Hätte er doch nur einen Anwalt genommen
Fahren ohne Führerschein: Stader Gericht erteilte dem Angeklagten juristische Lehrstunde

Wer ohne Führerschein fährt und von der Polizei erwischt wird, muss mit einer empfindlichen Strafe rechnen
  • Wer ohne Führerschein fährt und von der Polizei erwischt wird, muss mit einer empfindlichen Strafe rechnen
  • Foto: ab/Archiv (Symbolbild)
  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd. Stade. Bei kleineren Straftaten wird oftmals ein Strafbefehl zugestellt. Der Vorteil: Der Täter muss nicht vor einem Richter erscheinen und spart zusätzliche Gerichtskosten, die im Falle einer Verurteilung fällig wären. Der Nachteil: Die Staatsanwälte sind bei einer Geldstrafe oft nicht zimperlich. So mancher Delinquent legt Einspruch ein, um die Höhe der Geldstrafe zu drücken - nicht selten mit Erfolg: Dann wird ein Prozess anberaumt und der Urteilsspruch fällt dank Anwalt oft milder aus. Das muss aber nicht immer so sein - und schon gar nicht ohne Rechtsbeistand. Diese Erfahrung machte jetzt ein polnischer Staatsbürger, der wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in Stade vor Gericht stand. Die Amtsrichterin erteilte ihm sozusagen eine juristische Lehrstunde.

Der 48-Jährige war zweimal erwischt worden, als er mit seinem Mercedes ohne Führerschein unterwegs war. Das eine Mal war er auf der B73 in Grefenmoor geblitzt worden, vier Monate später erwischte ihn die Polizei in der Stader Hansestraße. Die Fahrerlaubnis war ihm bereits zuvor nach einer Trunkenheitsfahrt in Süddeutschland für neun Monate entzogen worden.

"Ich möchte ein Geständnis ablegen", erklärte der Mann über seinen Dolmetscher. Er sei extra aus Polen gekommen, um vor Gericht um "eine milde Strafe zu bitten". Statt dieses unterwürfigen Verhaltens wäre eine Vertretung durch einen Rechtsanwalt angebrachter gewesen. Ein juristischer Beistand hätte dem Alkohol- und Führerscheinsünder vielleicht auch dazu geraten, von einem Einspruch abzusehen. Diesen Rat bekam der Angeklagte nun von der Amtsrichterin erteilt: "Ich möchte Ihnen ans Herz legen, den Einspruch zurückzuziehen. Denn ich denke nicht, dass Sie sonst günstiger aus dieser Sache herauskommen." Der Gang vor das Gericht hätte in diesem Falle nämlich nach hinten losgehen können. Der Pole wäre am Ende wohl zu einer höheren Geldstrafe als im Strafbefehl (120 Tagessätze à 10 Euro) verdonnert worden.

Was dem Angeklagten offenbar nicht klar war: Wer gegen einen Strafbefehl angehen will, muss in Betracht ziehen, dass das Gericht eine höhere Strafe verhängen kann. In diesem Fall wäre das höchstwahrscheinlich so gewesen. Vor Gericht hatte der Angeklagte zwar geltend gemacht, dass er von dem Führerscheinentzug zunächst nichts gewusst habe und in Unkenntnis über das Fahrverbot mit seinem Wagen gefahren sei, als er geblitzt wurde.

Doch beim zweiten Mal habe er sich bewusst ins Auto gesetzt, so der Pole. Damit hat er zugegeben, vorsätzlich gehandelt zu haben. In diesem Fall müsse das Strafmaß höher angesetzt werden, so die Richterin in Richtung Angeklagten: "Ich sage Ihnen das hier ganz deutlich, weil Sie ja keinen Verteidiger haben." Selbst wenn der erste Vorwurf fallengelassen würde, wäre wegen der zweiten Tat unterm Strich eine höhere Geldstrafe fällig.

