Aktion des Landkreises Stade
„Tiefsehrohr“ zeigt, wie Kinder den Straßenverkehr wahrnehmen
- Perspektivwechsel mit dem Tiefsehrohr: Arne Kramer, Leiter des Amtes Straßenverkehr (li.), sowie der für Verkehrssicherheit zuständige Abteilungsleiter Hendrik Lunden setzen sich für mehr Verkehrssicherheit von Kindern ein
- Foto: Landkreis Stade / Nina Dede
- hochgeladen von Jörg Dammann
Für Erwachsene ist es oft nur ein kurzer Blick nach links und rechts – und schon geht es über die Straße. Für Kinder kann genau dieser Moment zur Herausforderung werden. Autos, die plötzlich auftauchen, parkende Fahrzeuge, die die Sicht versperren, und Verkehrszeichen, die wie große Hindernisse wirken. Wie sich das anfühlt, lässt sich jetzt im Landkreis Stade ganz konkret erleben – mit einem sogenannten „Tiefsehrohr“. Drei dieser besonderen Geräte hat das Amt für Straßenverkehr für Anschauungszwecke angeschafft. Sie ermöglichen Erwachsenen einen Perspektivwechsel mit einem ganz speziellen Aha-Effekt: Wer hindurchschaut, sieht die Welt so, wie Kinder sie wahrnehmen.
Die Welt aus Kinderaugen
Der Effekt ist überraschend. Die Sichtachse wandert nach unten, das Blickfeld wird eingeschränkt. Plötzlich wirkt die Umgebung enger, unübersichtlicher – und oft auch unsicherer. Die sonst für Erwachsene übersichtliche Straßenquerung ist aus Kinderperspektive plötzlich kaum zu überblicken. Parkende Autos werden zu Sichtbarrieren, die annähernde Fahrzeuge verbergen. Schilder oder Hecken versperren den Blick. Auch die Orientierung in einer Menschenmenge fällt schwerer.
„Der Perspektivwechsel ist überraschend und zugleich ein klarer Auftrag an uns“, sagt Arne Kramer, Leiter des Amtes für Straßenverkehr. Es gehe darum, die Bedingungen so zu gestalten, dass sich Kinder sicher im öffentlichen Raum bewegen können.
Warum Kinder anders sehen
Es geht aber nicht nur um die reine Körpergröße und die sprichwörtliche Augenhöhe. Studien zur Verkehrssicherheit zeigen, dass Kinder Entfernungen und Geschwindigkeiten oft schlechter einschätzen können. Gleichzeitig sind sie leichter ablenkbar und handeln spontaner. Gerade deshalb ist eine freie Sicht an Übergängen besonders wichtig – etwas, das für Erwachsene oft selbstverständlich ist, aber mit Kinderaugen betrachtet nicht gegeben ist. Das Tiefsehrohr macht genau diese Unterschiede sichtbar – auf eindrückliche Weise.
- Das große Foto zeigt die Perspektive von Erwachsenen, wenn sie den Kreisverkehr an der Grundschule Campe in Stade überqueren. Das Tiefsehrohr (kl. Foto) verdeutlicht es: Deutlich eingeschränkter ist der Blickwinkel eines Kindes,
obendrein versperrt ein Straßenschild die Sicht - Foto: Landkreis Stade/Nina Dede
- hochgeladen von Jörg Dammann
Hilfe für Planung und Praxis
Für die Verkehrsplaner des Landkreises ist das Gerät mehr als nur ein Anschauungsobjekt. Es soll helfen, problematische Stellen schneller zu erkennen und gezielt zu verbessern. „Mit dem Tiefsehrohr lassen sich herausfordernde Situationen schnell identifizieren“, erklärt der für Verkehrssicherheit zuständige Abteilungsleiter Hendrik Lunden. Daraus könnten dann Lösungen für eine kinderfreundlichere Verkehrsführung entwickelt werden.
Zum Einsatz kommen die Geräte daher nicht nur intern, sondern auch bei Kommunen, Schulen, Kitas oder Initiativen. Sie können ausgeliehen werden – etwa für Projekte zur Verkehrserziehung oder zur Analyse gefährlicher Stellen im Umfeld von Schulen.
Das Tiefsehrohr passt in eine größere Strategie: Der Landkreis Stade arbeitet daran, sich als „Kinderfreundliche Kommune“ zertifizieren zu lassen. Ein wichtiger Bestandteil dabei ist es, die Bedürfnisse von Kindern stärker in Planungsprozesse einzubeziehen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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