Anton und der "tote Winkel"

Grundschüler Anton (Foto) ist beeindruckt: Er schaut hoch oben aus dem Führerhaus eines Lkw zu seinen Klassenkameraden herunter - und stellt fest, dass er einige gar nicht sehen kann. Die befinden sich im "toten Winkel" des Rückspiegels
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  • Grundschüler Anton (Foto) ist beeindruckt: Er schaut hoch oben aus dem Führerhaus eines Lkw zu seinen Klassenkameraden herunter - und stellt fest, dass er einige gar nicht sehen kann. Die befinden sich im "toten Winkel" des Rückspiegels
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Unterricht auf dem Schulhof in Stade-Ottenbeck: Grundschüler wissen jetzt, warum Lkw-Fahrer sie manchmal nicht sehen

jd. Stade. Immer wieder kommt es beim Abbiegen von Autos zu dieser brenzligen Situation: Ein Passant wird übersehen - häufig mit schwerwiegenden Folgen. Fußgänger oder Radfahrer verunglücken, weil die Autofahrer sie nicht im Blick haben. Oftmals sind Lkw an solchen Unfällen beteiligt. Grund ist meist der "tote Winkel". Die Rundumsicht eines Truckers ist wesentlich eingeschränkter als die eines Pkw-Fahrers. Wie wenig Brummifahrer von dem sehen, was sich direkt vor dem Führerhaus und vor allem rechts daneben abspielt, bekamen jetzt Grundschüler eindrucksvoll vermittelt. Sie nahmen hoch oben auf dem "Bock" eines Lkw Platz - und staunten, dass sie ihre Mitschüler aus dieser Perspektive kaum noch sehen konnten.

"Schau mal in den Seitenspiegel und aus dem rechten Fenster. Wie viele Kinder siehst Du jetzt?", fragt Andreas Peters den Zweitklässler Anton. "Zwei, nein vier", antwortet der Schüler der Grundschule in Stade-Ottenbeck. Den gewünschten Lerneffekt hat Peters, Außenstellenleiter der Dekra in Stade, damit erreicht. Er holt Anton ans rechte Fenster des orangefarbenen Lkw, den die Firma Karl Meyer Umweltdienste für den praktischen Anschauungsunterricht auf dem Schulhof bereitgestellt hat: "Siehst Du? Da unten stehen Deine 20 Klassenkameraden. Die meisten hast Du vom Fahrersitz aus gar nicht wahrgenommen."

Diese Lektion dürfte sich mehr ins Gedächtnis der Grundschüler brennen als alle mahnenden Worte: Sie setzten sich bei der Aktion nacheinander hinters Lenkrad und betrachteten ihr Umfeld aus der Sicht eines Brummifahrers - mit der Erkenntnis, die auch Anton gewonnen hat: "Der kann uns Kinder auf der Straße ja gar nicht so gut sehen."

Gleichzeitig lernen die Grundschüler, dass es auch auf ihr Verhalten ankommt, die erkannte Gefahr zu bannen. Peters gibt Anton - so wie allen Schülern - ein paar wichtige Tipps mit auf den (Schul-)Weg: "Haltet am Zebrastreifen möglichst weit Abstand von einem Lkw - so weit, bis Ihr Blickkontakt oben zum Fahrer habt. Und weiter: Lasst abbiegende Laster lieber vorbeifahren, auch wenn die Fußgängerampel auf Grün zeigt." "Das hier ist besser als die Problematik des toten Winkels nur theoretisch im Unterricht zu behandeln", sagt auch Leherin Hannah Wolff. Im Sachunterricht gehöre Mobilität zum Lehrplan: "Da passte das Angebot der Dekra perfekt, das Thema toter Winkel hier ganz anschaulich den Kindern nahezubringen."

Peters und sein Kollege Rüdiger Haun hatten zuvor alle Rück- und Seitenspiegel am Lkw vorschriftsmäßig eingestellt. "Die Kinder wissen jetzt, wie schnell so ein kleiner Verkehrsteilnehmer aus dem Sichtfeld verschwindet, selbst wenn alle Spiegel am Lkw optimal ausgerichtet sind." Der "Aha-Effekt" wurde noch dadurch verstärkt, indem Peters und Haun die Fläche markierten, die durch den toten Winkel für den Lkw-Fahrer quasi unsichtbar wird.

Die Nachrüstung von Lkw mit technischen Abbiege-Assistenzsystemen sei die eine Sache, so Peters, das vorsichtige Verhalten der schwächeren Verkehrsteilnehmer könne aber ebenso dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden. Die Grundschüler wissen jetzt, wie gefährlich der tote Winkel für sie ist.

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