihn zu enthaupten, heißt es in der Anklageschrift. Der Angeklagte wollte zum Tathergang keine Angaben machen.

Als Zeuge sagte der Polizeibeamte aus, der mit seiner Kollegin als erster am Tatort eingetroffen war. Zwar sei es damals eine angespannte Situation gewesen, bei der der Gebrauch seiner Dienstwaffe durchaus hätte nötig werden können. Der Angeklagte, der den Beamten bereits durch vorangegangene Einsätze bekannt war, habe aber den Anweisungen der Polizei, z.B. das Messer fallen zu lassen, Folge geleistet. Nach seiner Festnahme wirkte der Beschuldigte zwar wütend, aber nicht aggressiv, eher ruhig, fast gleichgültig, so der Polizeibeamte. Auf jeden Fall sei seine Reaktion nicht der Situation angemessen gewesen.

In seiner Aussage machte der Beamte auch Angaben zum Opfer sowie zum Täter. Der Getötete soll beliebt gewesen sein. Er ging einer regelmäßigen Arbeit nach und sei "auf einem guten Weg der Integration" gewesen. Der Täter hingegen soll häufig Drogen und Alkohol konsumiert haben und immer wieder Streit mit den übrigen Bewohnern gesucht haben. Aus einem nach der Tat aufgenommenen Protokoll des Beamten hieß es: "Er wollte jeden schon mal abstechen."

Die Staatsanwältin klagt A. wegen heimtückischen und grausamen Mordes aus niederen Beweggründen an. Nach dem Absitzen seiner Strafe muss der Angeklagte laut Richter Marc-Sebastian Hase vermutlich mit einer Sicherungsverwahrung rechnen.

Die Verhandlungen werden in dieser Woche fortgesetzt. Mit einem Urteil ist Anfang Januar zu rechnen.

Der wegen Mordes Angeklagte Abdullah A. (re.) wird von Rechtsanwalt Rainer Kattau verteidigt
Die Tat ereignete sich im ehemaligen Fredenbecker Hotel, das als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird
Autor:

Jaana Bollmann aus Stade

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