Inbetriebnahme der "Energos Force" erst 2026
Schwimmendes LNG-Terminal in Stade: Betreiber DET übernimmt Fertigstellung

Das LNG-Spezialschiff "Energos Force" wird im kommenden Jahr im neuen Stader Energiehafen zurückerwartet. Das Foto zeigt die Ankunft des Schiffes im März 2024 | Foto: DET
  • Das LNG-Spezialschiff "Energos Force" wird im kommenden Jahr im neuen Stader Energiehafen zurückerwartet. Das Foto zeigt die Ankunft des Schiffes im März 2024
  • Foto: DET
  • hochgeladen von Jörg Dammann

Lange hieß es von öffentlicher Seite, dass das schwimmende LNG-Terminal in Stade noch zu Beginn der diesjährigen Heizperiode in Betrieb genommen werden kann. Das WOCHENBLATT zweifelte diese Aussage bereits im Sommer an. Denn zu diesem Zeitpunkt war das Spezialschiff "Energos Force" bereits in den Nahen Osten unterverchartert worden - Rückkehr ungewiss. Inzwischen laufen die Heizungen und in Sachen Terminal hat sich immer noch nichts getan. Und daran ändert sich auch erstmal nichts: Bis zum kommenden Frühjahr - wenn wieder die Heizungsanlagen abgestellt werden - wird kein einziger Kubikmeter über Stade importiertes Erdgas hierzulande in die Gasthermen geströmt sein. Die Betreibergesellschaft des schwimmenden LNG-Terminals, die bundeseigene Deutsche Energy Terminal (DET) hat jetzt erklärt: "Nach aktuellem Sachstand ist davon auszugehen, dass das Terminal nicht vor dem zweiten Quartal 2026 in Betrieb gehen wird."

Streit zwischen zwei Projektpartnern
Wenn es irgendwann zwischen April und Juni 2026 tatsächlich so weit sein dürfte, dass die "Energos Force"  verflüssigtes Erdgas wieder regasifiziert und ins deutsche Gasnetz einspeist, dann wären bereits mehr als zwei Jahre seit der ersten Ankunft des Schiffes im neuen Stader Energiehafen ins Land gegangen. Ist dieser Stillstand nicht schon schlimm genug. Das Stader LNG-Desaster wurde noch dadurch gekrönt, dass sich die zwei Projektpartner überworfen haben. Die DET und die Hanseatic Energy Hub (HEH) zerstritten sich über die Frage, wer für die Verzögerungen bei der Fertigstellung des schwimmenden Terminals verantwortlich ist. Es ging um die sogenannte Hafen-Suprastruktur. Das sind die technischen Anlagen oberhalb der Kaikante, die dem Warenumschlag dienen.

Naher Osten statt Elbe: Schwimmendes LNG-Terminal wurde nach Ägypten "untervermietet"

Bund und Land vermittelten
Für den Ausbau dieser Anlagen zeichnete sich die HEH verantwortlich. Die DET erhob den Vorwurf, dass die HEH den Auftrag nicht fristgerecht ausgeführt habe. Diese wiederum konterte, alle erforderlichen Arbeiten vorgenommen zu haben. Das Terminal sei grundsätzlich betriebsbereit. Dazu habe es eine unabhängige Prüfung und eine positive Rückmeldung der Genehmigungsbehörden gegeben. Sowohl das Bundeswirtschaftsministerium als auch das Land Niedersachsen schalteten sich vermittelnd ein. Es gab mehrere Verhandlungsrunden. 

DET übernimmt Fertigstellung
Jetzt ist offenbar eine Einigung erzielt worden: Die DET hat sich nach eigenen Angaben mit der HEH darauf verständigt, dass man nun in Eigenregie die Fertigstellung der Hafen-Suprastruktur übernehmen wird. Gemäß dieser Vereinbarung erhalte die DET den Zugang zu den Anlagen, sodass sie "umgehend deren Inspektion, Planung und Fertigstellung" vornehmen kann. Die noch offenen Arbeiten sollen Partnergesellschaften der DET ausführen. "Im Zentrum der Fertigstellung stehen internationale Sicherheitsstandards, die vollständige Pflichtdokumentation sowie die Einhaltung aller gesetzlichen und behördlichen Anforderungen", heißt es von der DET. Dies alles seinen Voraussetzungen für die Akzeptanz des schwimmenden LNG-Terminals durch den globalen Gashandel.

LNG-Frust: Wilhelmshaven weiht ein, Stade wartet weiter

Komplexe Fragestellungen
"Es war kein leichter, im Ergebnis aber zielführender Weg, dass wir als bundeseigene Gesellschaft zur Realisierung des gesamten schwimmenden LNG-Terminals Stade nunmehr die Suprastruktur fertigstellen werden und den wichtigen Beitrag des Standortes Stade für die Versorgungssicherheit sicherstellen dürfen", erklärt DET-Geschäftsführer Dr. Peter Röttgen. Man habe äußerst komplexe Fragestellungen klären müssen, um eine entsprechende Einigung zu erzielen. "Sowohl dem Bundeswirtschaftsministerium als auch dem Land Niedersachsen gilt unser Dank für die hilfreiche Begleitung der Gespräche", so Röttgen weiter. Auch bei der HEH blickt man nicht zurück im Zorn: "Das sind gute Nachrichten für Stade und die Energiesicherheit in Deutschland", erklärt eine Unternehmenssprecherin. Die DET werde nun nach der kommerziellen Einigung wie geplant die Fertigstellung des schwimmenden LNG-Terminals und der dazugehörigen Suprastruktur umsetzen.

Stader LNG-Terminal ein Jahr ohne Gas: Das Energos-Force-Fiasko

Stade begrüßt Einigung
Auch vor Ort in Stade begrüßt man die Einigung. "Als das schwimmende LNG-Terminal im März vergangenen Jahres Stade erstmals erreichte, waren wir bereits optimistisch, dass wir hier vor Ort unseren Beitrag zur Energiesicherheit Deutschlands leisten können", erklärt Stades Erster Stadtrat Lars Kolk. Seitdem habe sich die weltpolitische Lage bedauerlicherweise nicht verbessert. Umso größer sei jetzt die Hoffnung, dass tatsächlich die letzten Schritte getan werden, damit in Stade flüssiges Erdgas importiert werden kann, so Kolk: "Wir freuen uns, die 'Energos Force' möglichst bald wieder bei uns im Hafen begrüßen zu dürfen, schließlich wollen wir die Hansestadt Stade zu einer Energiedrehscheibe für Deutschland entwickeln."

Man darf nun gespannt sein, wann die "Energos Force" nach monatelanger Abwesenheit tatsächlich wieder Kurs auf Stade nimmt.

Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

Webseite von Jörg Dammann
Jörg Dammann auf Facebook
Jörg Dammann auf Instagram

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

16 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.