Vogel des Glücks fühlt sich im wohl
Rekordjahr für den Storchennachwuchs
- Im Landkreis Harburg fühlt sich Meister Adebar wohl: Die Zahl der Jungstörche ist deutlich gestiegen.
- hochgeladen von Christoph Ehlermann
Er gilt als Vogel des Glücks: Der Weißstorch fasziniert die Menschen seit Jahrhunderten. Schon bei den alten Ägyptern hatte der Storch eine besondere Stellung, und noch heute zaubern sein Anblick und sein Klappern den Menschen ein Lächeln ins Gesicht – und das im Landkreis Harburg besonders oft. Der Landkreis Harburg ist eine Hochburg des Storches und verzeichnete einen Brutrekord. Die Brutpaare haben 2026 so viele Jungtiere aufgezogen wie seit mindestens 60 Jahren nicht mehr. Die Störche fühlen sich besonders längst der Elbe – in der Elbmarsch, im Bereich Winsen und in Seevetal – wohl. Für Naturschützer ist das aber nicht nur ein Grund zur Freude.
Die Betreuungsarbeit der Storchenpaare haben Ehrenamtliche des Naturschutzbundes (Nabu) übernommen, finanziell unterstützt die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises diese Arbeit. „Der Nabu übernimmt damit wichtige Artenschutzmaßnahmen für Weißstorch und zusätzlich auch für Brachvogel und Eisvogel“, sagt Armin Hirt von der Abteilung Umwelt. „Ohne diese engagierten ehrenamtlichen Experten wäre guter Artenschutz im Landkreis Harburg heute kaum mehr vorstellbar.“
175 Jungstörche sind im Sommer ausgeflogen, aufgezogen von 81 Nestpaaren. Im vergangenen Jahr waren es noch 130 Jungvögel und 2021 nur 90 bei damals noch 55 Paaren. Wie stark sich der Bestand langfristig entwickelt hat, zeigt ein Blick zurück: 1953 wurden als Folge der Industrialisierung der Landwirtschaft im Landkreis lediglich sieben brütende Storchenpaare mit 21 Jungstörchen gezählt.
Ein Grund, dass heute so viele Weißstörche im Landkreis Harburg zu beobachten sind: Meister Adebar gilt als erstaunlich flexibel. „Der Weißstorch ist ein Kulturfolger und erweist sich als anpassungsfähig an eine drastisch vom Menschen veränderte Landschaft“, erläutert Armin Hirt. „Seine erfreuliche Bestandsentwicklung bedeutet leider nicht, dass wir uns beim Arten- und Naturschutz zurücklehnen können.“
Denn Feuchtwiesen und intakte Auen sind trotz der Erfolge im Storchenschutz immer seltener geworden – und die sind nicht nur für Meister Adebar wichtig, darauf sind auch viele andere Arten wie Braunkehlchen, Kiebitz und Feldlerche angewiesen, die nicht so anpassungsfähig sind. Und auch der Weißstorch ist weiterhin durch Veränderungen in der Landwirtschaft und Landschaft, durch Plastikmüll und andere Abfälle in den Nestern sowie den Klimawandel gefährdet.
Als typischer Zugvögel fliegen Störche oft schon im Spätsommer in den Süden – auch im Landkreis haben die Jungstörche das Brutgebiet bereits verlassen, während sich die Altstörche noch eine „Elternauszeit“ gönnen und sich etwas Zeit lassen, bis sie folgen.
Doch die traditionellen Zugrouten verändern sich mit dem Klimawandel: Da die Winter milder werden, fliegen viele Störche heute nicht mehr bis nach Afrika, sondern verbringen den Winter in Spanien, Portugal oder zunehmend auch in Mitteleuropa. Als Überwinterungsziel dienen dabei die großen Müllkippen Südeuropas. Damit verkürzt sich ihre Reise erheblich – auch das ist ein Grund für die Zunahme der Bestände.
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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