Bagger können loslegen
Stader Surfpark: Oberverwaltungsgericht hebt Baustopp auf

Der Surfpark Stade kann realisiert werden. Der gerichtliche Baustopp wurde jetzt aufgehoben | Foto: Pixelstudio Hamburg
  • Der Surfpark Stade kann realisiert werden. Der gerichtliche Baustopp wurde jetzt aufgehoben
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Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg hat den vorläufigen Baustopp für den Stader Surfpark aufgehoben. Seitens der Stadt und der Wirtschaft wird die Entscheidung begrüßt. Die IHK Elbe-Weser spricht von einem wichtigen Signal für die Region.

Jetzt kann die perfekte Welle für Stade doch noch Wirklichkeit werden: Für den seit Jahren geplanten Surfpark am südlichen Stadtrand wurde eine entscheidende juristische Hürde genommen. Das OVG Lüneburg hat den vom Umweltverband BUND erwirkten vorläufigen Baustopp aufgehoben. Damit ist die Baugenehmigung für das Kernstück der Anlage wieder vollziehbar. Die Investoren können ihre Baupläne nun umsetzen. Für das ehrgeizige Freizeitprojekt ist das ein wichtiger Durchbruch. Seit 2018 verfolgen die Brüder Jan und Dirk Podbielski aus dem Alten Land die Idee, vor den Toren der Hansestadt einen Surfpark mit künstlich erzeugten Wellen zu errichten. 

Investor will gegen Baustopp für Stader Surfpark gerichtlich vorgehen

Gericht sieht Planungsfehler als behoben an
Der 1. Senat des Oberverwaltungsgerichts gab den Beschwerden der Hansestadt Stade und des Vorhabenträgers statt. Damit korrigierten die Lüneburger Richter eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Stade vom Mai dieses Jahres, das den vorläufigen Baustopp zunächst aufrechterhalten hatte. Im Mittelpunkt des Rechtsstreits stand der Bebauungsplan für das rund 17 Hektar große Areal an der Kreisstraße 30. Das OVG hatte diesen bereits im Oktober 2024 für unwirksam erklärt. Ein wesentlicher Grund: Die Fläche war nach dem Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) eigentlich für die Ansiedlung größerer Industriebetriebe vorgesehen. Ein Surfpark passte nach damaliger Auffassung des Gerichts nicht zu dieser Festlegung.

Hinzu kamen weitere Fehler in der Bauleitplanung. So war der Ausschluss von Bordellen nicht korrekt in der Planung berücksichtigt worden. Außerdem bemängelten die Richter die Abwägung der Auswirkungen auf das Landschaftsbild.

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Die Stadt besserte daraufhin nach. Der Bebauungsplan wurde überarbeitet, die Eingrünung des Geländes vervollständigt und beim Landkreis eine Abweichung von den raumordnerischen Vorgaben beantragt. Der Landkreis stimmte dieser sogenannten Zielabweichung zu. Nach Auffassung des OVG hat die Hansestadt die zuvor festgestellten Planungsfehler nun erfolgreich behoben. Auch die weiteren Einwände des BUND konnten die Richter nicht überzeugen. Dabei ging es unter anderem um den Grund- und Trinkwasserschutz, den Verlust einer Wallhecke sowie mögliche Lichtemissionen in Richtung des europäischen Schutzgebiets Feerner Moor. Das Gericht bestätigte die Einschätzung der Stadt, dass keine erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen zu erwarten seien, die eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung auslösen würden.

Stadt hofft auf zügige Umsetzung
Im Stader Rathaus wird die Entscheidung mit Erleichterung aufgenommen. „Wir hoffen, dass der Investor seine Planungen jetzt zügig fortsetzen kann und der Surfpark in Stade realisiert wird“, erklärt Stades Erster Stadtrat Lars Kolk. Die Stadt verspricht sich von der Anlage zusätzliche Impulse für den Tourismus. Neben der historischen Altstadt und den maritimen Angeboten könnte Stade künftig auch ein Anziehungspunkt für Surfer und sportbegeisterte Gäste werden. Insbesondere jüngere Zielgruppen sollen durch das neue Freizeitangebot angesprochen werden.

IHK: Wichtiges Signal für die Region
Auch bei der Industrie- und Handelskammer Elbe-Weser stößt die Entscheidung auf große Zustimmung. "Endlich Rückenwind für den Surfpark", erklärt Hauptgeschäftsführer Christoph von Speßhardt. Die Aufhebung des Baustopps sei ein wichtiges Signal für Investitionen und die Entwicklung einer modernen Freizeit- und Tourismusinfrastruktur in der Region. Den Investoren gebühre Anerkennung dafür, dass sie auch in schwierigen Phasen an ihrem Projekt festgehalten und es mit großem Engagement weiter vorangetrieben haben. "Diese Ausdauer zahlt sich nun aus. Jetzt kann Stade die Welle reiten!“ 

Stader Surfpark: Klage gegen Ausnahmegenehmigung

Vom Vorzeigeprojekt zum jahrelangen Streitfall
Mittlerweile acht Jahre ist es her, dass die beiden surfbegeisterten Brüder Jan und Dirk Podbielski ihre Surfpark-Pläne zum ersten Mal präsentiert haben. Sie wollen das Wellenreiten unabhängig von Wind, Wetter und Nordseebrandung ermöglichen. Ein künstliches Surfbecken mit moderner Wellentechnik soll sowohl Anfängern als auch erfahrenen Surfern geeignete Bedingungen bieten. Zum Konzept gehören außerdem ein Gastronomiebetrieb, eine Surfschule, Übernachtungsmöglichkeiten und weitere Freizeitangebote. Die Investitionssumme wurde ursprünglich mit rund 20 Millionen Euro beziffert.

Doch nicht alle Stader teilten die Begeisterung. Besonders die Auswirkungen auf Natur und Umwelt sorgten für Kritik. Gegner befürchteten unter anderem einen hohen Wasserverbrauch, Eingriffe in die Landschaft und Beeinträchtigungen des Naturhaushalts. Eine Bürgerinitiative formierte sich, der BUND ging juristisch gegen das Vorhaben vor. Obwohl Ende 2023 bereits erste Bagger für Erdarbeiten angerückt waren, kam das Projekt anschließend zum Stillstand. Die juristischen Auseinandersetzungen führten schließlich dazu, dass die ursprünglich vorgesehenen Eröffnungstermine immer weiter in die Ferne rückten. Nach ersten Planungen sollte bereits 2022 auf den künstlichen Wellen gesurft werden. 

Mit dem jüngsten Gerichtsbeschluss ist eine der größten Hürden nun aus dem Weg geräumt. Der Beschluss des OVG ist unanfechtbar. Allerdings können in der Hauptsache weiterhin Rechtsmittel eingelegt werden.

Baustopp beim Stader Surfpark - aber nebenan wird gebaggert

Acht Jahre Surfpark-Planung – die wichtigsten Stationen

2018 – Die Surfpark-Idee wird vorgestellt
Im Sommer 2018 berichtet das WOCHENBLATT erstmals über das Vorhaben der Brüder Jan und Dirk Podbielski. Im September stellt die Politik die Weichen für die Bauleitplanung. Als Standort ist eine Ackerfläche südlich des Stader Flugplatzes vorgesehen, die früher für eine mögliche BMW-Ansiedlung im Gespräch war.

2020 – Eröffnung für Frühjahr 2023 angekündigt
Im Juni berichtet das WOCHENBLATT über das damals mit rund 20 Millionen Euro veranschlagte Vorhaben. Als Eröffnungstermin wird Frühjahr 2023 genannt.

2021 – Aus dem Surfpark wird der „Surfgarten“
Die Projektierer stellen ihr weiterentwickeltes Konzept vor. Die Eröffnung wird auf Frühjahr 2024 verschoben.

2022 – Politische Zustimmung und wachsender Widerstand
Eine Bürgerinitiative und der BUND kritisieren das Projekt. Am 11. Juli beschließt der Stader Rat den Bebauungsplan mit zusätzlichen Auflagen. Im November sind die geforderten Grundbucheinträge erfolgt.

2023 – Baugenehmigungen und erste Bagger
Im Frühjahr gehen die Gegner gerichtlich gegen die Planung vor. Im Dezember beginnen erste vorbereitende Erdarbeiten auf dem Gelände an der K30. Inzwischen ist eine Inbetriebnahme für die Sommersaison 2025 vorgesehen.

April 2024 – Gericht verhängt Baustopp
Das Verwaltungsgericht Stade gibt einem Eilantrag des BUND statt. Die Arbeiten am Kernstück der Anlage dürfen vorerst nicht fortgesetzt werden.

Oktober 2024 – Bebauungsplan unwirksam
Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg erklärt den Bebauungsplan wegen Verstößen gegen die Raumordnung und weiterer Planungsfehler für unwirksam. Der Baustopp bleibt bestehen.

2025 – Stadt arbeitet an einer rechtlichen Lösung
Die Hansestadt versucht, die beanstandeten Planungsfehler zu beheben. Die Gegner halten an ihrer Kritik fest und lassen die rechtliche Situation zusätzlich begutachten.

Mai 2026 – Erneuter Rückschlag
Das Verwaltungsgericht Stade lehnt am 12. Mai die Aufhebung des Baustopps ab. Die Investoren kündigen an, gegen die Entscheidung vorzugehen.

7. Oktober 2026 – Baustopp aufgehoben

Das Oberverwaltungsgericht gibt den Beschwerden von Stadt und Investor statt. Die Baugenehmigung ist wieder vollziehbar. Der Bau darf beginnen.

Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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