Sein Herz schlägt für Musik
"Interview der Woche" mit dem international bekannten Pianisten Dr. Götz Östlind

Ganz in seinem Element: Dr. Götz Östlind am Klavier beim 
Notenstudium
  • Ganz in seinem Element: Dr. Götz Östlind am Klavier beim
    Notenstudium
  • Foto: Inga Sommer
  • hochgeladen von Christoph Ehlermann

ce. Winsen. Er gab Konzerte in Marokko und Russland, schrieb in "Wetten, dass...?" Fernsehgeschichte und wurde in diesem Jahr von einer Jury in Hollywood für eines seiner Werke ausgezeichnet: der aus Winsen stammende, international bekannte Pianist und Komponist Dr. Götz Östlind (43). Im "Interview der Woche" sprach er mit WOCHENBLATT-Redakteur Christoph Ehlermann über die jüngste Ehrung, seine Arbeitsmöglichkeiten in Corona-Zeiten und über seine Einstellung zu Musik-Castingshows.
WOCHENBLATT: Herr Dr. Östlind, kürzlich wurden Sie von der im Filmmekka ansässigen Preisorganisation „Hollywood Music in Media Awards“ in der Kategorie „herausragende Instrumental-Performance“ für eine Ihrer selbstgeschriebenen Klaviersonaten ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Götz Östlind: Es war eine große Ehre, diesen sehr renommierten Award erhalten zu haben. Neben den Musikwerken, die Teil eines Films waren, wurden auch Kompositionen und Musiktitel in unterschiedlichen Genres gekürt. Für mich war es die erste große internationale Auszeichnung als Komponist – das bleibt unvergesslich.
WOCHENBLATT: Wie haben Sie die Corona-Lockdowns bislang beruflich überstanden?
Östlind: Nach über zehn Jahren intensivem Tourneegeschäft und über 600 Konzerten mit David Harrington als "David & Götz“ spielten wir seit Beginn der Pandemie nur eine Handvoll öffentliche Auftritte.
Ich bin seit dem Sommersemester 2020 Dozent für Musikmanagement an der Hamburger Macromedia Universität, habe eine Kuratorenplattform für Spotify und unter www.g2recordsandpublishing.com ein Plattenlabel gegründet und in den letzten zwölf Monaten fast 100 Titel komponiert. Vergangene Woche war meine Single "Soluppgång“ (schwedisch für "Sonnenaufgang“) auf Platz 4 der weltweiten "Classical“-Charts von Apple Music. Dazu wird in diesem Herbst eines der renommiertesten amerikanischen Ballette, das Richmond Ballet, eine Produktion mit meinen Klaviersonaten 16 Mal aufführen.
WOCHENBLATT: Sie planen seit Längerem, gemeinsam mit dem Tournee-Orchester der verstorbenen Filmmusik-Legende Ennio Morricone eine CD in Prag aufzunehmen, mussten dies aber mehrfach Pandemie-bedingt verschieben. Wie ist der aktuelle Sachstand?
Östlind: Nach den zwei bisherigen Verlegungen habe ich das "Czech National Symphony Orchestra" und den russischen Pianisten Sergey Belyavskiy nun für den 29. September gebucht und hoffe inständig, dass die Aufnahme stattfinden kann.
WOCHENBLATT: Als Showpianisten-Duo gaben Sie und David Harrington unter anderem Konzerte in Marrakesch, Dubai und Moskau. Gibt es Pläne für neue Auftritte?
Östlind: Wir hoffen sehr, dass in absehbarer Zeit wieder öffentliche Konzerte stattfinden können. Aktuell haben wir 13 geplante Termine, die hoffentlich auch zeitnah durchgeführt werden können. Ich wage mittlerweile allerdings keine Prognose mehr. Im vergangenen Sommer erwarteten die wenigsten Menschen den Lockdown, der jetzt herrscht. Meine persönliche Befürchtung ist, dass es eine neue Normalität für Konzertbesucher in den nächsten Jahren geben wird.
WOCHENBLATT: 2006 sorgten Sie in der TV-Show "Wetten, dass...?“ für Aufsehen: Gleich mehrfach hintereinander erkannten Sie jeweils vier gleichzeitig am Klavier gespielte Töne, bewiesen dabei das absolute Gehör und wurden Wettkönig. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren Auftritt und werden Sie heute noch darauf angesprochen?
Östlind: Ein unvergesslicher Abend in einer Abendshow vor 13,7 Millionen Zuschauern - in einer Zeit vor Smartphones, Netflix und YouTube. Aufgrund der vielen neuen Medien sind solche Zuschauerzahlen wohl nur noch bei Fußball-WMs möglich. Interessanterweise sprechen mich immer wieder Menschen darauf an – zuletzt ein Nachbar, der meinen YouTube-Kanal angeschaut hatte.
WOCHENBLATT: Apropos TV: Was halten Sie von Castingshows wie "Deutschland sucht den Superstar“ oder "The Voice Of Germany“? Würden Sie dort gerne in der Jury sitzen?
Östlind: Nein, dafür liegt mein künstlerischer Fokus zu sehr auf Instrumentalmusik, Klassik und Neo-Klassik. Die Shows geben dem heutigen Zeitgeist ein Forum – vor 200 Jahren gaben die Königshäuser Komponisten ein Forum.
WOCHENBLATT: Herr Dr. Östlind, vielen Dank für das Gespräch.
• Infos zur Hollywood-Auszeichnung unter www.hmmawards.com/hmma-winners und zu Östlind selbst unter www.goetzoestlind.com.

Autor:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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