Fred Hansen ist Brückenwärter auf der Stader Schwingebrücke
Einsamer Posten hoch über dem Fluss

Mit einem Mausklick bewegt Fred Hansen mehr als 100 Tonnen an Stahl und Beton. Das Auf- und Zuklappen der Brücke steuert er über den Computer-Monitor
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jd. Stade. Es ist ein recht einsamer Job, den Fred Hansen verrichtet - obwohl täglich rund 10.000 Autos nur wenige Meter von seinem Arbeitsplatz entfernt vorbeirauschen: Der 56-Jährige ist Brückenwärter auf der Schwingebrücke bei Stade. Über die Brücke führt mit der L 111, dem sogenannten Obstmarschenweg, eine der Hauptverkehrsadern des nördlichen Landkreises. Hansens Warte hoch über Fahrbahn und Fluss, einem runden Türmchen in der Brückenmitte, ist die Schaltzentrale des Bauwerks. Dort schiebt der Brückenwärter im Wechsel mit seinem Kollegen Dienst - in zwei Schichten von 6 bis 22 Uhr.

Nein, meint Hansen, dass er jeden Tag acht Stunden dort oben allein zubringe, sei für ihn kein Problem. "Man muss eine gesunde Einstellung dazu haben und damit umgehen können." Nach 33 Jahren als Straßenwärter in einer Sechs-Mann-Kolonne sei ein wenig mehr Ruhe bei der Arbeit ganz angenehm. Hansen hatte sich vor sieben Jahren um eine Festanstellung für den Brückenwärter-Posten beworben: "Mit fast fünfzig musste ich mir Gedanken machen, ob ich mir den Knochenjob draußen auf der Straße noch länger antun will."

Das heißt aber nicht, dass Hansen an der Schwingebrücke nun die sprichwörtliche ruhige Kugel schiebt. Neben seiner Hauptaufgabe, dem Öffnen und Schließen der Brücke, gibt es für ihn noch reichlich drumherum zu erledigen. So steht ein regelmäßiger "Schmierdienst" auf dem Plan, bei dem alle für das Auf- und Abklappen der Brücke relevanten Teile gefettet werden müssen. "Das erledigen wir von Hand", sagt Hansen. Eine automatische Schmiervorrichtung sei wieder abgebaut worden, weil sie nicht funktioniert habe.
Täglich unternimmt Hansen einen Kontrollgang rund um das gesamte Brückenbauwerk, um alle Lager, Riegel, Bolzen und vor allem die Hydraulik zu inspizieren. "Wenn irgendwo etwas hakt, dann öffnet sich die Brücke nicht richtig oder wir bekommen sie nicht wieder geschlossen", sagt Hansen. "Wenn das zur morgendlichen Rushhour oder während das Feierabendverkehrs passiert, stauen sich die Autos schnell über mehrere Kilometer." Kühlen Kopf bewahren, heiße die Devise. "Es reicht, wenn sich die Autofahrer unten lautstark aufregen."

Deren Geduld halte sich ohnehin in Grenzen, so Hansen. "Dabei dauert es oft nur sieben Minuten, bis die Brücke einschließlich Öffnung und Schließung wieder befahrbar ist." In den Sommermonaten sei natürlich mehr los auf der Schwinge. "Da warten wir gern ab, bis sich ein paar Boote vor der Brücke sammeln." In diesem Fall sei die Brücke mal etwas länger hochgeklappt. Für manchen Autofahrer offenbar zu lange. "Die Leute kriechen unter der geschlossenen Schranke durch und kommen die Wendeltreppe zu mir hoch, um zu fragen, wann die Brücke wieder unten ist."

Laut Hansen hat der Bootsverkehr grundsätzlich Vorrang. Das gelte erst recht für gewerbliche Schiffe, die beispielsweise den Heizölhändler im Stader Stadthafen beliefern, aber auch für die Greundiek oder größere Segelboote, die nicht länger in der Schwinge liegen können, um auf die Öffnung der Brücke zu warten. "Der Fluss war nun mal zuerst da und hat Vorrang vor dem Verkehrsfluss."

Das bedeutet für Hansen und seine Kollegen aber auch, öfter mal außerhalb der regulären Dienstzeit zur Brücke zu fahren, um sie für eine Schiffspassage zu öffnen. "Ich war auch schon nachts um drei hier draußen." Jahreszeitlich bedingt geht es jetzt allerdings deutlich ruhiger zu. In den vergangen Wochen stand an manchen Tagen nur eine einzige Brückenöffnung an.

In der Hochsaison sei das anders, meint Hansen: "Da gab es schon Sonntage, an denen die Brücke 30-mal hochklappte, damit die Freizeitskipper rein in den Stader Hafen oder raus auf die Elbe können." In manchen Jahren kommen er und seine Kollegen auf rund 2.500 Brückenöffnungen. Im vergangenen Jahr waren es nur 1.700 Öffnungen - wahrscheinlich sehr zu Freude der Autofahrer.

Steuerung erfolgt per Computer

Wer denkt, dass für die Öffnung der Schwingebrücke irgendwelche Hebel gezogen oder Knöpfe gedrückt werden müssen, liegt falsch: Brückenwärter Fred Hansen steuert die Brücke per Computer. "Das funktioniert mit einer speziellen Software einfach per Mausklick", so Hansen. Auf dem Monitor bekommt er angezeigt, wie das Programm die einzelnen Routinen vom Schalten der Ampel auf Rot bis zum Öffnen der Schranken nach dem Herunterklappen der Brücke abarbeitet.

Aufgrund ihrer Bauweise sei es rein theoretisch möglich, die entriegelte Brücke mit der Hand zu öffnen, so Hansen. Die Schwinge-Brücke sei als Waagbalken-Klappbrücke konstruiert: Der bewegliche Brückenteil und die sogenannten Kontergewichte im oberen Brückenbereich hätten jeweils das gleiche Gewicht von deutlich mehr als 100 Tonnen und hielten sich so die Waage, so Hansen. "Die Brücke wird lediglich durch die Hydraulik mit Hilfe von etwas Öl und Druck auf und ab bewegt."

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