Respektlosigkeit auf dem Friedhof
Erinnerungsstück von Grab gestohlen
- Jessica Qualmann wandte sich an das WOCHENBLATT
- Foto: Jan Filter
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In Winsen ist ein liebevoll platziertes Erinnerungsstück – ein kleiner Spielzeug-Bulli – von einem Familiengrab verschwunden. Die Angehörigen sind tief traurig über den schmerzhaften Verlust. Mit ihrem Gang an die Öffentlichkeit wollen sie nun für einen respektvolleren Umgang auf unseren Friedhöfen sensibilisieren.
Kleine Engelsfiguren, liebevoll bemalte Steine oder besondere Mitbringsel auf einem Grab sind für Angehörige weit mehr als nur schmückende Dekoration. Sie markieren einen Ort des Gedenkens, an dem Trauernde ihren Verstorbenen nahe sein können. Solche kleinen Gaben spenden Trost, stehen für ganz bestimmte gemeinsame Erinnerungen und zeigen eine ungebrochene Verbundenheit, die über den Tod hinausgeht. Ein Friedhof ist für viele Menschen bei uns in der Region ein geschützter Rückzugsort der Stille und des Innehaltens. Umso schmerzhafter ist es, wenn genau in diesen geschützten Raum eingegriffen wird.
Ein ganz besonderes Souvenir fehlt
Auf einem Winsener Friedhof fehlt nun ein solch persönliches Erinnerungsstück vom Grab eines Familienvaters. Bei dem entwendeten Gegenstand handelt es sich um ein ganz spezielles Urlaubssouvenir vom Gardasee. Es ist ein kleiner, orange-weißer VW-Bulli. Auf dem Dach des Busses ist eine kleine Schneekugel befestigt, in der die Burg von Sirmione zu sehen ist. Dieses Mitbringsel hatte als liebevolles Andenken seinen festen Platz auf der Grabstätte gefunden.
„Wer etwas von einem Grab mitnimmt, greift in einen sehr persönlichen Bereich der Trauer ein und verletzt ohnehin schon schwere Gefühle“, schildert Frau Qualmann in einem Schreiben an das WOCHENBLATT. Sie hat den Diebstahl inzwischen offiziell bei der Polizei zur Anzeige gebracht.
Dass es sich bei der Tat um ein Versehen oder das unbedachte Handeln von Kindern handelt, ist kaum anzunehmen. Die traurige Erfahrung zeigt vielmehr, dass es überwiegend ältere Friedhofsbesucher sind, die sich immer wieder respektlos an fremden Gräbern bedienen und Blumen, Gestecke oder eben ganz gezielt persönliche Erinnerungsstücke entwenden.
Ein Appell an das Gewissen
Die Lücke auf dem Grab und der Schmerz der Familie bleiben. Der Vorfall soll daher alle Leserinnen und Leser dazu anregen, einmal darüber nachzudenken, was solch ein Diebstahl bei den Hinterbliebenen auslöst.
Wer den auffälligen orange-weißen Gardasee-Bulli zufällig irgendwo entdeckt oder Hinweise zum Verbleib geben kann, wird gebeten, aufmerksam zu sein. Vielleicht zeigt der Aufruf ja Wirkung und das emotional so wertvolle Erinnerungsstück findet einfach leise und anonym seinen Weg zurück dorthin, wo es hingehört.
Redakteur:Jan Filter aus Winsen |
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