Das WOCHENBLATT hat im Weltladen in Buxtehude nachgefragt
Wie nachhaltig ist der "Grüne Knopf" wirklich?

Offizielles Foto der Aktion "Grüner Knopf": Arbeiterinnen in einer Textilfabrik in Äthiopien
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  • Offizielles Foto der Aktion "Grüner Knopf": Arbeiterinnen in einer Textilfabrik in Äthiopien
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tk. Landkreis. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat das neue staatliche Siegel "Grüner Knopf" vorgestellt. Der "Grüne Knopf" soll Verbrauchern garantieren, dass Textilien nach ökologischen und sozialen Mindeststandards produziert werden (siehe Infokasten). Er kann für jede Art von Textilien, von der Gardine bis zum T-Shirt, vergeben werden. Ist das ein Schritt nach vorne, um die schnelllebige Modewelt zu mehr Nachhaltigkeit zu verpflichten? Das WOCHENBLATT hat bei Anette Lüders nachgefragt. Die Buxtehuderin ist die Vorsitzende der "Eine Welt Werkstatt für Entwicklung, Frieden und Ökumene", dem Trägerverein des Weltladens in der Estestadt. Sie hat zwei Hauptkritikpunkte: Das Siegel beruhe auf Freiwilligkeit und greife nicht weit genug.

Beim "Grünen Knopf" werde nur die Verarbeitung, also Färben, Zuschnitt und Nähen, einbezogen. "Das Siegel bezieht sich nicht auf die gesamte Produktionskette", sagt Anette Lüders. Auf einer Baumwollplantage könne noch jede Menge Chemie eingesetzt werden und als Pflücker Kinder arbeiten - und dennoch bekomme das Endprodukt den "Grünen Knopf".

Der Begriff "fair" oder "Fairtrade" sei nicht geschützt. Der "Grüne Knopf" will zwar faire und ökologische Produkte zertifizieren, doch die Definition, was letztendlich fair ist, könne sehr unterschiedlich ausfallen, so Anette Lüders. Das Siegel garantiere beispielsweise Mindestlöhne. Die Weltläden fordern dagegen existenzsichernde Löhne für alle Beteiligten an der Produktionskette. "Das kann ein himmelweiter Unterschied sein", sagt Anette Lüders. In Bangladesh würden zum Beispiel die Mindestlöhne, die in Wirklichkeit ein Hungerlohn seien, nicht erhöht, weil die Auftraggeber aus den Industrienationen dann woanders - und eben billiger - produzieren lassen. "Die Karawane zieht weiter", nennt Anette Lüders diesen Automatismus. Wer ein T-Shirt mit "Grünem Knopf" kaufe, dürfe daher nicht überzeugt sein, dass die Näherin genug verdiene, um die Grundbedürfnisse von Ernährung bis Gesundheit damit zu befriedigen.
Ein weiterer Kritikpunkt der Weltläden: Das Siegel ist freiwillig. "Wir fordern schon lange, dass ein Gesetz faire, soziale und ökologische Produkte garantiert. Und zwar entlang der gesamten Liefer- und Produktionskette", betont Anette Lüders. Das sei in Großbritannien und Frankreich bereits der Fall. Nur dann werde die Verantwortung bei den Unternehmen liegen. "Jetzt tragen die Verbraucher allein die Verantwortung dafür, ob sie beim Einkauf auf bestimmte Mindeststandards achten."

So funktioniert der "Grüne Knopf": Sowohl das Unternehmen als auch die Produkte werden getestet. "Das Unternehmen muss anhand von 20 Kriterien seine menschenrechtliche, soziale und ökologische Verantwortung nachweisen", schreibt das Entwicklungshilfeministerium. "Für das jeweilige Produkt müssen 26 soziale und ökologische Kriterien eingehalten werden - von A wie Abwassergrenzwerte bis Z wie Zwangsarbeitsverbot".

Der TÜV kontrolliert, ob die vorgegebenen Merkmale eingehalten werden. Befürworter des Siegels sehen den eigentlichen Wert in der Unternehmensprüfung: Die Firmen müssen arbeits- und menschenrechtsrelevante Risiken in ihrer Produktionskette benennen. Aber: Bislang gilt das Siegel nur für Färben und Bleichen sowie Zuschneiden und Nähen und kann freiwillig beantragt werden. Bisher machen große Unternehmen wie Aldi, Lidl, Rewe, Kaufland, Tchibo, Trigema, Vaude, Hess Natur und einige nachhaltige Modelabels mit. Der TÜV
kontrolliert

Offizielles Foto der Aktion "Grüner Knopf": Arbeiterinnen in einer Textilfabrik in Äthiopien
So sieht das Siegel aus
Autor:

Tom Kreib

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