Der Angeklagte zog nach dieser juristischen Lehrstunde seinen Einspruch zurück und muss nun 1.200 Euro Geldstrafe abstottern.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

Sport
Louise Cronstedt (Mitte) fest im Griff von Maxi Mühlner
18 Bilder

Erster Saisonsieg der Handball-Luchse

HANDBALL: Aufsteiger gewinnt 24:20 gegen Bad Wildungen (cc). Der erste Sieg ist perfekt! Aufsteiger Handball-Luchse (HL) Buchholz 08-Rosengarten hat am dritten Spieltag der 1. Bundesliga der Frauen mit 24:20 (Halbzeit 10:12) gegen die HSG Bad Wildungen Vipers durch eine starke Teamleistung seinen ersten Saisonsieg eingefahren. Auf beiden Seiten konnten sich auch die Torhüterinnen durch starke Leistungen auszeichnen: Mareike Vogel bei den Luchsen, und Manuela Brütsch bei den Vipers....

Wirtschaft
Der Wasserinjektionsbagger "Njörd" kommt derzeit zur 
Schlickbeseitigung zum Einsatz
5 Bilder

Schlickbeseitigung an der Estemündung löst Massensterben aus
Fische verenden in der Este

sla. Estebrügge. Noch immer herrscht an der Este extrem übler Fischgeruch, das Wasser ist trüb und am Ufer wurden etliche tote Fische angeschwemmt, schildert Jacob Beßmann von der Feuerwehr Estebrügge und Vorsitzender des Fischereivereins Lühe-Este die aktuelle Situation an der Este. Am vergangenen Mittwoch wurden hunderte von toten Fischen zwischen Buxtehude und Cranz bemerkt. Este-Anlieger hatten daraufhin die Feuerwehr und Angler des Fischereivereins Lühe-Este informiert, die feststellten,...

Blaulicht
Machen auf den "Holländischen Griff" aufmerksam: Dirk Poppinga (li.) und Peter Eckhoff
2 Bilder

Rücksicht mit Rückblick
Der "Holländische Griff" rettet Leben: Präventionsaktion von Polizei und Verein Buchholz fährt Rad

sv. Buchholz. In den letzten Jahren hat der Trend, in urbanen Gegenden mit dem Fahrrad zu fahren, merklich zugenommen. Mehr Radfahrer auf den Straßen bedeuten aber auch ein höheres Unfallrisiko. Der Verkehrsraum werde für Fahrradfahrer zwar weiterentwickelt, doch die Sicherheit der Radler sei damit nicht immer gewährleistet, betonen Peter Eckhoff, Vorsitzender des Vereins Buchholz fährt Rad, und Dirk Poppinga, Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Harburg. Um das zu ändern und gerade...

Blaulicht

Prozess vor dem Amtsgericht Buxtehude
Versuchter Missbrauch und Kinderpornos: 1.500 Euro Strafe

tk. Buxtehude. Wenn der Richter eindringlich nachfragt, ob der Angeklagte viel mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, etwa als Jugendtrainer, und die Anklage auf den Besitz von Kinder- und Jugendpornographie lautet, dann sollte der Mann auf der Anklagebank ahnen, dass eine Geldstrafe noch ein relativ milder Schlussstrich unter einem Verfahren ist. In Buxtehude wurde ein 56-Jähriger wegen Besitzes dieser Pornos zu 60 Tagessätzen zu je 25 Euro verurteilt.   Bei dem Buxtehuder, der ohne...

Panorama
Christian Druse zeigt das Schild, mit dem er auf die Maskenpflicht aufmerksam macht

Anzeige gegen Einzelhändler: Maskengegnerin beschäftigt die Justiz

os. Buchholz. Als die Polizei jüngst bei ihm im Geschäft in Buchholz stand und ihm eröffnete, dass gegen ihn eine Anzeige wegen Nötigung vorliegt, überlegte Christian Druse (Druse Sicherheitstechnik), ob er jemanden mit seinem Auto bedrängt hatte, ohne es zu merken. Doch weit gefehlt: Angezeigt wurde der Einzelhändler von einer Seniorin, nachdem Druse sie aus seinem Geschäft geworfen hatte. Zuvor habe er die Kundin gebeten, eine Maske anzulegen oder ihm das Attest zu zeigen, das sie angeblich...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen