Schwere Zeiten für Sänger
Corona-Verordnung als große Herausforderung für Chöre im Landkreis Stade

Probe unter freiem Himmel: Der Chor "PopAcademy" übt mit ausreichend Abstand in Gärten oder auf Terrassen
  • Probe unter freiem Himmel: Der Chor "PopAcademy" übt mit ausreichend Abstand in Gärten oder auf Terrassen
  • Foto: PopAcademy
  • hochgeladen von Jaana Bollmann

jab. Landkreis. Geselliges Singen im Chorverbund galt während der Anfangszeit der Corona-Pandemie als gefährlich und war deshalb laut Niedersächsischer Corona-Verordnung vom 5. Mai komplett verboten. Seit dem 13. Juli erlaubt die Niedersächsische Corona-Verordnung wieder, dass die Gruppen in geschlossenen Räumen proben dürfen. Das WOCHENBLATT hat bei Chören im Landkreis Stade nachgefragt, wie sie mit der Corona-Situation umgehen.

Im Kreis-Chorverband gebe es derzeit 28 Chöre und einen Kinderchor, sagt Hans-Hermann Raap, erster Vorsitzender des Kreis-Chorverbands Stade sowie des gemischten Chors "Camerata Rossinyol" aus Ahlerstedt. Es sei eine gewisse Entfremdung innerhalb der Chöre zu spüren, denn viele hätten sich wegen Corona ein halbes Jahr nicht getroffen.

Sein Chor "Camerata Rossinyol" hat sich zuletzt im Februar bei einem Auftritt gesehen, richtige Chorproben gab es bisher keine. "Allerdings habe ich den Kontakt zu den Mitgliedern aufrechterhalten und regelmäßig E-Mails geschrieben", so Raap. Auch Einzelchorproben über das Internet kamen gut an. Dennoch fehle die Gemeinschaft und der Austausch.

Vergangenes Wochenende kamen die Mitglieder das erste Mal endlich wieder bei einem Sommerfest zusammen. "Als wir einige Lieder gesungen haben, merkte man aber schon, dass es nicht mehr so klang wie Anfang des Jahres", meint Raap.

Die Proben in der Schulaula in Ahlerstedt seien eigentlich möglich. Da der Aufwand mit den Corona-Auflagen derzeit einfach nicht geleistet werden könne, warte man bis nach den Ferien ab, wenn der Schulbetrieb wieder losgeht. Aber auch dann dauere es wohl ein halbes Jahr, bis der Chor wieder so klingt wie vorher. Von Chorproben im Freien hält Raap im Übrigen nicht so viel: "Ich muss meinen Nachbarn hören können, das ist bei den Abstandsregelungen nicht möglich." Der Stader Chor "PopAcademy" probt fleißig, seitdem es die Niedersächsische Corona-Verordnung zulässt - im Garten oder auf Terrassen der Mitglieder. In ihren Probenraum in der Waldorfschule konnten sie bisher nicht zurückkehren, vielleicht aber im September, so Chorleiterin Sam Eu Jakobs. Während ihrer Chorabstinenz übten die Sänger mit Audiodateien der Chorleiterin, aber der Klang habe sich dennoch verändert und sie drücke hier beide Augen zu, denn bei den Gartenproben könne sie daran kaum arbeiten. "Falsche Töne höre ich aber trotzdem", meint Jakobs. "Auch wenn das Niveau ein anderes ist, wir sind dennoch mit Herz dabei."

Mit anderen Chören, die sie leitet, hat Jakobs leider andere Erfahrungen gemacht. "Viele ältere Herrschaften trauen sich noch nicht, zu den Proben zu kommen." Ein Chor löste sich wegen der Corona-Pandemie sogar ganz auf. Umso froher ist Jakobs, dass sie mit der "PopAcademy" wieder durchstarten kann - soweit es die Corona-Regeln erlauben.

Autor:

Jaana Bollmann aus Stade

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