Vor 20 Jahren wurde der Anfang vom Ende des Schlussverkaufes eingeläutet
WSV und SSV: Wer erinnert sich noch an Wühltische und Mega-Schnäppchen?

Vor 20 Jahren berichtete das WOCHENBLATT, dass im Schlussverkauf Designer-Schnäppchen angesagt sind  Foto: Ausriss WOCHENBLATT
  • Vor 20 Jahren berichtete das WOCHENBLATT, dass im Schlussverkauf Designer-Schnäppchen angesagt sind Foto: Ausriss WOCHENBLATT
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(jd). Die Pandemie-bedingten Beschränkungen bleiben vorerst bestehen. Darauf hat sich die Ministerpräsidentenrunde am Dienstag verständigt. Das bedeutet für den Einzelhandel weiterhin erhebliche Einnahmeausfälle. Viele Geschäftsinhaber denken in diesen Tagen daher vielleicht wehmütig an frühere Zeiten zurück. Damals brummten die Umsätze besonders in der letzten Januarwoche während des sogenannten Winterschlussverkaufs. Doch vor genau 20 Jahren wurde mit einer Gesetzesänderung das langsame Ende dieses Verkaufsspektakels eingeläutet.

WSV und SSV: Diese beiden Kürzel für Winter- und Sommerschlussverkauf (damals noch mit einem "ß" statt mit dem Doppel-s geschrieben) lösten bei eingefleischten Schnäppchenjägern Schnappatmung und heftiges Verlangen aus.

Ende Januar bzw. Ende Juli ging es auf Prozente-Pirsch. Diese Rabattjagd war nämlich nur zweimal im Jahr für jeweils zwölf Tage erlaubt - "beginnend am letzten Montag im Januar und am letzten Montag im Juli". So stand es im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Zum Schlussverkauf-Start drängten sich die Menschen vor den geschlossenen Ladentüren. Schilder, auf denen leuchtend rot das Wort "reduziert" prangte, zogen die Kunden magisch an. Die Wühltische mit der Angebotsware wurden heftig umlagert.

Diese tumultartigen Szenen mit den Menschentrauben, die die Kaufhäuser stürmten, waren es, die das Bild von WSV und SSV lange prägten. Billigheimer, die extra zu diesem Anlass minderwertige Ware feilboten, brachten die Schlussverkäufe in Verruf. Zu Unrecht, denn viele Geschäfte hatten tatsächlich hochwertige Produkte im Angebot, die reell reduziert waren.

Das stellte auch das WOCHENBLATT in einem Bericht aus dem Januar 2000 fest: "Früher lautete die Devise viel und billig, heute erwartet man im Schlußverkauf ein Designer-Schnäppchen. Nicht mehr die zehn Paar Nylons à 99 Pfennig sind gefragt, sondern der Boss-Mantel, der statt 998 jetzt 698 Mark kostet." Dem damaligen 50-jährigen Bestehen des Winterschlussverkaufs widmete das WOCHENBLATT sogar den Titelseiten-Aufmacher ("Von Billigstrümpfen zum Designer-Schnäppchen").

Tatsächlich waren diese Abverkäufe für die Modehäuser wichtige Termine. Mit den Schlussverkäufen wurde dafür gesorgt, dass die Textilhändler ihre Saisonware aus dem Lager räumen konnten, um Platz für die neue Sommer- bzw. Winterkollektion zu schaffen.

Außerhalb dieser gesetzlichen Schlussverkaufszeiten durften grundsätzlich keine größeren Rabatte gewährt werden. Dieser Passus im Rabattgesetz wurde 2001 gestrichen. Händler konnten fortan ihre Preisnachlässe frei gestalten. "WSV: Bald Schluß?", titelte das WOCHENBLATT im Januar 2001.

Damit waren WSV und SSV im Prinzip überflüssig, wurden vom Handel aber noch ein paar Jahre fortgeführt, bis ihnen im Juli 2004 eine Reform des UWG endgültig den Garaus machte. "Ja", lautete also die Antwort auf die Frage, die das WOCHENBLATT anlässlich des WSV 2004 stellte: "Ist das der letzte Winterschlussverkauf?"

Weiter heißt es im Artikel: "Kaum vorstellbar, dass die Geschäftsleute künftig darauf verzichten werden, ihre Kunden mit spektakulären Aktionen zu locken." Eine zutreffende Einschätzung: Aus WSV und SSV ist in vielen Geschäften der "Sale" geworden.

Auch wenn der Schlussverkauf passé ist: Sobald der Lockdown gelockert wird, dürfen sich die WOCHENBLATT-Leser wieder über die Angebote der Anzeigenkunden aus dem Einzelhandel freuen und auf die Pirsch gehen.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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