Für den Deichbau müssen Millionen Kubikmeter Baumaterial bewegt werden
760.000 Lkw-Ladungen Klei und Sand für höhere Elbdeiche

Dieser Schnitt durch den Elbdeich nahe der Lühemündung zeigt, wie ein Deich aufgebaut ist. Besonders wichtig ist dabei die Kleiabdeckung, die bis zu anderthalb Meter stark ist. Dieser "Deich-Baustoff" besteht aus Marschboden bzw. entwässertem Schlick. Für einen Kilometer Deich werden rund 200.000 Tonnen Klei benötigt
  • Dieser Schnitt durch den Elbdeich nahe der Lühemündung zeigt, wie ein Deich aufgebaut ist. Besonders wichtig ist dabei die Kleiabdeckung, die bis zu anderthalb Meter stark ist. Dieser "Deich-Baustoff" besteht aus Marschboden bzw. entwässertem Schlick. Für einen Kilometer Deich werden rund 200.000 Tonnen Klei benötigt
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jd. Stade. Küstenschutz zählt zu den wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahrzehnte im Landkreis Stade. Darüber hatte das WOCHENBLATT in der Ausgabe vom vergangenen Samstag berichtet. Anlass war die 3. Küstenschutzkonferenz, zu der Stades Landrat Michael Roesberg eingeladen hatte. Im zweiten Teil der dreiteiligen Mini-Serie zum Thema Küstenschutz geht es um die konkreten Deichbaumaßnahmen.

Auf der Fachtagung, die - wie berichtet - Corona-bedingt virtuell abgehalten wurde, stellten Vertreter der Deichverbände diejenigen Vorhaben im Landkreis Stade vor, die zuerst in Angriff genommen werden sollen. Es handelt sich zunächst um Abschnitte, bei denen ein erheblicher Unterbestick vorliegt.
Dieses Fachwort der Deichbauer leitet sich vom Begriff Bestickhöhe ab. Damit ist die sturmflutsichere Höhe der Deiche gemeint. Außerdem wird ein "Klimazuschlag" von einem Meter hinzugerechnet, mit dem der zu erwartende Meeresspiegel-Anstieg ausgeglichen werden soll.

Konkret geht es um folgende Deichabschnitte:

  • 2,1 Kilometer Deich zwischen der Landes-grenze zu Hamburg und dem Siel Hahnöfersand-Ost. Umsetzung der Baumaßnahme: 2023 bis 2024
  • Krautsand: 5,2 Kilometer Deich zwischen dem Sperrwerk Wischhafen und der Ortslage Krautsand. Voraussichtliche Bauzeit: 2024 bis 2028
  • Lühe-Twielenfleth: 5,8 Kilometer Deich zwischen Lühesperrwerk und Twielenfleth. Noch keine Zeitplanung für Baubeginn.
  • Balje-Hullen: Sechs Kilometer Deich, beginnend am Ostesperrwerk. Geplante Bauzeit: 2024 bis 2033

Zusammengerechnet erstrecken sich diese Bauprojekte auf eine Deichlänge von 19,1 Kilometern. Das ist gerade mal etwas mehr als ein Viertel der Hauptdeichlinie, die im Landkreis Stade an fast allen Abschnitten erhöht werden muss. Bis das alles erledigt ist, werden wohl 30 Jahre ins Land gehen.

Sturmfluten bedrohen halbe Million Menschen

Matthias Wien von der Stader Betriebsstelle des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) machte deutlich, welche Herausforderung dieses Jahrhundertprojekt Deicherhöhung darstellt. Es müssen gigantische Mengen an Deichbaumaterial - vor allem Sand und Klei - herangeschafft werden, was sowohl logistisch als auch finanziell nicht ohne Weiteres zu bewerkstelligen sein wird.

Denn je nach Deichverband liegt bei 82 bis 93 Prozent der Deichabschnitte ein Unterbestick von mehr als einem halben Meter vor, bei 20 bis 33 Prozent der Abschnitte sind die Deiche sogar mehr als einen Meter zu niedrig. Nach den NLWKN-Berechnungen werden für die geplanten Deicherhöhungen rund 2,9 Millionen Kubikmeter Sand und 3,9 Millionen Kubikmeter Klei benötigt, von Letzterem allein 70 Prozent für Nordkehdingen. Die Gesamtmenge entspricht etwa 760.000 Lkw-Ladungen.

Die reinen Baukosten an den Deichen belaufen sich auf 201 Millionen Euro, davon entfallen 125 Millionen Euro auf Kehdingen. Noch nicht darin enthalten sind die Kosten für den Grunderwerb. So müssen u.a. Flächen beiderseits der Deiche angekauft werden, denn höhere Deiche bedeutet auch breitere Deiche. Weiterer Flächenbedarf besteht in Hinblick auf die Kleigewinnung und auf Kompensationsmaßnahmen. Peter Schley vom Deichverband Kehdingen-Oste geht allein für seinen Zuständigkeitsbereich von Kosten in Höhe von 30 Millionen Euro aus.

Auf der Konferenz waren sich die Beteiligten aber einig: Dieses Geld muss aufgebracht werden, um die Sicherheit der Menschen hinter den Deichen weiter zu gewährleisten.

"Das Land muss handeln"

Kehdingen traf es besonders schwer

Bei der bisher schwersten Sturmflut aller Zeiten brachen zwischen Drochtersen und Assel gleich an zehn Stellen die Deiche, die Wellen schwappten über Krautsand hinweg und der Ortskern von Freiburg stand unter Wasser. Das war 1976.

Seitdem halten die Deiche dem "blanken Hans" stand. Doch wie lange noch? Wegen des Klimawandels nehmen Unwetter und Stürme immer mehr zu und auch der Meeresspiegel wird ansteigen. Nach Ansicht von Experten ist es nur eine Frage der Zeit, wann eine Jahrhundertsturmflut über die Elbmündung hereinbricht.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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