Deichbau-Experte sieht vorerst keine Notwendigkeit
Elbsperrwerk wird kritisch gesehen

Die Fotomontage zeigt die Elbe in Höhe der Ostemündung (links im Bild) mit Blick Richtung Nordsee. An dieser rund sechs Kilometer breiten Stelle könnte ein Sperrwerk errichtet werden. Bei Cuxhaven hat die Elbe immerhin eine Breite von 15 Kilometern  Foto: Martin Elsen/Montage: jd
  • Die Fotomontage zeigt die Elbe in Höhe der Ostemündung (links im Bild) mit Blick Richtung Nordsee. An dieser rund sechs Kilometer breiten Stelle könnte ein Sperrwerk errichtet werden. Bei Cuxhaven hat die Elbe immerhin eine Breite von 15 Kilometern Foto: Martin Elsen/Montage: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

(jd). Ein gigantisches Bollwerk, dass die Elbmündung bei Sturmfluten abriegelt und so vor allem Hamburg, aber auch weite Teile des Landkreises Stade vor Hochwasser schützt: Diese Idee aus der Hansestadt hat kürzlich Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) aufgegriffen (das WOCHENBLATT berichtete). Angesichts steigender Meeresspiegel als Folge des Klimawandels müsse auch über "bisher undenkbare Szenarien" wie den Bau eines Mega-Sperrwerks nachgedacht werden, so Lies. Mit dieser kühnen Zukunftsvision zum Küstenschutz hat sich der SPD-Politiker jetzt Kritik der Umweltschützer eingehandelt. Und auch ein ausgewiesener Fachmann in Sachen Sturmflutschutz, der Altländer Oberdeichrichter Wilhelm Ulferts, ist von einem solchen Projekt nicht überzeugt.

"Dieser Vorschlag ist an Absurdität kaum zu überbieten", befindet Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Naturschutzverbandes NABU. Ein Sperrwerk sei eine Lösung von vorgestern und aus ökologischer Sicht abzulehnen. Miller verweist auf die Niederlande, wo nach der dortigen Flutkatastrophe von 1953 im Mündungsdelta von Schelde, Maas und Rhein die sogenannten "Deltawerke" als Flutbarrieren errichtet wurden. Dadurch seien einzigartige Lebensräume vernichtet worden. Die Niederländer haben aus ökologischer Sicht einen hohen Preis zahlen müssen. Das dürfe sich an der Elbe nicht wiederholen, so Miller.

Der NABU wiederholt eine altbekannte Forderung: Die Elbdeiche müssen weiter zurück ins Land verlegt werden, um so Überflutungsflächen bei Hochwasser zu schaffen. Damit ließe sich nicht nur die Hochwassersituation entspannen, sondern es würde sich auch der ökologische Zustand der Elbe verbessern. Bereits die jetzt laufende Elbvertiefung würde dem sensiblen Ökosystem Elbe einen großen Schaden zufügen, meint Miller: "Der Bau eines Sperrwerks würde das größte noch existierende Wattenmeer-Ästuar dann endgültig zerstören."
Aus rein fachlicher Sicht hat sich Oberdeichrichter Ulferts mit dem Thema auseinandergesetzt. Die vom NABU geforderte Rückverlegung der Deiche hält der Deichbau-Experte für illusorisch. "Wo soll der Elbdeich denn verlaufen? Vor den Toren Buxtehudes?" Das seien alles alte Parolen, die keinen Bezug zur Realität haben.

Ob der Bau eines Sperrwerks überhaupt realistisch ist, bezweifelt Ulferts ohnehin - zumindest kurz- oder mittelfristig. Vielleicht könne das langfristig eine Option sein, aber dann gehe es um das nächste Jahrhundert. "Bis zum Jahr 2100 werden wir künftige Sturmfluten durch die Erhöhung der Deich in den Griff bekommen", erklärt Ulferts. Dabei legt er Daten zugrunde, die Experten von der Forschungsstelle Norderney berechnet haben. Eine Erhöhung der Deiche um bis zu 1,70 Meter werde ausreichen, gegebenenfalls mit ein paar Zentimetern Zuschlag für einen höheren Wellenauflauf als Folge der Elbvertiefung.

Die Planungen für die neuen Elbdeiche laufen bereits. "Wir bauen einen Deich, der auf die Zukunft ausgelegt ist", verspricht Ulferts. "Die Deichbasis wird so hoch gesetzt, dass unsere Enkelkinder auf diesen neuen Deich noch mal locker einen Meter draufpacken können."

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