Wenn Politik Verhandlungssache wird
Planspiel „Nation und Du“ in Winsener Eckermann-Realschule
- Die Gewinnergruppe "TechUtopia", hier mit der Jury, wurde von dieser auch für die gedankliche Tiefe der Planspiel-Beiträge gelobt
- Foto: Eckermann-Realschule
- hochgeladen von Karsten Schaar
ks Winsen. Wie fühlt es sich an, politische Verantwortung zu tragen und Entscheidungen treffen zu müssen, deren Folgen nicht absehbar sind? Diese Erfahrungen machten jetzt die Klassen 9a und 9d der Johann-Peter-Eckermann-Realschule im Jugendzentrum "Egon's". Im Planspiel „Nation und Du“ wurde Politik zum Erfahrungsraum, in dem Positionen entwickelt, Interessen ausgehandelt und Kompromisse gefunden werden mussten.
Die Schüler arbeiteten in fiktiven Parteien wie Soziale Moderne, Society Punks, TechUtopia, Das Werk Gottes, MonarchyNow, FeminisMUSS, Moneyopolis und Vi(v)a Europa. Ausgangspunkt war die politische Umbruchsituation der Jahre 1989 und 1990. Angeleitet wurden die Neuntklässler von Marius Fröchling vom Hamburger Fortbildungsinstitut Haus Rissen. In aufeinander aufbauenden Spielphasen wurden Programme für ein zukünftiges gesellschaftliches Zusammenleben entwickelt. Es musste auf neue politische und wirtschaftliche Herausforderungen und reagiert und Positionen immer wieder angepasst werden. Themen wie Freiheitsrechte, Mitbestimmung, soziale Sicherheit und wirtschaftliche Perspektiven standen ebenso im Mittelpunkt wie die Frage, welche Werte ein Gemeinwesen tragen. Bündnisse wurden geschlossen, Mehrheiten organisiert und Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen. Dabei wurde erfahrbar, dass politische Prozesse von Unsicherheit, Interessenkonflikten und der Notwendigkeit leben, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen.
Die 15-jährige Alma Röber erklärte, es sei besonders spannend gewesen, Entscheidungen nicht nur zu bewerten, sondern selbst treffen zu müssen. Gerade das Einnehmen anderer Perspektiven habe neue Sichtweisen eröffnet und das Verständnis für politische Auseinandersetzungen vertieft.
Im Verlauf zeigte sich, wie anspruchsvoll es ist, tragfähige Kompromisse zu entwickeln. Sven Kumar (15) hob hervor, dass man erst im eigenen Handeln erkannt habe, wie viel Abstimmung notwendig sei, damit am Ende Entscheidungen entstehen, die von möglichst vielen mitgetragen werden können.
Den Abschluss bildete die Präsentation der Ergebnisse vor einer Jury, der unter anderem Kreisrätin Ana Cristina Bröcking, Winsens Bürgermeister André Wiese und Dr. Agata Klaus von der Deutschen Nationalstiftung angehörten. Als Gewinnergruppe wurde „TechUtopia“ ausgezeichnet. Die Jury würdigte die gedankliche Tiefe der Beiträge, die Klarheit der Argumentationen und die Vielfalt der entwickelten Ansätze für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dr. Agata Klaus betonte, es sei beeindruckend gewesen, zu sehen, wie differenziert und verantwortungsbewusst die Jugendlichen politische Fragestellungen bearbeitet und eigene Lösungsansätze entwickelt hätten.
Redakteur:Karsten Schaar aus Winsen |
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