Neuer Sammlungszugang
Altländer Möbelensemble für die Museen Stade
- Das Altländer Möbelensemble im Esszimmer des Neubaus
- Foto: Museen Stade
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Anlässlich des Todestages seiner Frau Elisabeth Natorp hat Klaus E. Natorp den Museen Stade ein Altländer Möbelensemble als Dauerleihgabe übergeben. Die Möbel stammen aus dem Elternhaus des Stader Brennereibesitzers Christian Heinrich Hinck und tragen die Geschichte mehrerer Generationen einer Stader Familie in sich.
Außergewöhnlich sind zum einen die feinen Schnitzarbeiten von Johannes Wülper aus Hollern (Altes Land) und zum anderen die Tatsache, dass das Ensemble vollständig erhalten geblieben ist. Mit der Dauerleihgabe gelangt ein anschauliches Zeugnis der Altländer Wohnkultur und zugleich ein Stück Stader Familiengeschichte in die Sammlung der Museen Stade.
Die Herkunft des Mobiliars reicht zurück in die Stader Industriegeschichte: Im Jahr 1890 wurde die Bierbrauerei „Bergschlösschen AG" gegründet, und die Produktion von Stader Bier begann. 1921 wurde der Betrieb von der Hamburger „Bavaria-Brauerei" übernommen, die die Produktion einstellte und die Marke vom Markt nahm. Von dem einstigen Industriebetrieb erinnert heute nur noch das unter Denkmalschutz stehende Pförtnerhaus an der Bremervörder Straße.
Hincks Tochter Emma lebte auf dem Lindenhof in Stade gegenüber der Brauerei. Im Jahr 1905 ließ sie die Schnitzarbeiten von Herrn Wülper anbringen, der dabei auch die Vornamen des Paares in zwei der Stühle einschnitzte, und brachte das gesamte Mobiliar in ihre Ehe mit Eduard Natorp ein. Nach dem Tod von Emma Natorp im Jahr 1940 heiratete Eduard Natorp Ingeborg Bätjer und im Jahr 1943 wurde ihre Tochter Elisabeth geboren. Im Mai 1945 verstarb Eduard Natorp und die Grundstücke des Lindenhofs mussten daraufhin aufgeteilt werden.
1969 heiratete Elisabeth Natorp Klaus E. Schmidt, der den Namen seiner Frau annahm, um den Familiennamen zu erhalten. Im selben Jahr wurde das durch den Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Familienhaus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, für den eigens ein zum Ensemble passendes Esszimmer entworfen wurde. Während der Bauphase 1969/70 wurden die Möbel im ausgedienten Apollo-Kino am Pferdemarkt zwischengelagert. 1971 mussten sie dort wieder ausgelagert werden und wurden andernorts untergestellt – zwei Wochen nach diesem Umzug brannte das Apollo-Kino nieder. 1975 zogen die Möbel schließlich in das neue Haus der Familie ein. Das Elternhaus und das spätere Wohnhaus der Familie standen an der Bremervörder Straße 68, die Zuwegung wurde 1975 in „Bellevue" umbenannt.
Holzschnitzer Johannes Wülper (1863–1953)
Johannes Wülper (1863–1953) war ein Holzschnitzer aus Hollern im Alten Land. Nach seiner Zeit bei der Marine absolvierte er eine Lehre bei einem Bildhauer in Wilhelmshaven und gründete anschließend eine eigene Werkstatt. Seine Schnitzbilder griffen Motive aus dem Alten und Neuen Testament, aus Märchen, Sagen und Allegorien auf und orientierten sich an Vorlagen von Albrecht Dürer, David Teniers und Julius Schnorr von Carolsfeld. Im Deutschland der Kaiserzeit waren reich verzierte, prunkvolle Möbel gefragt und Wülper erhielt Aufträge für Büffets, Anrichten, Truhen und Schränke aus dem Alten Land, Stade, Hamburg, Bremen und Berlin. Nach dem Ersten Weltkrieg gingen die Aufträge zurück, sodass Wülper sein Geschäft aufgab und eine Versicherungsagentur übernahm. Er kaufte jedoch weiterhin alte Truhen an, die er mit passenden figürlichen Schnitzereien versah – diese aufgearbeiteten Stücke fanden guten Absatz. Wülper wurde mehrfach in den Mitteilungen des Geschichts- und Heimatvereins erwähnt, unter anderem anlässlich seines 85. Geburtstags und seines Todes. Ebenso wie in dem Werk „Traditionelle Möbel des Alten Landes“ (2012) von Frank Schlichting. Über sein Handwerk sagte Wülper selbst: „Schnitzen in Holz war einst bei uns im Norden so geehrt wie Bildhauern in Marmor und Stein und Erzgießen im Süden.“
Leserreporter:Museen Stade aus Stade |
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