Kommentar zur Massenschlägerei in Stade
Gewalt im Altländer Viertel: Nicht nur die Polizei, auch die Politik ist jetzt gefordert
- Stades Politik muss jetzt handeln: Die Gewalt im Altländer Viertel muss eingedämmt werden
- Foto: jd/KI
- hochgeladen von Jörg Dammann
KOMMENTAR von WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Jörg Dammann zu den jüngsten Vorfällen in Stades Altländer Viertel:
Was am Donnerstagabend im Altländer Viertel geschah, ist ein Alarmsignal. Erst Streit, dann Schlägereien, schließlich rund 150 Menschen auf der Straße, vier Verletzte, Ermittlungen wegen Raubes, Körperverletzung und Landfriedensbruchs. Szenen, die man früher vor allem aus den Problemvierteln großer Städte wie Hamburg kannte. Heute spielen sie sich im kleinen Stade ab.
Das Altländer Viertel gilt seit Jahren als sozialer Brennpunkt der Hansestadt. Das Quartier ist geprägt von einer hohen Bevölkerungsdichte, sozialen Herausforderungen und einem hohen Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte. Die überwältigende Mehrheit der Bewohner lebt friedlich und hat mit den Gewalttaten nichts zu tun. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass das Viertel immer wieder Schauplatz größerer Polizeieinsätze ist.
Ihre Meinung ist gefragt!
Liebe WOCHENBLATT-Leserinnen und -Leser,
wie stehen Sie zum Thema Sicherheit in Stade – allgemein und speziell zur Situation im Altländer Viertel? Welche Maßnahmen erwarten Sie vom künftigen Bürgermeister, damit sich die Menschen in allen Stadtteilen sicher fühlen können?
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jd@kreiszeitung.net
Erinnerungen an die Silvesternacht
Erinnerungen werden insbesondere an die Silvesternacht 2023/24 wach. Damals wurden Feuerwehrleute und Polizeibeamte im Altländer Viertel mit Feuerwerkskörpern angegriffen, ein Polizist verletzt und zwei Feuerwehrfahrzeuge beschädigt. Landrat Kai Seefried sprach anschließend von „erschreckenden und beschämenden“ Angriffen und machte deutlich, dass es im Altländer Viertel bereits in den Jahren zuvor wiederholt Übergriffe auf Einsatzkräfte gegeben habe. Auch aus der Stader Politik hieß es, in der Hansestadt dürfe es keine rechtsfreien Räume geben.
Der aktuelle Vorfall zeigt eine besorgniserregende Entwicklung und macht deutlich, dass sich trotz aller Appelle nichts getan hat. Wenn sich innerhalb weniger Minuten aus einem Streit eine Massenschlägerei entwickelt, an deren Umfeld sich rund 150 Menschen versammeln, ist das längst nicht mehr nur ein Fall für die Polizei. Es ist eine gesellschaftliche Herausforderung.
Sicherheit zentrales Thema im Wahlkampf
Spätestens mit diesem Vorfall dürfte das Thema Sicherheit zwangsläufig in den Mittelpunkt des bevorstehenden Bürgermeisterwahlkampfes rücken. Die Bürger werden Antworten erwarten: Wie kann verhindert werden, dass sich derartige Eskalationen wiederholen? Reichen Polizei und Ordnungsdienst aus? Wie können Präventionsangebote geschaffen werden, die die betreffende Klientel tatsächlich erreichen? Und wo müssen Sanktionen konsequenter durchgesetzt werden?
Rechtsstaat muss konsequent vorgehen
Wer diese Fragen tabuisiert oder kleinredet, macht einen Fehler. Genauso falsch wäre es allerdings, ein gesamtes Viertel oder seine Bewohner unter Generalverdacht zu stellen. Beides hilft nicht weiter. Die Menschen in Stade haben einen berechtigten Anspruch darauf, dass sie sich in jedem Stadtteil sicher fühlen können. Das gelingt nur, wenn der Rechtsstaat konsequent gegen Gewalttäter vorgeht und gleichzeitig soziale Probleme angegangen werden. Sicherheit und Prävention sind keine Gegensätze – sie ergänzen sich.
Fest steht: Bilder von Massenschlägereien mit Hunderten Beteiligten dürfen in einer Stadt wie Stade nicht zur Normalität werden. Politik, Verwaltung, Polizei und Zivilgesellschaft stehen gemeinsam in der Verantwortung, diese Entwicklung zu stoppen. Denn wo der Eindruck entsteht, der Staat verliere die Kontrolle über den öffentlichen Raum, schwindet das Vertrauen in die demokratischen Institutionen. Davon profitieren erfahrungsgemäß vor allem die politischen Kräfte am äußersten rechten Rand. Es wäre fatal, wenn unsere Demokratie in die Fänge der Rechtspopulisten gerät, denen nichts Besseres einfällt, als mit Schlagworten wie "Remigration" herumzutönen.
Jörg Dammann
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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