Rückmeldungen auf WOCHENBLATT-Artikel
Plätze beim Kinderarzt sind doch Mangelware

Wer einen Platz beim Kinderarzt findet, hat gut lachen. Viele Eltern haben es aber schwer einen Mediziner für ihren Nachwuchs zu finden
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jab. Landkreis. Werdende Eltern kümmern sich frühzeitig um die Betreuung einer Hebamme, da hier die Plätze rar sind. Inzwischen ist es auch bei den Kinderärzten so eng, dass Eltern, kaum hat der liebe Nachwuchs das Licht der Welt erblickt, den Hörer in die Hand nehmen müssen. Denn einen Arzt zu finden, der einen sofort aufnimmt und das am besten im Heimatort, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Das zeigen die zahlreichen Zuschriften und Anrufe, die das WOCHENBLATT erreichten, nachdem es den Aufnahmestopp bei Kinderärzten thematisierte.

Grund waren Berichte über Aufnahmestopps bei lokalen Kinderärzten. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) antwortete darauf mit einem Nein, wenn sich auch die Versorgung an der Grenze zur Unterversorgung befinde. Das sagen zumindest die nackten Zahlen der KV. Andere Erfahrungen haben dagegen Eltern gemacht, die sich bei der WOCHENBLATT-Redaktion gemeldet haben.

Angeblicher Aufnahmestopp bei Kinderärzten im Landkreis Stade

"Ich finde es toll, dass sich endlich mal jemand dieses Themas annimmt", schreibt Maike Huster aus Buxtehude. Denn auch sie wurde in den Kinderarztpraxen abgewiesen. Als ihr Kinderarzt vergangenes Jahr verstarb, musste sie sich für die U-Untersuchungen ihres Sohnes einen neuen Arzt suchen. In den Praxen in Buxtehude gab es immer die gleichen Aussagen: "Wir nehmen keine neuen Patienten auf!" Sie sollte sich doch in umliegenden Ortschaften erkundigen. Ohne Auto mit zwei Kindern ein Problem.

Die Aussagen von Dr. Brune (Vorsitzender des Bezirksausschusses der KV, Anm. d. Red.) kann sie daher überhaupt nicht nachvollziehen. "Wenn es doch angeblich genug Kinderärzte gibt, warum werden keine neuen Kinder aufgenommen?" Eine befreundete Familie sei den Weg über die Kassenärztliche Vereinigung gegangen und habe einen Kinderarzt bekommen. Bei Huster selbst habe es über „Vitamin B“ geklappt. "Ich mag mir gar nicht ausdenken, wenn erst das Buxtehuder Wohngebiet Giselbertstraße mit ca. 400 neuen Wohneinheiten fertiggestellt ist. Wo gehen die denn alle zum Arzt?" Schließlich sei bei vielen Hausärzten ebenfalls Aufnahmestopp.

Wer einen Kinderarzt möchte, der muss Zeit mitbringen und Hartnäckigkeit. Das weiß Iris Freyer. Sie führt eine Hebammenpraxis in Jork. Hier wird sie immer wieder mit dem Thema schlechte Kinderarztversorgung konfrontiert. "Ich kenne das Problem seit zehn Jahren und es hat sich immer weiter zugespitzt", erzählt sie. Nach der Geburt hätten alle Schwierigkeiten, einen Kinderarzt zu finden. Wenn bereits ein Geschwisterkind vorhanden ist, geht es meist einfacher.

Carmen Flaig aus Jork hatte, wie viele andere auch, Probleme, einen Kinderarzt für ihren drei Monate alten Sohn zu finden. "Es geht nicht danach, was für das Kind am besten ist, sondern dass Eltern überhaupt irgendeinen Arzt finden", sagt sie. Ihrem Sohn wurde Osteopathie empfohlen, doch der Arzt, bei dem sie untergekommen ist, unterstützt dies nicht. Doch eine andere Wahl hatte sie bisher nicht und war nur froh, überhaupt in einer Praxis angenommen zu werden. Allerdings wird Flaig weitersuchen. Und dafür ist sie auch bereit, weitere Wege in Kauf zu nehmen, schließlich geht es um das Wohl ihres Kindes.

Andrea Wolf aus Buxtehude nahm im August 2017 ein damals eineinhalb Jahre altes Mädchen als Pflegetochter auf. "Ich habe kein Auto und klapperte jeden Kinderarzt in meiner Nähe ab", sagt sie. Schließlich könne sie nicht mit einem kranken Kind mit dem Bus fahren. "Alle Ärzte sagten, sie würden nur noch Kinder aufnehmen, die schon im Buxtehuder Krankenhaus ab Geburt behandelt wurden - das geht schlecht bei Pflegekindern oder zugezogenen Familien." Sie bekam die Empfehlung, zu den normalen Hausarztpraxen zu gehen. Nur ein Kinderarzt hatte schließlich Mitleid, da noch Impfungen ausstanden. Ihr "Glück": Nach der Impfung wurde das Mädchen krank und der Arzt nahm sie ganz auf.
Schon damals habe Wolf ihre Erfahrung gemeldet und es sollte untersucht werden. "Davon habe ich nie wieder gehört."

Eine Mutter aus dem Landkreis Stade, die anonym bleiben möchte, telefonierte auf der Suche nach einem Kinderarzt für ihren vier Monate alten Sohn auch den Landkreis Harburg ab. Hier wurde sie abgelehnt, da aus dem Landkreis Stade niemand angenommen wird. In Buxtehude hagelte es ebenfalls Absagen. Bei einer anderen Praxis wurde sie - nach einer Beratung unter den Mitarbeitern - endlich aufgenommen. Doch die Arztsuche habe kein positives Gefühl hinterlassen.

Die Mitarbeiter der AWO-Migrationsberatung in Buxtehude können ebenfalls ein Lied davon singen, wie schwierig es ist, für die Kinder der betreuten Familien einen Arzt zu finden. "Regelmäßig telefonieren wir die Praxen ab. Anfang des Jahres konnten wir noch eine Familie bei einem Buxtehuder Kinderarzt unterbringen, dann noch einen Notfall. Seither erhielten wir von allen drei Buxtehuder Praxen nur noch die Information, es würden keine neuen Patienten mehr aufgenommen, maximal Geschwisterkinder", sagt Cornelia Meyer von der Beratungsstelle. In Stade und Harsefeld gab es die gleichen Informationen. Außerhalb des Landkreises erhielten die Mitarbeiter in Neu Wulmstorf, Neugraben und Heimfeld die Auskunft, es würden nur Patienten aus ihrem Einzugsbereich aufgenommen.

Bei der Terminservicestelle der Krankenkassen erhielten sie für mehrere Familien Termine in Buchholz. "Die Familien waren neu in Deutschland, der deutschen Sprache nicht mächtig und nicht vertraut mit dem Nahverkehrssystem", sagt Meyer. Für diese Familien sei die Fahrt mit der Bahn von Buxtehude nach Buchholz schwer realisierbar. "Wir sehen dringenden Handlungsbedarf!"

Städte- und Gemeindebund sieht hausärztliche Versorgung in Gefahr
Wer einen Platz beim Kinderarzt findet, hat gut lachen. Viele Eltern haben es aber schwer einen Mediziner für ihren Nachwuchs zu finden
Für ihren Sohn wird Carmen Flaig weite Wege auf sich nehmen müssen, um einen passenden Kinderarzt zu finden
Autor:

Jaana Bollmann aus Stade

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