"Misere ist politisch gewollt": Bauern protestieren gegen Milch-Preissturz

"Die Lage ist für mich noch nicht existenzbedrohend, aber ernst": Landwirt Carsten Heitmann in seinem Kuhstall
  • "Die Lage ist für mich noch nicht existenzbedrohend, aber ernst": Landwirt Carsten Heitmann in seinem Kuhstall
  • hochgeladen von Christoph Ehlermann

ce. Winsen. Landwirte in ganz Europa wehren sich seit vielen Monaten gegen den andauernden Preissturz bei der Milch. Jüngster Ausdruck des Protestes ist eine Staffelfahrt, zu der zahlreiche Bauern auch aus den Landkreisen Harburg und Stade gestartet sind und deren Ziel eine große Kundgebung am 1. September in München ist.
"Ich kann die Wut meiner Kollegen verstehen und bin auch verärgert über die Misere, zumal sie von den politischen Regierungen gewollt ist", sagt Landwirt Carsten Heitmann (50) aus dem Winsener Ortsteil Gehrden. Er spielt damit unter anderem auf die von Russlands Präsident Putin verhängte Einfuhrsperre für Molkereiprodukte aus den EU-Ländern an. Als Ursache für die Milchflaute hinzu komme die derzeitige Wirtschaftskrise in China.
Im Jahr 1994 übernahm Carsten Heitmann den elterlichen Betrieb mit seinerzeit 20 Kühen und 50 Sauen. Vier Jahre später gab er die Schweine auf und besitzt heute 125 Kühe. Jede von ihnen gibt rund 8.500 Liter Milch im Jahr. Diese liefert Heitmann vorwiegend zur Käsegewinnung an eine Molkerei in Wismar. "Derzeit bekomme ich 26 Cent pro Liter, Tendenz fallend. In besten Zeiten waren es früher gut 40 Cent", blickt Heitmann wehmütig zurück. "Die Differenz fehlt uns, auch damit wir die Produktionskosten wieder reinholen können." Unterstützt wird Heitmann auf seinem Hof von einem festen Mitarbeiter und einem ganzjährig tätigen Praktikanten.
Um wettbewerb- und zukunftsfähig zu bleiben, baute Carsten Heitmann kürzlich für 70 seiner Kühe einen neuen Stall. Die Lauffläche befindet sich auf einem Spaltenboden, bei dem die anfallende Gülle in einem eigens dafür gebauten Keller aufgefangen wird. Investitionskosten: Insgesamt rund 300.000 Euro.
Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer forderte inzwischen ein 300-Millionen-Euro-Soforthilfeprogramm zur Stabilisierung des Milchpreises. Der aktuelle Tiefstand von zum Teil unter 27 Cent pro Liter bedrohe die Existenz der rund 11.200 Milchviehhalter in Niedersachsen. "Die Auswirkungen des Milchpreis-Rückgangs sind für mich noch nicht so verheerend, aber auch nicht einfach zu verkraften. Etwa 100.000 Euro an Einnahmen werde ich in 2015 weniger haben", gesteht Heitmann ein. "Um dieses für viele Bauern katastrophale Jahr wieder auszugleichen, braucht es mindestens zwei gute Jahre."

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