Hätte er doch nur einen Anwalt genommen
Fahren ohne Führerschein: Stader Gericht erteilte dem Angeklagten juristische Lehrstunde

Wer ohne Führerschein fährt und von der Polizei erwischt wird, muss mit einer empfindlichen Strafe rechnen
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Der 48-Jährige war zweimal erwischt worden, als er mit seinem Mercedes ohne Führerschein unterwegs war. Das eine Mal war er auf der B73 in Grefenmoor geblitzt worden, vier Monate später erwischte ihn die Polizei in der Stader Hansestraße. Die Fahrerlaubnis war ihm bereits zuvor nach einer Trunkenheitsfahrt in Süddeutschland für neun Monate entzogen worden.

"Ich möchte ein Geständnis ablegen", erklärte der Mann über seinen Dolmetscher. Er sei extra aus Polen gekommen, um vor Gericht um "eine milde Strafe zu bitten". Statt dieses unterwürfigen Verhaltens wäre eine Vertretung durch einen Rechtsanwalt angebrachter gewesen. Ein juristischer Beistand hätte dem Alkohol- und Führerscheinsünder vielleicht auch dazu geraten, von einem Einspruch abzusehen. Diesen Rat bekam der Angeklagte nun von der Amtsrichterin erteilt: "Ich möchte Ihnen ans Herz legen, den Einspruch zurückzuziehen. Denn ich denke nicht, dass Sie sonst günstiger aus dieser Sache herauskommen." Der Gang vor das Gericht hätte in diesem Falle nämlich nach hinten losgehen können. Der Pole wäre am Ende wohl zu einer höheren Geldstrafe als im Strafbefehl (120 Tagessätze à 10 Euro) verdonnert worden.

Was dem Angeklagten offenbar nicht klar war: Wer gegen einen Strafbefehl angehen will, muss in Betracht ziehen, dass das Gericht eine höhere Strafe verhängen kann. In diesem Fall wäre das höchstwahrscheinlich so gewesen. Vor Gericht hatte der Angeklagte zwar geltend gemacht, dass er von dem Führerscheinentzug zunächst nichts gewusst habe und in Unkenntnis über das Fahrverbot mit seinem Wagen gefahren sei, als er geblitzt wurde.

Doch beim zweiten Mal habe er sich bewusst ins Auto gesetzt, so der Pole. Damit hat er zugegeben, vorsätzlich gehandelt zu haben. In diesem Fall müsse das Strafmaß höher angesetzt werden, so die Richterin in Richtung Angeklagten: "Ich sage Ihnen das hier ganz deutlich, weil Sie ja keinen Verteidiger haben." Selbst wenn der erste Vorwurf fallengelassen würde, wäre wegen der zweiten Tat unterm Strich eine höhere Geldstrafe fällig.

Der Angeklagte zog nach dieser juristischen Lehrstunde seinen Einspruch zurück und muss nun 1.200 Euro Geldstrafe abstottern.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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