Prostitution versus Menschenwürde
Spannender Vortrag in Stade mit Juristin Sinur Aziz

Sinur Aziz, Juristin für internationales Recht und Rechtsvergleichung und Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Jork | Foto:  Sigrid Richter / SPD Frauen
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Eine Veranstaltung der SPD-Frauen und Evangelischen Frauen Stade widmete sich der Frage, wie Prostitution im Lichte des Grundgesetzes und internationaler Menschenrechte bewertet werden kann. Referentin war die Juristin Sinur Aziz, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Jork, die unter anderem auch Lauf-Team „Donnerstags in Schwarz“ initiert hat, um beim Altländer Butterkuchenlauf ein sichtbares Zeichen gegen sexualisierte Gewalt zu setzen. 

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Rund 50 interessierte Gäste, darunter Vertreterinnen und Vertreter von Amnesty International, Terre des Femmes, pro familia sowie eine Schülergruppe des Vincent-Lübeck-Gymnasiums, kamen zu einer besonderen Diskussionsveranstaltung ins Pastor-Behrens-Haus in Stade. Eingeladen hatten die SPD FRAUEN im Landkreis Stade gemeinsam mit den Evangelischen Frauen. Thema des Abends: „Sexualisierte Gewalt mit Blick auf die Prostitution – eine Einordnung im Rahmen unserer Werteordnung“.

Grundgesetz und Menschenrechte als Bewertungsmaßstab

Referentin des Abends war Sinur Aziz, Juristin für internationales Recht und Rechtsvergleichung. Ihre zentrale These: Prostitution widerspricht der Menschenwürde und ist deshalb nicht mit Artikel 1 des Grundgesetzes vereinbar.
Aziz betonte, dass Prostitution keine gewöhnliche Erwerbstätigkeit sei – sie überschreite die Grenze zur Intimsphäre und könne schwerwiegende psychische Folgen nach sich ziehen, insbesondere für Frauen, die die Mehrheit der Betroffenen ausmachen. "Dabei ist es egal, ob die Frauen freiwillig oder unfreiwillig als Prostituierte tätig sind", erklärt Sinur Aziz auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Es werde ein Vertrag geschlossen, nach dem jemand, der dafür bezahlt, das Verfügungsrecht über die Intimsphäre des Vertragspartners erhält. "Intimsphäre ist keine Ware und kein Vertragsgegenstand. Das ist mit dem Grundgesetz nicht vereinbar, nach dem die Würde des Menschen unantastbar ist", sagt Sinur Aziz. Die Verletzung der Intimsphäre mache immer krank, ist Sinur Aziz überzeugt. "Es gibt zwar durchaus Frauen, die das verdrängen können, aber das kann und darf der Staat nicht wollen."

Zwischen Nordischem Modell und Legalisierung: ein unlösbares Dilemma?

Die Diskussion drehte sich auch um die beiden dominanten politischen Positionen: das sogenannte „Nordische Modell“, das die Inanspruchnahme von sexuellen Dienstleistungen unter Strafe stellt, und die Gegenposition, die Sexarbeit als reguläre Dienstleistung betrachtet. Beide Extreme seien laut Aziz jedoch ungeeignet, das gesellschaftliche Problem zu lösen. Ein Verbot treibe die Prostitution in die Illegalität und vergrößere das kriminelle Dunkelfeld – eine Legalisierung hingegen mindere nicht den Verstoß gegen die Menschenwürde.

Plädoyer für einen neuen gesetzlichen Rahmen

Aziz zog einen Vergleich zur Alkoholprohibition der 1920er Jahre in den USA und sprach vom „Paradoxon der Prohibition“: Verbote könnten gesellschaftlich unerwünschte Phänomene nicht verhindern, sondern nur regulieren. Daher forderte sie ein neues, effektives gesetzliches Regelwerk, das den Schutz der Prostituierten in den Mittelpunkt stellt. Eine bloße Polarisierung zwischen Verbot und Legalisierung sei wenig zielführend.

Fazit: Menschenwürde steht über allem

Am Ende der Veranstaltung stand ein klares Fazit: Die Politik ist gefragt, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die auf den Schutz der Menschenwürde ausgerichtet sind und die Stimmen Betroffener einbeziehen. Nur so könne ein angemessener gesellschaftlicher Umgang mit dem komplexen Thema Prostitution gelingen.

Spannender Vortrag in Stade mit Juristin Sinur Aziz
Redakteur:

Nicola Dultz aus Buxtehude

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