Landrat Roesberg richtete zweite Küstenschutz-Konferenz aus
"Das Land muss handeln"

jd. Stade. Es war die zweite Küstenschutz-Konferenz, die Stades Landrat Michael Roesberg innerhalb von nur fünf Monaten einberufen hat. Und die nächste ist bereits für das Frühjahr 2020 geplant. Dieser kurze zeitliche Turnus macht bereits deutlich, welche Bedeutung Roesberg dem Thema beimisst. Immerhin geht es um die Sicherheit von rund einer halben Million Menschen, die auf der niedersächsischen Seite der Elbe von künftigen Sturmfluten bedroht sind. Gerade an der Niederelbe, die bei extremem Hochwasser wie ein Trichter wirkt, müssen die Deiche deutlich erhöht werden.

Doch das Land zögere es immer wieder hinaus, diese Mammutaufgabe, die rund 35 Jahre in Anspruch nehmen wird, anzupacken, so Roesbergs Vorwurf. Der Landrat forderte die Verantwortlichen deshalb erneut auf, dem Schutz der Menschen hinter den Deichen endlich "finanziell und personell höchste Priorität einzuräumen".

Die auf der Konferenz vorgelegten Fakten seien alarmierend, meint Roesberg. Wie groß der Handlungsbedarf allein im Landkreis Stade ist, zeigt das Beispiel der Deichhöhen. Diese sollen im Regelfall entlang der Hauptdeichlinie an der Elbe derzeit bei acht Metern über dem mittleren Meeresspiegel, dem "Normalnull" (NN), liegen. Doch an vielen Stellen hat sich der Elbdeich aufgrund von Absackungen im Untergrund oder im Deichkörper deutlich abgesenkt.

Daher sind statt der von den Experten empfohlenen Erhöhung der Deiche um einen Meter jetzt bis zu 1,70 Meter erforderlich. Ein gewaltiger Unterschied, der sich auch bei den Kosten bemerkbar macht. Laut einer Schätzung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) müssen allein für den Deichbau im Landkreis Stade rund 220 Millionen Euro aufgewendet werden. Hinzu kommen rund 200 Millionen Euro für die Anpassung der Sperrwerke.

Die Vertreter des NLWKN hatten auf der Konferenz erstmals die sogenannten "Bestickhöhen" ermittelt, die künftig gelten sollen. Mit der Bestickhöhe ist die sturmflutsichere Höhe der Deiche gemeint, wobei zusätzlich der mögliche Wellenschlag berücksichtigt wird. Diese Höhen müssen zwingend vom Land für jeden einzelnen Deichabschnitt amtlich festgelegt werden. Solange diese Planungsgrundlage nicht vorliegt, dürfen die für den Deichbau zuständigen Deichverbände nicht mit der Erhöhung der grünen Bollwerke gegen den "Blanken Hans" beginnen.

Genau bei diesem Punkt haperte es in der Vergangenheit. Wiederholt hatte Roesberg beim Land angemahnt, konkrete Zahlen vorzulegen, damit die Deichverbände mit den vorbereitenden Planungen beginnen können. Welche Werte beim Deichbau zugrunde gelegt werden sollen, war in den Vorjahren wiederholt Gegenstand von Diskussionen. Das von Niedersachsen beauftragte Institut hatte eine andere Berechnungsgrundlage gewählt als Schleswig-Holstein und Hamburg und errechnete geringere Werte. Zusätzlich berücksichtigt werden muss ein Zuschlag von 50 Zentimetern für den prognostizierten Anstieg des Meeresspiegels aufgrund des Klimawandels.

Nimmt man die bisher höchste Sturmflut im Jahr 1976 zum Maßstab - damals lief das Wasser an den Elbdeichen im Landkreis bis auf 6,50 Meter NN auf - sind jetzt anderthalb Meter als Puffer vorhanden. Doch Experten warnen, dass es bald weitaus höhere Sturmfluten geben wird - mit Pegeln um die 7,50 Meter. Bei der jetzigen Sollhöhe von acht Metern wird es dann ziemlich eng.

Bereits im Frühjahr fand Roesberg dazu drastische Worte: "Unser Landkreis darf bei einer schweren Sturmflut nicht zum Überlaufpolder für die Unterelbe werden." Nach der zweiten Konferenz mahnt er erneut: "Landräte und Deichverbände fordern für die Deichsicherheit im Unterelberaum endlich ein strukturiertes Handeln des Landes ein. Ich verstehe nicht, warum wir das Land in dieser wichtigen Frage immer wieder daran erinnern müssen."

Begonnen wird in Hinterbrack

Mit bis zu fünf Millionen Euro pro Kilometer veranschlagen die Deichverbände mittlerweile die Kosten für die Erhöhung der Elbdeiche. Mit ihrer Einschätzung liegen die Fachleute vor Ort etwa doppelt so hoch wie die Behörden in Hannover. Auch wenn es deutlich teurer als erwartet wird: Die Deicherhöhung muss endlich in Angriff genommen werden.
Dass solch eine gewaltige Maßnahme nur etappenweise abgearbeitet werden kann, steht außer Frage. Ein erster Schritt ist aber getan. Die Planungen des Deichverbandes der II. Meile Alten Landes für die Deicherhöhung in Jork-Hinterbrack laufen auf Hochtouren. Der Baubeginn ist für 2022 angepeilt.
Der Verband ist zuständig für rund elf Kilometer Elbdeich zwischen der hamburgischen Landesgrenze bei Cranz und der Lühemündung. Da die Hamburger in Cranz mit der Erhöhung beginnen, will man nebenan zeitgleich starten. Dieser erste Abschnitt geht bis östlich von Hahnöfersand. Danach folgen zwei weiteren Abschnitte - einmal im Bereich Neuenschleuse und dann rund um Hahnöfersand. Oberdeichrichter Wilhelm Ulferts geht von einer Gesamtbauzeit von 25 Jahren aus. Die künftige Deichhöhe soll zwischen 9,30 und 9,70 Meter liegen.

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